Noch bis 2014 werden Bürgerarbeiter im Schlosspark Peseckendorf im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun. Doch wie kann nach dieser Zeit das Geschaffene erhalten werden? Dieser Frage ging eine Informationsveranstaltung des Kultur- und Heimatvereins Peseckendorf nach.

Peseckendorf l "Schlosspark Peseckendorf: gestern, heute. Und morgen?" - so lautete das Thema der Veranstaltung, die am Sonnabend im Peseckendorfer Kulturhaus stattfand. Organisiert hatte diese der Kultur- und Heimatverein des kleinen Bördedorfes. Mario Engelmann, Vorsitzender des Vereins, konnte einige interessierte Besucher begrüßen.

Zunächst reiste er mit ihnen in die Geschichte des Schloss- oder Gutsparkes. Schon im 17. Jahrhundert sollten Wasser, Teiche und Bäche das Areal rund um das erste Schloss bestimmen. Nach dem Abriss des alten Schlosses entstand Ende des 19. Jahrhunderts der "neue" Park, in das der bekannte Architekt Paul Schultze-Naumburg zwischen 1906 und 1909 das heute noch erhaltenen Gutshaus hinein "arrangierte". Gebäude und Park bildeten eine untrennbare Einheit. Es gab drei Teiche, Wasserläufe und Sichtachsen, die innerhalb des Parks immer wieder den Blick auf das Gutshaus ermöglichten. In den Teichen spiegelten sich das Schloss genauso wie die prächtigen Blutbuchen, Kastanien und Eichen. Über Jahrzehnte ruhte nach dem Krieg, als die Familie Schäper das Gut verlassen musste, die Pflege des Parks. Mit Gründung des Kultur- und Heimatvereins rückte der Schlosspark wieder in den Mittelpunkt engagierter Pe-seckendorfer. Zwei Diplom- arbeiten bildeten den Grundstock für die Sanierung des Parks, die mit Hilfe der Bürgerarbeit und in Zusammenarbeit mit der Stadt Oschersleben schneller als gedacht, in Angriff genommen werden konnten.

"Wir befinden uns derzeit auf einer Durchgangsstation. Ziel ist nicht der Park mit dem englischen Rasen, sondern ein Park, der auch Lebensraum ist, Lebensraum für Fauna und Flora, im Gleichklang mit den Wünschen des Naturschutzes. Wohin also soll die Reise für den Schlosspark Peseckendorf gehen?", mit dieser Frage schuf Mario Engelmann den Übergang zu den Ausführungen von Landschaftsplaner Rainer Brokof. Thema seines Vortrages war die Rekonstruktion des Schlossparks, die 2011 mit der Bürgerarbeit startete. Durchschnittlich 20 Männer und Frauen sind seit dieser Zeit im Park am Wirken. Anfangs, so Brokof, sei der Park regelrecht umgegraben worden, nur so konnte dem Wildwuchs von Eschen, Ahorn und Holunder Einhalt geboten werden. Sämtliche Arbeiten, vor allem aus Abholzen, würden immer mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises und dem Denkmalschutz des Landes abgestimmt.

Der Park steht übrigens bereits seit 1954 unter Denkmalschutz. Nach dem Abholzen, erste Sichtachsen und alte Strukturen sind bereits wieder erkennbar, der Teichentschlammung im vergangenen Jahr, beginnt nun mit dem einsetzenden Frühjahr eine groß angelegte Pflanzaktion. Ein Schwerpunkt für die Bürgerarbeit in diesem Jahr wird der Wegebau sein. Auch dafür sind alle Vorbereitungen getroffen. Im letzten Jahr der Bürgerarbeit könnte noch der Bau neuer Brücken in Angriff genommen werden.

"Wenn 2014 die Bürgerarbeit endet, wird es nur ein erstes Ende sein, der Park entwickelt sich weiter und in Folge dessen muss die Arbeit fortgesetzt werden", so Rainer Brokof. Wie die Arbeit fortgesetzt werden könnte, machte Heike Mortell, Fachreferentin im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Halle, am Beispiel der Parkseminare deutlich.

Die Parkseminare in Sachsen-Anhalt, das erste fand 2003 in Quedlinburg statt, knüpft in gewisser Weise an die Subbotniks, an die Mitarbeit Freiwilliger, an. Heute sind die Seminare als gemeinsame Arbeit von Bürgern, Natur-und Denkmalschützern zu verstehen. "Nach einer intensiven Vorbereitung finden die Parkseminare immer freitags bis sonnabends statt, oft wird auch noch bis Sonntag gearbeitet. Wir hatten schon bis zu 100 Teilnehmer und da wird auch viel geschafft", so Heike Mortell. Abends gibt es Vorträge und auch Exkursionen gehören dazu. Im Zuge der Vorbereitung wird festgelegt, welche Arbeiten zu erledigen sind. Ein großes Parkseminar findet in diesem Jahr übrigens in Harbke statt.

Und möglicherweise zeigen diese besonderen Seminare auch für Peseckendorf einen Weg auf, dass Geschaffene mit Hilfe von engagierten Bürgern zu erhalten.

 

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