Ende 2013 soll der Bahn-Haltepunkt in Meßdorf geschlossen werden. Der Meinung sind zumindest Bahn und NASA. Die Meßdorfer wollen sich dagegen mit einem breit angelegten Bürgerbegehren wehren.

Meßdorf l "Ich mache ihnen nicht viel Hoffnung", erklärte Annegret Schwarz, amtierende Bauamtsleiterin der Einheitsgemeinde Bismark, am Mittwoch im Meßdorfer Ortschaftsrat. Ortsräte und Einwohner hatten bis dahin gespannt die Ausführungen von Schwarz zu Gesprächen mit der Deutschen Bahn AG sowie der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA; 100-prozentige Gesellschaft des Landes) verfolgt. Die Bahn beabsichtigt, Ende 2013 den Haltepunkt Meßdorf zu schließen.

Im Februar gingen in der Einheitsgemeinde die Planungen für den zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Stendal-Uelzen ein. Denen war zu entnehmen, dass zwei Bahnübergänge bei Meßdorf betroffen sind. Zum einen sollte der Übergang am Triftweg geschlossen werden. Nach Vor-Ort-Terminen und Gesprächen mit der Bahn konnte das Vorhaben jedoch gestoppt werden. "Der Übergang am Triftweg bleibt", konnte Annegret Schwarz verkünden. Es wird dazu noch eine Vereinbarung abgeschlossen. Die Einheitsgemeinde trägt ein Drittel der Kosten.

Zum Haltepunkt in Meßdorf: Im Zuge des zweigleisigen Ausbaues der Bahnstrecke müsste am Bahnhof Meßdorf ein zweiter Bahnsteig gebaut werden. Die Kosten dafür schätzt die Bahn als zu hoch ein. Zudem hätte eine Prüfung ergeben, dass es täglich nur 30 Ein-/Aussteiger in Meßdorf gibt. Demnach müsse der Haltepunkt geschlossen werden.

Nach erfolglosen Schreiben von Landkreis und Einheitsgemeinde an die Bahn zum Verbleib des Haltepunktes sowie Vor-Ort-Terminen suchte die amtierende Bauamtsleiterin zusammen mit einem Landkreis-Mitarbeiter eine Lösung im Gespräch mit der NASA. Das verlief ebenfalls erfolglos. Laut NASA gebe es zu wenig Argumente für den Erhalt des Meßdorfer Haltepunktes. Man hätte laut NASA schon Bahnhöfe mit einer höheren Nutzung als in Meßdorf geschlossen, berichtete Schwarz von dem Gespräch. Zudem konzentriere man sich auf den Bahnhof Hohenwulsch, der als "Schnittstellen-Schwerpunkt" ausgebaut werden soll und sozusagen die nächste Zusteigemöglichkeit für die Meßdorfer wäre.

"Wir haben zwar bis heute keine definitive Aussage, dass der Haltepunkt Meßdorf entfällt", erklärte Annegret Schwarz am Mittwoch. "Ich mache Ihnen aber nicht viel Hoffnung." Ungeachtet dessen soll aber noch einmal Kontakt zum Verkehrsministerium Sachsen-Anhalts aufgenommen werden.

Die Meßdorferin Christa Borm, die zum Ortschaftsrat mit vier Jugendlichen erschienen war, will sich vehement für den Verbleib des Haltepunktes einsetzen. "20 Minuten mit dem Zug nach Stendal - dafür gibt es keinen Ersatz", erklärte Borm mit Blick auf die 13 Schüler, die täglich auf die Zugverbindung angewiesen sind. Entfällt der Haltepunkt, wären die Schüler laut Borm jeden Tag 10,5 Stunden unterwegs. Zudem verwies sie darauf, dass sie als Landwirte ein Ausbildungsbetrieb sind. Die Lehrlinge könnten dann nicht mehr nach Meßdorf kommen, weil man in dem Alter noch keinen Führerschein hat.

Von dem Wegfall des Haltepunktes wäre nicht nur Meßdorf, sondern eine Vielzahl umliegender Dörfer betroffen. Die Meßdorfer wollen nun noch einmal selbst eine Zählung der Ein-/Aussteiger vornehmen und weitere Argumente sammeln. Ortsbürgermeister Uwe Lenz schlug ein "breit angelegtes Bürgerbegehren" vor. Es sollen ein Text verfasst und Unterschriften gesammelt werden. Der Brief soll dann an Verkehrsminister Thomas Webel geschickt werden.