Bei Landwirt Eduard Schmidt wird Traditionspflege noch groß geschrieben. Und so hat der 73-Jährige auch in diesem Jahr zum krönenden Abschluss der eingebrachten Ernte seinen alten Deutz-Traktor auf Hochglanz poliert. Mit der Erntekrone auf dem geschmückten Wagen ging es so für die letzte Fuhre symbolisch einmal quer durch seinen Heimatort Blumenberg.

Blumenberg l "Es gehörte früher zur Tradition, dass, wenn die Ernte abgeschlossen war, man mit der letzten Fuhre der Ernte einmal durchs Dorf gefahren ist. Als Zeichen dafür hat man den Wagen dann mit einer Erntekrone geschmückt", erzählt Eduard Schmidt. Der 73-jährige Blumenberger hält an dieser Tradition bis heute fest. Holt eigens für diese Fahrt immer sein Schmuckstück, einen 46 Jahre alten grasgrünen Traktor der Marke Deutz, aus der Scheune. "Heute geht die schöne Tradition bei vielen Landwirten oft in der Hektik des Alltags unter", erzählt der Senior und legt den ersten Gang ein. Im Schritttempo steuert der Landwirt sein geschmücktes Gefährt stolz durch seinen Heimatort Blumenberg. Hoch auf dem 70 Jahre alten Erntewagen hat neben der Erntekrone Traktorist Franz-Josef Müller (63) Platz genommen. "Die Ernte ist eingebracht", freut sich Schmidt, der mit seinem Team am 17. Juli angefangen hatte, die Mähdruschfrüchte Wintergerste, Winterweizen, Raps, Sommergerste und Erbsen auf einer Fläche von 540 Hektar einzuholen. "Dafür haben wir fast auf den Tag genau vier Wochen gebraucht. Jetzt sind wir fertig, und das wird mit der Ausfahrt des gebundenen Erntejuwels offiziell gefeiert", erzählt er.

In diesem Jahr hätte der Ernte-Startschuss im Vergleich zu den Vorjahren mit einer Verzögerung von zehn Tagen gegeben werden können. "Unterm Strich ist es der Natur aber gelungen, die vielen Wetterkapriolen so auszugleichen, so dass man von einer Getreideernte im Bereich des mehrjährigen Durchschnitts sprechen kann", zeigte sich der Senior über die Ernteeinfuhr und Qualität zufrieden. Während 20 Prozent in der hauseigenen Scheune eingelagert sind, ist der Großteil seiner Ernte bereits zu den Sammelstellen in Wanzleben und Altenweddingen transportiert worden.

In diesem Jahr hätte Schmidt jedoch einen eher seltenen und äußerst ungewöhnlichen Ernteschaden zu verzeichnen gehabt. "In den späten Abendstunden des 2. August ist eine unserer Pachtflächen in der Gemarkung Bottmersdorf einfach abgemäht worden. Als wir ankamen, um unseren Weizen einzuholen, standen wir vor einem abgeräumten Feld. Bis heute haben wir gewartet und den Vorfall bei der Polizei noch nicht zur Anzeige gebracht. Wir denken, dass es sich um ein Versehen gehandelt haben muss und hoffen, dass sich der Landwirt einsichtig zeigt und sich bei uns melden wird", zeigt der Blumenberger sich zuversichtlich.

Dass die Erntearbeit auch heute noch trotz modernster Technik ein Knochenjob ist, weiß bei der gemütlichen Erntekronenfahrt Franz-Josef Müller zu berichten. Der 63-jährige Kfz-Meister half Eduard Schmidt als Traktorist bei der Ernte aus. "Meistens fängt man gegen 10 Uhr an. Um jede Stunde zu nutzen, dreht man dann bis kurz nach Mitternacht seine Runden", erzählt er. Die Leistung des Teams könne man dabei nicht hoch genug würdigen. "Vor allem die Frauen stehen dabei ihren Mann", sagt Schmidt. So wird einer der Mähdrescher seit über 20 Jahren von seiner Tochter Kerstin Bormann gelenkt. "Neben ihr verdient auch meine Enkelin Inga (24), die einen der Lkw gefahren hat, ein Lob", erklärt das stolze Familienoberhaupt, der ankündigt, dass doch noch eine Erntefahrt offen stehe. "Die der Sonnenblume. Die holen wir Ende September ein."