Die ehemalige Gutskirche in Schönfeld sollte bereits verkauft und abgerissen werden. Jetzt setzt sich ein Förderverein für den Erhalt der Backsteinkirche ein. Am Sonnabend lädt der Verein zu einem Kirchenfest nach Schönfeld.

Schönfeld. "Am Karfreitag fuhr ich aus Bismark kommend in Richtung Stendal und machte einen Abstecher nach Schönfeld", erzählt Felix Meister (28), einer der acht Gründungsmitglieder des Fördervereins "Freunde der Gutskirche Schönfeld". Dabei fiel sein Blick auf "die herrliche neugotische Kirche".

Kirche wird verkauft, Abriss ist beantragt

Auf Nachfrage geriet Felix Meister, der aus Stendal stammt, Diplom-Jurist ist und Kunstgeschichte studiert hat, an Hubertus von Rundstedt, dessen Familie die Backsteinkirche von 1883 bis 1885 erbauen ließ und der heute wieder in Schönfeld lebt und arbeitet. Meister hatte die Möglichkeit, sich die ehemalige Gutskirche anzuschauen. Zudem erfuhr er, dass die Kirche zum Verkauf steht. Ein Abrissantrag ist sogar gestellt worden. Diplom-Restauratorin Uta-Barbara Riecke, die aus Klein Möringen stammt, hat die Gutskirche zum Thema ihrer Masterarbeit gemacht.

Kurzum: Am 2. August 2010 wurde der Verein "Freunde der Gutskirche Schönfeld" gegründet. Sein Anliegen ist es, die Kirche vor dem Verfall zu bewahren. Der Verein will sich für eine denkmalgerechte Wiederherstellung, den dauerhaften Erhalt und eine angemessene Nutzung des Denkmals einsetzen. Als Vorsitzende des Vereins wurden Uta-Barbara Riecke und Felix Meister gewählt, zum Kassenwart Hubertus von Rundstedt.

Am Sonnabend, 25. September, findet um 17 Uhr in Schönfeld die erste Mitgliederversammlung statt. Der Verein "Freunde der Gutskirche Schönfeld" zählt bereits 90 Mitglieder. "Die Hälfte kommt aus der Altmark, die andere Hälfte aus ganz Deutschland", erklärt Felix Meister. Bereits ab 14 Uhr lädt der Förderverein zu einem Kirchenfest nach Schönfeld ein. Zwischen dem Schloss, der ehemaligen Gutskirche und dem Gutshof wird Pfarrer Alfredo Rockstroh zu Beginn einen Feldgottesdienst abhalten. Im Anschluss werden Anwohner, Vereinsmitglieder und Interessenten Gelegenheit zum Austausch haben. Für Kaffee und Kuchen ist gesorgt.

Gegen 16 Uhr wird Diplom-Restauratorin Uta-Barbara Riecke eine Einführung in die Bau- und Kunstgeschichte der Gutskirche geben, gefolgt von einer Beschreibung der Bauschäden und dringendsten Erhaltungsmaßnahmen durch Diplom-Ingenieur Frank Ende. Jahrzehnte ohne Pflege und Nutzung haben der ehemaligen Gutskirche stark zugesetzt. Heute ist das Gebäude vom Verfall bedroht. Infolge der defekten Dächer und desolaten Dachrinnen sind erhebliche Schäden durch eindringendes Regen- und Schmelzwasser entstanden.

Die imposante Backsteinkirche wurde in den Jahren 1883 bis 1885 vom Architekten Conrad Wilhelm Hase erbaut, einem der einflussreichsten deutschen Baumeister der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Hase war als Hochschullehrer Begründer der "Hannoverschen Architekturschule", die stilprägend auf weite Teile Europas wirkte. Die Schönfelder Backsteinkirche gilt als beispielhaft für diesen Baustil und repräsentiert mit ihrer einzigartigen Gestalt diese bedeutende kunsthistorische Stilgattung in der Altmark.

In der Art nur zwei weitere Gotteshäuser

"Das noch erhaltene Zusammenspiel von Architektur und Ausstattung wie bei der Schönfelder Gutskirche findet man so nur noch an zwei weiteren Hase-Kirchen in Deutschland, darunter auch die Kirche in Vollenschier", weist Felix Meister noch einmal auf die Bedeutung für den Erhalt dieses Kulturdenkmals hin.

Einen ersten Erfolg kann der Förderverein bereits verbuchen. Laut Michael Kleemann, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Stendal, wurde der Antrag auf Abriss der ehemaligen Gutskirche in Schönfeld vom Landesverwaltungsamt abgelehnt. Zudem wurde Fördergeld für den Erhalt der Kirche in Aussicht gestellt.

www.gutskirche-schoenfeld.de

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