Wefensleben kann durch-, aber längst noch nicht aufatmen. Die Einschulung im kommenden Jahr scheint gesichert. Der Verbandsgemeinderat entschied sich am Mittwochabend mit großer Mehrheit für die viel diskutierte Änderung der Schulbezirke. Marienborner Kinder werden somit bis auf Weiteres in Wefensleben eingeschult. Begleitet war die Sitzung von einem bislang noch nicht dagewesenen Besucherinteresse.

Obere Aller. Tische- und Stühlerücken war angesagt. denn eng wurde es zu um 19 Uhr im Sitzungsraum der Eilsleber Verwaltung – wie sich wenig später herausstellen sollte, jedoch nur im räumlichen Sinne. Mehr Bürger als Abgeordnete, das sieht man selten bei einer Ratsversammlung! Zu den 22 von 26 anwesenden Gemeinderäten gesellten sich etwa 25 interessierte Einwohner, vornehmlich aus Wefensleben. Sie waren gekommen, um die Diskussion zur Beschlussvorlage "Festlegung der Schulbezirke" "live" mitzuverfolgen. Die war vor Monatsfrist schon einmal Thema im Rat und wurde aufgeschoben (Volksstimme berichtete). Es ging um nicht weniger als das Quasi-Aus der Grundschule Wefensleben. Und wäre der vorgelegte Beschluss nicht gefasst worden, hätte es wohl eine Emotionsentladung aus der Besucherreihe gegeben. Doch so weit kam es nicht.

Der Bildungs- und Sozialausschuss hatte sich am Montag darauf verständigt, dem Rat eine Empfehlung zugunsten der Beschlussvorlage zu geben, sprich: Marienborn wird schulisch Wefensleben zugeschlagen. Doch würde das reichen? Auch Bürgermeister Frank Frenkel stand von Beginn an hinter diesem Schachzug, wollte im Vorfeld allerdings keine Prognose darüber abgeben, wo die Abstimmung hinführt. Zu viel Ungewissheit war nach der September-Sitzung aufgekommen: Wieviel Schule könne man sich angesichts von mindestens fünf Millionen Euro Investitionskosten an den Standorten noch leisten? Machte es überhaupt Sinn, Rechenspiele bei den Schülerzahlen zu beginnen, wenn die Finanzen sowieso vorn und hinten nicht langen?

Die Ungewissheit steigerte sich zunächst sogar noch, als CDU-Fraktionsvorsitzende Astrid Jung-Beckermann ankündigte, einen neuen Vorschlag zur Sache in die Diskussion einbringen zu wollen. Es roch nach weiterer Verzögerung, zumal der Fingerzeig fraktionsintern ausbaldowert wurde. Doch sollte dies die Situation in dem Dilemma Finanzen und Schule merklich entspannen.

Dr. Erich Vogel ergriff für die CDU das Wort: "Muss es denn ein Gebäude sein, an dem wir festhalten? Wichtig ist doch der Standort! Und sollten wir nicht überlegen, wie wir an den Standorten kostengünstig die räumlichen Bedürfnisse erfüllen?" Mit dem "Ummendorfer Modell" legte Vogel auch direkt einen Lösungsansatz auf den Tisch, nannte den dort etablierten Schulhort als Beispiel: "Das ist ein Pavillon, günstig im Bau und in der Unterhaltung, einfach erweiterbar und im Falle einer notwendigen Nachnutzung auch gut veräußerbar. Wir können uns das als geeigneten Kompromiss denken, der nicht nur für Wefensleben anwendbar wäre." Unterm Strich könne man mit diesem Modell im Hinterkopf der Beschlussvorlage zustimmen, da sie auch für die derzeit schwächsten im Glied eine Chance biete, schloss Vogel.

Die Zuhörerschaft vernahm das gern, erteilte gar Applaus. Und auch in der Ratsrunde konnte der Vorstoß punkten. Beim Wormsdorfer Bernd Wipper zum Beispiel, der angesichts der Finanzlage ein großer Mahner in der Diskussion war: "Meine Meinung hat sich gewandelt, denn das ist auch wirtschaftlich ein guter Vorschlag wie ich finde." Er rechnete vor: "Egal, welche Schule wir sanieren wollen oder werden und dafür Fördermittel bekämen, wir wären locker mit einem Eigenanteil von einer Million dabei und hätten dann eben nur eine Schule im Plan. Auf diese Weise aber nun gibt es wahrscheinlich keine Förderungen, doch könnten wir mit den Eigenmitteln mehrere Standorte versorgen – und das unter einer Million. Das hätten wir uns doch vor vier Wochen alle nicht träumen lassen!"

"Keine Idee nur für Wefensleben"

Sichtlich gelöst nahmen die Wefensleber Ratsvertreter Helmut Ebeling und Ulla Krolop diese Wortmeldung zur Kenntnis. Der Solidargedanke, zu dem insbesondere Krolop immer wieder ermahnt hatte, er war da! "Das ist keine Idee nur für Wefensleben, sondern raumübergreifend auch für Völpke und Harbke", sagte sie.

Kurze Irritierung dann, als Ratsvorsitzender Werner Müller den Antrag einbrachte, den Beschluss in dieser Form abzulehnen – eine für ihn offenkundig unbequeme Angelegenheit, was er auch zum Ausdruck brachte: "Da Frau Brakebusch heute krankheitsbedingt fehlt, muss ich nun mal den Antrag stellen, der auf eine Bitte von Ministerin Wolff zurückgeht." Müller und Brakebusch hatten der Kultusministerin im persönlichen Gespräch vor wenigen Tagen die Schulproblematik der Oberen Aller vorgetragen. "Sie hat uns versichert, Wefensleben nicht zu schließen, auch wenn die Mindesteinschülerzahl nicht erreicht wird. Sie bat darum, den Beschluss zur Neuaufteilung der Schulbezirke nicht zu fassen." Kurzer Unmut im Rund, der ahnen ließ, dass es dazu nicht kommen würde. Helmut Ebeling erwiderte: "Auf eine mündliche Zusage möchte ich mich in dieser Sache nicht verlassen. Und wer weiß, ob die Ministerin in einem halben Jahr noch im Amt ist. Nein, ich bin für die Änderung."

So sah es dann auch der überwiegende Teil seiner Kollegen. Mit 18 Ja-, drei Nein-Stimmen und einer Enthaltung wurde die Beschlussvorlage unverändert abgesegnet. Die Mehrzahl der Gäste verließ daraufhin den Saal – zufrieden.

   

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