Vogelbesitzer Klaus Boike hat gegen die Verfügung des Amtstierarztes, dass er bis Ende Februar seinen Vogelbestand auf 50 Tiere zu reduzieren hat, Widerspruch eingelegt. Er will seine gefiederten Gesellen behalten. Daraufhin ordnete der Amtstierarzt Dr. Karl-Heinz Genz ein Aufmaß an. In seinem angemieteten Wohnhaus hält der Bergener derzeit noch 186 Vögel. Die Behörde steht damit vor einem tierischen "Rechenweg".

GroßRodensleben/Bergen l Gegen die Auflage des Amtstierarztes des Veterinäramtes, dass er nur noch 50 Vögel in seinem angemieteten Wohnhaus halten darf, hat Klaus Boike aus Bergen Widerspruch eingelegt.

"Es befinden sich damit in seinen vier Wänden in verschiedenen Volieren immer noch 186 Tiere. Vom kleinen Finken bis hin zum großen Papageien ist alles dabei", berichtet Amtstierarzt Dr. Karl-Heinz Genz.

Mit dem Einlegen des Widerspruchs handelt es sich nun um ein laufendes Verwaltungsverfahren. "Das Ganze liegt nun beim Landesverwaltungsamt." Solch ein Verfahren könne sich über Monate, wenn nicht sogar über Jahre hinziehen, weiß Dr. Genz zu berichten.

"In seinen vier Wänden leben viel zu viele Vögel"

Das Veterinäramt hatte die Auflage zur Reduzierung des Tierbestandes mit Fristsetzung zum 25. Februar erteilt, "weil Herr Boike als Besitzer eine artgerechte Haltung nach Tierschutzrecht vorhalten muss. Und die ist hier nicht gegeben. In seinen vier Wänden leben viel zu viele Vögel auf zu engem Raum", hatte Dr. Karl-Heinz Genz erklärt.

Dr. Genz gibt an, in seiner Amtszeit jenes von ihm als "Animal hording" bezeichnete Problem, das sogenannte "krankhafte Tieresammeln", in Bezug auf Vögel so noch nicht gesehen zu haben. "Hunde und Katzen sind da schon öfter vorgekommen", erzählt er.

Erst vor einer Woche hatten Mitarbeiter des Veterinäramtes erneut Vogelfreund Klaus Boike einen Besuch abgestattet. "Wir haben alle Volieren gekennzeichnet, ausgemessen und verplombt. Wir werden nun die Käfiggröße ins Verhältnis zum Tierbestand von 186 Vögeln setzen und anfangen zu rechnen, um dann genau sagen zu können, wie viele Vögel er auf der ermittelten Grundfläche halten darf. Ich warte mit der nun angesetzten Berechnung auf konkrete Zahlen."

Wenn überhaupt kann es dazu kommen, dass es einen Änderungsbescheid gibt. Sollte es solch einen Bescheid geben, habe Boike einen Monat Zeit, sich dazu zu äußern. "Gegebenenfalls passen wir dazu dann die Verfügung an", räumte Genz ein. Der Vogelbesitzer habe sich indes während der mehrstündigen Vermessungsarbeit laut Angaben des Amtstierarztes kooperativ gezeigt.

Klaus Boike kritisiert derweil die "behördliche Bevormundung". "Denn wo steht geschrieben, dass ich nur 50 Vögel halten darf? Sobald die Sanierungsarbeiten in meiner Wohnung abgeschlossen sind, wollte ich eine Zuchtgenehmigung beantragen", erklärt der Hartz-IV-Empfänger, der im August 2012 von Berlin nach Bergen gezogen war, den Hintergrund seines Tierbestandes. Boike ist der Meinung, dass sich die Behörden lieber um die Zustände in sogenannten "Legebatterien" oder Schweinemastanlagen kümmern sollten. "Dort haben die Tiere überhaupt keinen Platz. Können sich nicht bewegen. Das finde ich schlimm", sagte der Vogelhalter.

Doch das Veterinäramt ist der Meinung, dass die Reduktion seines Vogelbestandes hier zwingend nötig sei, da die vorgefundene Bestandsgröße der Vogelhaltung in Boikes "privatem Haushalt das normale Maß bei weitem übersteigt." So hatte es der Amtstierarzt bereits in einer Auflagenverfügung vom 19. Dezember dem Vogelfreund mitgeteilt.

37 Tiere wurden bereits aus dem Tierheim vermittelt

Nach einer anonymen Anzeige hatten Mitarbeiter des Veterinäramtes sowie des Tierheimes Satuelle bereits Mitte Dezember mehr als 60 Vögel ausschließlich aus den Außenvolieren des Bergeners geholt. Seither konnten bereits 37 Tiere an neue Besitzer vermittelt werden.

Die restlichen 24 Vögel, darunter ein australisches Königssittich-Paar, das laut Klaus Boike einen Wert von bis zu 1 700 Euro hat, bleiben derweil in der warmen Stube des Tierheimes untergebracht.

Der Landkreis hat Boike mitgeteilt, dass er als "Verursacher des tierschutzrechtlichen Verfahrens die Kosten der Unterbringung seiner Vögel im Tierheim Satuelle" zu tragen habe. Zudem müsse er die Gebühren und Auslagen des Verwaltungsverfahrens übernehmen. Um welche Summe es sich dabei handelt, ist derzeit noch nicht abzusehen.

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