Gisela May war am Mittwoch zum zweiten Mal in Sanne zu Gast. Mit ihrem Auftritt vor 130 Gästen unterstützte sie die Benefizveranstaltung "Lichtblick", die in diesem Jahr Spenden für die José-Carreras-Leukämie-Stiftung zusammenträgt.

Sanne l Gegen 18 Uhr am Mittwochabend war in Sanne kaum noch ein Parkplatz zu bekommen. Vor dem Kirchenportal standen die Gäste in einer langen Reihe, um Einlass in die kleine Feldsteinkirche des Dorfes zu erhalten. Dann aber die Mitteilung, dass sich der Beginn der für 18.30 Uhr verkündeten Benefizveranstaltung verzögert. Der Grund: Gisela May war noch nicht eingetroffen, sie stand unterwegs aufgrund einer Straßenbaustelle im Stau.

Geduldig und voller Vorfreude warteten die Gäste. Mit nur 20 Minuten Verzögerung begann die Veranstaltung und entschädigte mit einem abwechslungsreichen Programm die zuvor wartenden Gäste. Diese erlebten eine weltgewandte Grand Dame, die von Begebenheiten ihres interessanten Berufes und aus ihrem ereignisreichen Leben berichtete. Selbstverständlich blieben Kostproben ihres künstlerischen Talents nicht aus.

Begleitet von viel Applaus betrat Gisela May die Bühne. Es war ihr eine Herzensangelegenheit nach Sanne zurückzukommen, wo sie vor sechs Jahren auf Einladung von Marten Krebs erstmals gastierte. "Sie hat in meinem Leben viel bewegt. Mittlerweile bin ich Schauspieler geworden", sagte Krebs, der in Sanne aufwuchs.

An ihr erstes Schauspiel- engagement kann sich May noch gut erinnern: "Das war im zerstörten Dresden. Damals fuhr mein Vater noch mit, weil ich noch nicht 18 war." Damals wohnte sie in einem möbliertem Zimmer im vierten Stock des Dresdener Schlosses. Weil dort wertvolle Kunstgegenstände lagerten, wurde das Schlossportal von 21 bis 6 Uhr abgeschlossen, was für einige Schwierigkeiten sorgte, wenn May Herrenbesuch empfangen wollte, wie sie schmunzelnd schilderte.

Es folgten Engagements in Leipzig und später im Staatstheater Schwerin. Dort durfte sie erstmals auf der Bühne singen. Und dann ging sie nach Berlin. "Ich wollte nicht nach Berlin, um eine berühmte Darstellerin zu werden. Ich wollte dorthin, weil dort die besten Schauspieler spielten. Mit ihnen zu spielen, Dialoge zu erarbeiten, das ist, wie wenn ein Federball hin- und hergeht." May wurde Mitglied am Berliner Ensemble. Sie spielte bei Brecht und wurde schließlich die "Mutter Courage", die sie 120-mal auf der Bühne verkörperte. Mit filmischen und musikalischen Einspielungen erinnerte die Künstlerin an ihre Erfolge. Bei "Hallo Dolly", was sie parallel zu "Mutter Courage" im Metropoltheater spielte, klatschte das Publikum mit. Es erlebte Einspielungen aus "Mutter Courage" und hörten den "Mackie-Messer-Song". Schließlich wurde Gisela May zu einem Gastspiel in Amerika eingeladen. 30-mal trat sie in New York auf. Es folgten Vorstellungen in Chicago und Los Angeles. Ihre dort verdiente Gage versteckte sie, aus Angst vor Dieben, im Kopfkissenbezug ihres Hotelzimmerbettes. Prompt fand das Zimmermädchen dort das Geld. Es wahr ehrlich und gab May alles zurück.

Interessantes berichtete May aber nicht nur aus früheren Jahren. Nur wenige Tage vor ihrem Auftritt in der Altmark wurde sie in Marburg zur Botschafterin Hessens ernannt. "Ich bin doch ein Hesse-Mädchen", erklärte sie.

Mit ihrem Auftritt in Sanne unterstützte die Künstlerin die Benefizveranstaltung zugunsten der Carreras-Stiftung. "Leukämie muss heilbar werden. Deshalb sind wir alle hier", begrüßte Organisator Marten Krebs das Publikum. Vor zwei Jahren verlor er selbst einen Freund an dieser Krankheit. "Ich weiß, was für eine Berg- und Talfahrt dieses Schicksal einem beschert", so der Schauspieler. Auch die "Sturm-der-Liebe"-Darsteller Gabrielle Scharnitzky und Ivanka Brekalo ermutigten die Besucher via Videoübertragung, ein Lichtblick im Kampf gegen Blutkrebs zu sein und mit einer Spende zu helfen.

Peter Maffay, Botschafter der José-Carreras-Leukämie-Stiftung, unterstützte die Veranstaltung. Er ließ Marten Krebs seine Tourjacke aus dem Jahr 2009, ein Blouson sowie ein Tabaluga-Kuscheltier zukommen. Diese drei Originale des Musikers waren zu ersteigern. Wer den Zuschlag erhält, wird ermittelt und in Kürze in der Volksstimme mitgeteilt.

Der Erlös der Versteigerungen kommt der José-Carreras-Leukämie-Stiftung zugute. Prof. Gerhard Behre vom Universitätsklinikum Leipzig erläuterte, wie jeder einzelne sich für die Hilfe anderer, die mit dem Schicksalsschlag Leukämie umgehen müssen, einsetzen kann. Zum einen sollte sich jeder als Stammzellenspender anmelden. Wie Behre erklärte, ist diese Prozedur kaum unangenehmer als eine Blutspende. Zum anderen benötigt die Forschung Geld.

Das Spendenkonto der José-Carreras-Leukämie-Stiftung lautet: Konto 319969901, Bankleitzahl 70080000, Commerzbank AG München.