Ein Konzept, wie die Feuerwehren in der Westlichen Börde künftig als Ortswehren fit sind und gemeinsam effektiv größere Einsätze bewältigen könnten, stellte Clemens Köhler am Dienstagabend im Brandschutzausschuss vor. Der stellvertretende Gemeindewehrleiter präsentierte damit zugleich die vom Land Sachsen-Anhalt geforderte Risikoanalyse für den Brandschutz der neu gebildeten Verbandsgemeinde.

Westliche Börde. Clemens Köhler hat die Wehren in der Westlichen Börde einer gründlichen Prüfung unterzogen.

Der stellvertretende Gemeindewehrleiter zeigt auf, dass sich die Einsatzabteilungen teilweise recht mitgliederstark präsentieren, von 14 Feuerwehrleuten in Krottorf bis 56 in Ausleben. Der Nachwuchs macht indes vielerorts Sorgen, bei den Gruppenführern, aber auch insgesamt für die Feuerwehr. Außerdem müsse man fragen, in welcher Stärke die Feuerwehr innerhalb der Hilfsfristen vor Ort sein soll. "Das ist eines der Kriterien, wo wir Bauchschmerzen haben, weil die Feuerwehr nun mal ehrenamtlich ist." Derzeit gelinge es den Wehren zwar, durchschnittlich innerhalb von sechs Minuten auszurücken. Tagsüber seien aber nicht alle Wehren einsatzbereit, zum Beispiel weil die notwendigen Atemschutzgeräteträger fehlen. Auch technisch bestehe Nachholbedarf: Feuerwehrgerätehäuser seien teilweise sanierungsbedürftig. Teilweise müsse nachgerüstet werden, weil örtliche Gegebenheiten dies verlangen. Das betrifft etwa Krottorf, wo im Notfall an der E.ON Avacon-Ausbildungsakademie eine höhere Leiter erforderlich sei, um nur eines von vielen aufgezählten Beispielen zu nennen. Und Löschwasser sei an manchen Orten schwer zu beziehen. Oft treffe das Gewerbegebiete oder landwirtschaftliche Betriebe am Ortsrand.

Ziel solle sein, jede Ortsfeuerwehr für die Erste Hilfe bei Feuer oder Unfällen, für die Menschenrettung und die Brand- bekämpfung fit zu machen. Gleichzeitig hat Köhler ein Konzept vorgestellt, bei dem die Wehren in fünf Zügen formiert werden sollen, die als Verstärkungstrupps spezielle Aufgabenbereiche übernehmen würden. "Dann muss nicht mehr jede Feuerwehr alles können", erklärte er. Krottorf solle auf Logistik, Wasser- und Eisrettung spezialisiert werden, die anderen Wehren von Gröningen auf technische Hilfe und den ABC-Ersteinsatz, ebenso wie die Ausleber Feuerwehr. Die Wehren in Kroppenstedt und im Großen Bruch wären für die Wasserförderung zuständig.

Investitionen von 4 Milllionen Euro nötig

"Bei der Aufteilung sind wir auch danach gegangen, welche Wehren bestimmte Voraussetzungen haben, auf die wir zurückgreifen können", erklärte Köhler. So sollen sie sich ergänzen, um das Gebiet der Verbandsgemeinde effektiv bei Einsätzen abzudecken. Um aufge- zeigte Mängel in den Wehren vor dem Hintergrund dieses Gesamtkonzeptes zu realisieren, wären eine Reihe Neuanschaffungen für alle Wehren und eine Ge-samtinvestition von etwa 4 Millionen Euro nötig, machte Köhler die Dimensionen klar. Dabei sei dieser Bedarfsplan auf die nächsten 15 bis 20 Jahre ausgerichtet. Köhler und der ebenfalls anwesende Gemeindewehrleiter Harald Hinz betonten, dass alles mit den Ortsfeuerwehren im Vorfeld abgestimmt worden sei.

Überrascht zeigten sich anwesende Feuerwehrvertreter, als CDU-Rat Rainer Dippe indes im Namen des Wulferstedter Wehrleiters Klärungsbedarf für die Gemeinde Am Großen Bruch anmeldete. Dort soll ein Fahrzeug für Wulferstedt neu gekauft werden, das laut Risikoanalyse in Hamersleben besser stationiert wäre – weil es bei einem Brand in den umliegenden Orte sinnvoller eingesetzt werden könne. Das soll nun im Großen Bruch noch einmal aufs Tapet kommen.

Die Risikoanalyse wird schließlich dem gesamten Verbandsgemeinderat vorgestellt, bevor sie für eine fachliche Stellungnahme an den Landkreis geht. Erst danach wird ein Beschluss dazu gefasst.

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