Für den Oschersleber Norbert Schwabe, der täglich mit dem Zug nach Magdeburg zur Arbeit fährt, bringt die Gründung des Verkehrsverbundes Marego große finanzielle Nachteile. Er muss weitaus mehr bezahlen als bisher. Marego-Geschäftsführer Bernd Adelmeyer verteidigt die Tarife des neuen Verbundes.

Oschersleben. "Wir haben gute Nachrichten für Sie." Als der Oschersleber Norbert Schwabe diesen ersten Satz im Schreiben vom Abo-Center der Deutschen Bahn las, war die Vorfreude groß auf die Zeilen, die folgen würden. Würde sich also auch für ihn als Berufspendler zwischen Oschersleben und Magdeburg die Gründung des neuen Verkehrsverbundes Marego positiv auswirken, schlussfolgerte er. Doch bewirkte schon der nächste Satz einen Stimmungsumschwung. Die besagte "gute Nachricht" war nämlich, dass er künftig für seine Zugfahrt zur Arbeit im Jahr nicht mehr 1133,60 Euro wie bisher, sondern nun 1350 Euro zahlen müsse. "Erbost über die Frechheit, den Wucher und meine Machtlosigkeit, legte ich per E-Mail einen Widerspruch ein." Der jedoch keine positive Antwort zur Folge hatte. Ganz im Gegenteil, für Norbert Schwabe kam es noch dicker. Wenige Tage später kam nämlich ein weiteres Schreiben, in dem von einem Berechnungsfehler die Rede war und der neue Jahrespreis mit nunmehr 1554,96 Euro beziffert worden ist.

"Das ist doch sittenwidrig, denn das macht eine Erhöhung von 37 Prozent aus", ärgert sich Norbert Schwabe: "Verkehrsminister Dr. Daehre hat immer nur von den Vergünstigungen gesprochen, die Marego für die Kunden mit sich bringen würde, was ja nun in meinem Fall absolut nicht zutrifft."

Einen kleinen Trost gibt es aber für den Oschersleber Berufspendler. "Und zwar ist das die Information, dass mein Arbeitgeber mit der Marego für ein neues Jobticket in Verhandlung ist", so Schwabe. Wobei das aber seiner Meinung nach maximal einen Rabatt von zehn Prozent ausmachen werde, so dass er auf jeden Fall 21 Prozent mehr als bisher, also im Jahr 1399,46 Euro für seine Fahrt zur Arbeit zahlen müsse. "Das zeigt doch, dass in Sachen Marego alles schnell aus dem Boden gestampft, nicht richtig durchdacht und dadurch die Kompetenz für alle in Frage gestellt wurde", so Norbert Schwabe.

Bernd Adelmeyer sieht das etwas anders. Der Marego-Geschäftsführer betont auf Nachfrage, dass der Kunde zwar mitunter mehr bezahlen würde, aber dafür auch eine wesentlich größere Leistung bekomme. So würde der Kunde ja die Möglichkeit haben, für seine Karte nicht nur mit dem Zug zu fahren, sondern auch den Bus zu benutzen. Und zudem würde ja für solch einen Oschersleber Berufspendler wie Norbert Schwabe das Ticket des neuen Verkehrsverbundes die Nutzung des Stadtbusses in Oschersleben oder auch die Straßenbahn in Magdeburg einschließen.

"Bus oder Straßenbahn brauche ich nicht, aber man lässt mir ja keine Alternative", so Norbert Schwabe.