Rund um die Harbker Turmruine haben die Mitglieder des Arbeitskreises Tourismus und Orts- entwicklung erneut einen Frühjahrsputz organisiert. Im Zuge dessen rücken nun auch wieder die Bemühungen um den Erhalt des Mahnmals unter geänderten Bedingungen in den Fokus.

Harbke l Mit gemischten Gefühlen sind die Helfer zu Turm und "Hufeisen" gezogen, um an den beliebten Ausflugs- zielen den alljährlichen Arbeitseinsatz zu absolvieren. Denn immer wieder sind dort deutliche Zeichen von Vandalismus oder Vermüllung anzutreffen. Ursprünglich war der Frühjahrsputz unter den Zinnen des Harbker Wahr- zeichens schon für die Woche vor Ostern vorgesehen, musste aber aufgrund der Wetterlage verschoben werden. Was der Schnee lange bedeckt gehalten hatte - insbesondere noch das viele Herbstlaub -, wurde nun dank fleißiger Hände beräumt.

In einigen Befürchtungen sahen sich die Mitglieder des Arbeitskreises dann auch bestätigt: Das Bellevue nahe der Erinnerungsstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege, welches aufgrund der Anordnung der Sitzbänke im Volksmund "Hufeisen" genannt wird, befand sich "in einem schlimmen Zustand", so Bernd Richter vom Arbeitskreis. "Hier fanden wir Glasscherben von zertrümmerten Flaschen, obwohl ein Abfallkorb vorhanden ist. Und in diesem Abfallkorb steckte ein etwa zwei Meter langes Wasserrohr aus Kunststoff, was allgemeine Verwunderung hervorrief: Hatte vielleicht jemand seinen eigenartigen Spazierstock entsorgt?"

Die Turmruine hingegen habe man in einem "annehmbaren Zustand" vorgefunden, so Richter erleichtert: "Die Harbker sind sich der symbolischen und historischen Bedeutung der Grabsteine bewusst und legen dort Gebinde ab." Allerdings sei angesichts der allgemeinen Beschaffenheit von Turm und Umfeld die Frage aufgekommen, wie lange der Arbeitskreis für Tourismus und Ortsentwicklung die Anlage noch pflegen könne. Bernd Richter erläutert dazu: "Die Eigentümerin, eine Wald- gesellschaft, lässt uns zwar freie Hand. Sorgen bereitet uns jedoch der Zustand des Turms. Nach den negativen Erfahrungen in den 1990er Jahren mit dem Harbker Schloss sind die auf den Zinnen wachsenden Birken ein für jeden sichtbares Zeichen des Zerfalls. Die Eigentümerin des Areals würde das Gelände gern der Gemeinde schenken und dann mit entsprechenden Fördermitteln den Turm nicht nur erhalten, sondern auch in den Zustand von vor 1945 versetzen."

Ein entsprechendes Konzept liege bereits vor. Die Kosten würden rund 100000 Euro betragen. "Allerdings", so Richter weiter, "knüpft die Waldgesellschaft die Bedingung daran, dass sie im Wald hinter der Turmruine einen Friedwald, eine Begräbnisstätte für Urnen, einrichten darf." Daran jedoch reibe sich das Land Sachsen-Anhalt, eine Einigung mit der Eigentümergesellschaft stehe aus. Der Arbeitskreis kritisiert die Haltung der Landesdenkmalbehörde: "Warum verzögern die zuständigen Stellen eine positive Entscheidung?", fragt Bernd Richter und meint zugleich: "Die Harbker Bevölkerung würde einen Friedwald wohl annehmen." Problematisch sei darüber hinaus das von der Behörde verhängte Fäll- und Beschneidungsverbot der Bäume an der Ruine, selbst wenn deren Wurzeln in das Fundament wachsen.

Der Arbeitskreis jedenfalls will sich weiterhin für den Erhalt des Mahnmals einsetzen, so Bernd Richter und glaubt, ein gutes Argument für eine Veränderung des Umfelds in der Hinterhand zu haben: "Bei der Einrichtung eines Friedwaldes würde das Denkmal zudem einer weiteren Nutzung zugeführt. Auf diesen Aspekt legt die Landesdenkmalbehörde eigentlich großen Wert."

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