Eine ungewöhnliche Rettungsaktion ist im Peseckendorfer Schlosspark geglückt. Ein nur wenige Tage alter Waldkauz war aus dem Nest in einer Baumhöhle gefallen. Das kleine Wollknäuel wächst und gedeiht nun in einem eigens für ihn angefertigten Schutzkasten heran.

Peseckendorf l Die Peseckendorferin Marita Rönnebeck entdeckte während eines Spaziergangs im Schlosspark unter einem Baum einen nur wenige Tage alten Waldkauz. Das kleine Kerlchen war wohl zu eifrig und aus dem Nest in einer Baumhöhle gefallen. Marita Rönnebeck setzte mit ihrem Anruf bei Jagdleiter Frank Schulz eine wahre Kettenreaktion und gemeinschaftliche Rettungsaktion in Gange. Frank Schulz schaute sich das Jungtier an und wusste angesichts der Kenntnis, dass in unmittelbarer Nähe Kolkraben ebenfalls nisten und Junge aufziehen, dass er schnell handeln muss. Ansonsten wäre der Waldkauz-Nachwuchs ein willkommenes Fressen für die Kolkraben gewesen.

Frank Schulz rief seinen Kollegen Holm Ramisch an. Der Klein Oschersleber ist als Naturfreund und Hobby-Ornithologe bekannt. Von ihm bekam der Peseckendorfer den Tipp, den Waldkauz erst einmal auf einen Träger oberhalb der Tür zum Wasserturm zu setzen. Dort wäre er erst einmal halbwegs geschützt. Nach Feierabend machte sich Ramisch auf den Weg nach Peseckendorf und schaute sich das kleine graue Wollknäuel an. "Auf dem Träger war das Tier erst einmal sicher. Doch zum weiteren Schutz baute ich einen Eulenkasten, brachte ihn an der Tür zum Wasserturm an und setzte das Tier hinein, in der Hoffnung, dass die Eltern das Junge auch außerhalb des Nestes weiter füttern", so Ramisch. Das ist bei Waldkäuzen sogar üblich. Allerdings in der Regel erst, wenn die Jungtiere etwa 30 Tage alt sind. Dann verlassen diese das Nest. Weil sie noch nicht fliegen können, "plumpsen" sie auf die Erde und werden hier als sogenannte Ästlinge von den Alttieren weiter gefüttert.

Auch wenn der kleine Waldkauz noch längst nicht so alt, noch kein Ästling ist, zeigen Spuren, dass das kleine Kerlchen in seiner "Schutzhütte" regelmäßig gefüttert wird. Das Tier ist bereits ordentlich gewachsen und gut genährt. Neben dem Eulenkasten liegt eine tote Fledermaus. Das Abendbrot für den Waldkauz-Nachwuchs?

"Ich möchte mich an dieser Stelle bei Marita Rönnebeck und Frank Schulz bedanken, die diese Rettungsaktion in Gang setzten. Auch wenn immer die Rede davon ist, dass der Waldkauz eine der häufig vorkommenden Eulenarten ist, so sind die Bestände doch sehr zurück gegangen", erklärt Ramisch. Und während der Hobby-Ornithologe und Frank Schulz einen Blick in den Eulenkasten werfen, halten die großen Waldkäuze im Wasserturm des Schlossparks ein Nickerchen. Die nacht- aktiven Tiere starten erst in der Abenddämmerung mit der Futtersuche.