Bergen l Anwohner Manfred Krebs hält das Ganze für einen Schild-Bürgerstreich, wenn er sich die neu aufgestellten Parkverbots-Tafeln An der Kommende ansieht.

Bauhofmitarbeiter hatten hier in Bergen am Donnerstag im Auftrag des Ordnungsamtes zwei solche Schilder verankert. "Ich bin fassungslos. Wieso hat man uns denn jetzt so ein Parkverbot vor die Nase gesetzt?", fragt sich der Rentner. "Wenn hier am Tag ein Auto lang fährt, ist das viel", fügt seine Frau Rosemarie Halley hinzu, die seit 1972 die Idylle des Ortes genießt.

Wohnwagen soll Auslöser für das Parkverbot sein

"Seit 1989 wohne ich An der Kommende 4. Der Weg vor unserer Haustür, der nicht wirklich wie eine Straße aussieht, ist bestimmt sechs Meter breit. Und jetzt darf ich hier mit meinem Pkw nur noch zum Be- und Entladen halten?", fragt die 66-Jährige ungläubig.

"Das kann doch wirklich nicht wahr sein", schimpft sie. Mit dem Verbotsschild müsse sie nun ihren Wagen jedes Mal in die Garage fahren. "Was für ein riesiger Aufwand dafür, dass hier, auch wenn ich mein Auto vor der Haustür stehen hatte, jeder ganz locker vorbeikommt."

Ordnungsamtsleiterin Sylvia Dammering: "Wir haben an beiden Einfahrten der Straße ein Parkverbot verhängt, weil es hier immer wieder zu Verstößen kam. Und zwar durch einen hier geparkten Wohnwagen, der den Verkehr im Kurvenbereich behinderte."

Der Wohnwagen hätte hier maximal nur 14 Tage stehen dürfen. So lautet das Gesetz. "Das zog sich aber über Wochen hin", erklärt die Verwaltungsmitarbeiterin. Anwohner hätten diesen Verstoß gemeldet, merkt die Amtsleiterin an.

"Die Schilder haben wir jetzt aufgestellt, um solche Verstöße zu unterbinden und zu verhindern. Eine öffentliche Straße ist schließlich kein öffentlicher Parkraum. Wir als Behörde sorgen dafür, dass hier der Verkehr fließen kann und hier im Ernstfall auch ein Rettungswagen durchkommt."

Diese Argumentation kann Anwohner Manfred Krebs nicht nachvollziehen. Bezüglich des Wohnwagens bekennt er Farbe und räumt ein, dass es sich hierbei um seinen Wohnwagen gehandelt habe, der vor seiner Haustür stand. "Der hat aber wirklich niemanden behindert. Auch der Kurvenbereich war stets frei", erklärt er. "Außerdem habe ich, nachdem mein Widerspruch abgelehnt worden war, mein Bußgeld in Höhe von 43,50 Euro bezahlt und den Wohnwagen weggefahren."

Das Ganze habe sich bereits im Oktober 2012 ereignet. "Und jetzt ein halbes Jahr später wird hier eine Parkverbotszone errichtet. Das kann doch alles nur ein Witz sein", sagt Manfred Krebs, der mit seiner Frau das knapp 400 Meter lange Stück Holperpiste vor seiner Haustür auch schon kaufen wollte. Doch die Kaufanfrage war von der Stadt angelehnt worden.

"Hier kommt normalerweise kein Mensch lang"


Dass es in so einem kleinen Ort wie Bergen so großen Zwist über Parkplatz-Probleme geben könnte, damit hätte der Rentner nie im Leben gerechnet. "Ich finde, dass das rausgeschmissenes Geld ist. Kein Mensch kommt hier lang und dennoch muss ein Schild aufgestellt werden. Auf die Kontrollen bin ich gespannt. Ich bin froh, dass die Ordnungsamtsmitarbeiter dafür Zeit haben und es keine anderen Probleme, wie zum Beispiel die illegale Müllentsorgung rund um Bergen, gibt", merkt er zynisch an.

Je nach Verstoß könnten hier laut Auskunft der Amtsleiterin dann jeweils zwischen 10 und 25 Euro fällig werden.

Die Kosten pro Schild würden sich in diesem Fall um die 120 Euro belaufen. "Plus der Rechnung für den Aufbau", sagt Sylvia Dammering. Das Bergener Paar sieht indes schon den nächsten Behördenärger auf sich zukommen. Sie erwarten demnächst eine Fensterlieferung. Krebs: "Ich denke nicht, dass die Baufirma das Material hier binnen drei Minuten abladen kann".

Für den Fall empfiehlt Sylvia Dammering: "Dazu sollte mindestens 72 Stunden vorher eine Sondernutzung bei uns beantragt werden."

 

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