In der Diskussion um die Risikoanalyse für den Brandschutz sind die Feuerwehren in der Westlichen Börde einen Schritt weiter. So bewertete Dietmar Hobohm, Bürgermeister der Gemeinde Am Großen Bruch, die Aussprache in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Neuwegersleben. Kern der Debatte war ein angedachter Tausch: Ein für Wulferstedt neu anzuschaffendes Feuerwehrfahrzeug soll nun in Hamersleben stationiert werden. Im Gegenzug soll das Hamersleber Auto nach Wulferstedt. Dazu gibt es von Wulferstedter Seite Vorbehalte. Wehrleiter Klaus Brinkmann stimmte dennoch zu.

Von Mandy Ganske

Neuwegersleben. Brinkmann sah das Vorhaben auch nach der Sitzung noch kritisch und sagte auf Nachfrage zur Volksstimme: "Ich finde es nicht richtig, dass unsere Kommune das Geld dafür angespart hat und das Fahrzeug nun nach Hamersleben geht. Ich kann zwar damit nicht leben, aber ich muss." Brinkmann spielt damit darauf an, dass er vor dem Zusammengehen von Wulferstedt mit dem Großen Bruch für seine Wehr mit einem neuen Fahrzeug gerechnet hatte, die Situation nach dem Zusammengehen und im großen Gebilde Verbandsgemeinde sich nun allerdings anders darstellt. Gemeindewehrleiter Harald Hinz weiß um die Enttäuschung, die dabei wohl mitspielt und sagte auf der Gemeinderatssitzung: "Ich kann das verstehen. Sie haben sich auf ein neues Auto gefreut. Aber wir machen das im Interesse der Verbandsgemeinde."

Und dieses Interesse, das erklärte dessen Stellvertreter Clemens Köhler, "zielt auf die übergemeindliche Zusammenarbeit". Zwei Hauptargumente stellte Köhler vor, die aus dieser Perspektive für den Fahrzeugtausch zwischen Wulferstedt und Hamersleben sprächen. Erstens: Die zentrale Lage. Die Hamersleber haben ein Drittel mehr Einsätze als die Wulferstedter, wobei sie häufig unterstützend nach Ausleben ausrücken müssen. Dort, so Köhler, sei man auf die Hilfe aus Hamersleben mit dem Löschfahrzeug angewiesen. Die Wulferstedter seien zwar personell gut besetzt und sehr schnell. Als Unterstützung würden sie für das Nachbardorf Krottorf aber weniger dringend gebraucht, als die Hamersleber in Ausleben. Zweitens: Die baulichen Voraussetzungen. Für das neu anzuschaffende Feuerwehrfahrzeug sei das Wulferstedter Feuerwehrgerätehaus zu klein. "Es wären dafür bauliche Veränderungen nötig." Sonst seien beide Wehren vergleichbar aufgestellt.

"Einverstanden, wenn das Fahrzeug so bestückt wird, wie gefordert"

CDU-Gemeinderat Rainer Dippe aus Wulferstedt teilt unterdessen die Auffassung der Gemeindewehrleitung nicht. Das machte er in der Sitzung deutlich. Seiner Ansicht nach könne das neue Fahrzeug genauso gut nach Wulferstedt kommen, was für die Ab- deckung bei Bränden im Großen Bruch wichtig und ausreichend sei. Die Wulferstedter brauchten nach Dippes Ansicht ein solches Fahrzeug: "Man sollte die Löschwassersituation nicht unterschätzen." Das gab auch Wulferstedts Wehrleiter Brinkmann zu bedenken. Die Gemeindewehrleitung entgegnete, dass in jedem Fall die Neuwegersleber Wehr zur Unterstützung für die Löschwasserversorgung anrücke.

Weiter bemängelte Dippe, dass Hamerslebens Nähe zu Ausleben nicht das ausschlaggebende Argument für die Standortfrage sein könne. Wenn Ausleben Unterstützung bräuchte, könnte der entsprechende Einsatzleiter sofort bei Alarmierung das Fahrzeug aus Wulferstedt zusätzlich anfordern, so Dippes Meinung. Die Gemeindewehrleitung hat fachlich Zweifel an diesen Einschätzungen. Sie sieht beim Standort Wulferstedt vielmehr ein Risiko, weil wertvolle Minuten verstreichen würden, die das Fahrzeug früher am Brandort in Ausleben sein könnte.

Uneinig mit der Wehrleitung zeigte sich Rainer Dippe ebenfalls, was die Querrinnen auf Wulferstedts Straßen angeht. Der Hamersleber Wagen liege dafür viel zu tief. Dessen Einsatz in Wulferstedt sei demnach "grenzwertig". Köhler dazu: "Ich stimme insofern zu, dass man den Wagen vorsichtig und gesittet fahren muss." Er verwahrte sich gleichzeitig dagegen, das Hamersleber Fahrzeug hätte technische Mängel: "Das TSF-W Hamersleben ist voll einsatzbereit. Das Fahrzeug ist top in Schuss – entgegen anderslautender Behauptungen." Dippe hatte kürzlich bei einer Sitzung in den Raum gestellt, das Fahrzeug habe "technische Macken", ging aber weder dort, noch bei diesem Gemeinderat näher darauf ein, welche das sein sollen.

Zum Abschluss der Debatte stellte Wulferstedts Wehrleiter Klaus Brinkmann eine Bedingung, zu der er den Tausch der Wagen akzeptieren würde: "Ich bin damit einverstanden, wenn das Fahrzeug so bestückt nach Wulferstedt kommt, wie gefordert."

Die Risikoanalyse und der dazugehörige Brandschutzbe-darfsplan werden als nächstes im Verbandsgemeinderat diskutiert, der dazu auch das letzte Wort hat. Ein Termin steht noch nicht fest. Der Brandschutzbedarfsplan sieht vor, die Wehren in der Westlichen Börde langfristig auf die nächsten 15 bis 20 Jahre in fünf Zügen für bestimmte Aufgaben zu spezialisieren – von der Wasserförderung, der technischen Hilfe bis zum ABC-Ersteinsatz. Daneben soll jede Wehr in der Lage sein, den Grundbedarf vor Ort bei Feuer und für die Menschenrettung zu erfüllen, mit der Möglichkeit, aus den Nachbarorten passgenau unterstützt zu werden. Dafür sind Investitionen im Millionenbereich nötig.

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