Überraschung und auch das Eingeständnis eigener fehlender Alternativen: So reagierten Vorsitzende der SPD-Ortsvereine auf die angekündigte Bewerbung zur Direktkandidatur für den Bundestag von Arbeitsagenturchefin Marina Kermer.

Salzwedel l Einen flächendeckenden Bekanntheitsstatus hat Marina Kermer in der westlichen Altmark - noch - nicht. Marko Mühlstein, Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Stendal, hatte die Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Stendal als Bundestags-Direktkandidatin für die Altmark vorgeschlagen, wie die Stendaler Volksstimme berichtete. Mühlstein selbst, Bundestagsabgeordneter von 2004 bis 2009, hatte auf eine erneute Kandidatur verzichtet.

"Ich kenne sie eigentlich nicht", bekannte Mandy Zepig, Vorsitzende des Gardelegener SPD-Ortsvereins, ebenso Detleff Bill und Uwe Walter, die Vorsitzenden der Genossen aus dem Bereich Diesdorf-Dähre sowie Arendsee. Uwe Walter hofft allerdings auf eine baldige Vorstellung Kermers. "Sie muss sich um die Ortsvereine kümmern", fordert Mandy Zepig unmissverständlich.

An der Eignung von Marina Kermer zweifelt allerdings niemand. Er persönlich halte die Chefin der Arbeitsagentur für sehr kompetent, so der Klötzer SPD-Chef Jürgen Barth, der sich angesichts der bevorstehenden Sitzung des Kreisvorstandes als dessen Vorsitzender nicht äußern wollte. Seiner Einschätzung schloss sich auch Norbert Hundt, Vorsitzender der Salzwedeler SPD, an. "Sie ist kompetent, kann kämpfen und sich durchsetzen." Eigenschaften, die im Wahlkampf durchaus von Vorteil seien.

Mandy Zepig geht von einer gut überlegten Kandidatenwahl Mühlsteins aus. "Wenn Marko sie vorschlägt, muss ich mich darauf verlassen." Sie stellt aber auch klar: "Es ist der Vorschlag von Marko Mühlstein." Sie wolle jetzt alle Mitglieder des Gardelegener Ortsvereins anschreiben, ob diese eventuell selbst Interesse an einer Kandidatur hätten. "Und dann wird die Delegiertenversammlung entscheiden."

Und da sollten die Westaltmärker einen eigenen Kandidaten aufstellen, fordert Christoph Neumann, Vorsitzender der Kalbenser SPD, der das Direktmandat nicht unbedingt in Stendal, aber auch nicht bei der Partei Die Linke sehen möchte. Ob sich Marina Kermer gegen den Stendaler Landrat Jörg Hellmuth, den die CDU ins Rennen schickt, und die derzeitige Mandatsinhaberin Katrin Kunert (Die Linke) durchsetzen kann, bezweifelt Neumann.

Doch genau da liegt das Problem der westaltmärkischen Sozialdemokraten. "Wir haben keine Alternative", räumt Norbert Hundt unumwunden ein. "Man muss die Position auch ausfüllen können", sagte Mandy Zepig.

Überraschung über Vorschlag

Die SPD brauche dringend starken politischen Nachwuchs, äußerte Hundt weiter. Eigene Ambitionen werden von den führenden Sozialdemokraten verneint. Der Ortsverband Klötze werde wohl keinen Gegenkandidaten aufstellen, und da schließe er seine Person mit ein, sagte Jürgen Barth. "Ich könnte mir ein Leben als Bundestagsabgeordnete nicht vorstellen", sagt Mandy Zepig, ,,ich mag meine Politik zu Hause, und ich mag das Regionale. Außerdem habe ich eine Tochter, von der möchte ich was haben."

Dass Marina Kermer, erst seit Wochenanfang Mitglied der Sozialdemokraten und nun schon als potenzielle Direktkandidatin im Gespräch ist, wird in der westlichen Altmark zurückhaltend als "überraschend" umschrieben. "Das war vielleicht nicht ganz in Ordnung, da müssen wir noch mal drüber reden", meint Detleff Bill.

Zwischen Arendsee und Gardelegen ist auch nicht vergessen, dass der Altmarkkreis Salzwedel vor fünf Jahren wesentlich weniger Mittel für Wiedereingliederungsmaßnahmen auf dem zweiten Arbeitsmarkt erhielt als der Landkreis Stendal. "Der Kontakt zur Arbeitsagentur gestaltetet sich sehr kompliziert", blickt Christoph Neumann zurück.

Dennoch, die SPD in der Altmark benötige wieder einen Bundestagsabgeordneten, sagte Norbert Hundt. Dadurch könne die politische Arbeit viel wirksamer nach draußen getragen werden. Und dafür sei es auch nicht schlecht, wenn eine Frau antritt, wird in den Gesprächen mit den Vorsitzenden deutlich. Eine Frau, noch dazu mit einem gewerkschaftlichen Hintergrund, hätte bei der Aufstellung der Landesliste bessere Chancen auf einen vorderen Platz. Damit könnte, falls es mit dem Direktmandat nicht klappt, auch ein Einzug in den Bundestag über die Landesliste möglich sein.

Der Vorschlag aus Stendal dürfte auf jeden Fall das bestimmende Thema sein, wenn sich in den nächsten Tagen die Vorstände der westaltmärkischen Ortsvereine zu ihren nächsten Beratungen treffen.

   

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