Ein recht stilles Jubiläum bedeutet der heutige Tag für die katholische Kirche "Sankt Josef" in Harbke. Auf der Kuppe des Thymiansberges steht das Gotteshaus, nun exakt hundert Jahre jung, doch seit 2011 ungenutzt - Zukunft ungewiss.

Harbke l 26.09.1913 - so steht es in Stein gemeißelt an der Giebelseite der Kirche und weist damit auf ihre Grundstein- legung hin. Das im Gegensatz zu anderen Gotteshäusern noch verhältnismäßig junge Gebäude hat in vielerlei Hinsicht eine nicht alltägliche Bedeutung. Zum einen ist es sein Standort. Hoch über der Gemeinde, auf dem Thymiansberg - früher: Timiansberg, benannt nach dem Thie, einer germanischen Versammlungsstätte -, reckt sich die Turmspitze gen Himmel. Der Bau liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Charlottenhöhe, unter deren beiden mit Linden bepflanzten Erdhügeln sich zwei bronzezeitliche Kegelgräber befinden.

Zum anderen wurde die Kirche nach den Plänen des Architekten August Kaufhold, der in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern elf weitere Sakralbauten entworfen hatte, ausschließlich von Betrieben und Handwerkern aus Harbke selbst und der näheren Umgebung erbaut.

98 Jahre lang hielten insgesamt 13 Pfarrer vor anfangs mehr, später immer weniger werdenden Besuchern ihre Gottesdienste ab. Immerhin gab es in Harbke nebst dem Ortsteil Wulfersdorf zu jener Zeit rund 200 Katholiken, deren Wunsch, eine eigene Gottes- und Gebetsstätte zu haben, mit dem Bau der Kapelle endlich in Erfüllung ging. Zum Leidwesen nicht nur der derzeit gerade mal einer Handvoll Katholiken im Ort, sondern auch der gesamten Gemeinde, musste der Gottesdienst im Jahr 2011 allerdings eingestellt werden.

Da steht es nun, das massiv gebaute und in bestem Zustand befindliche Gebäude, das mit seiner schlichten Inneneinrichtung zwar keine Kostbarkeiten verbirgt, aber mit einer elektrischen Bankbeheizung und einem elektronischen Glockenwerk jederzeit für einen Neubeginn gewappnet ist.

Übrigens ist es das elektronische Glockenwerk, das noch tagtäglich Punkt zwölf und zur Abendstunde um 18 Uhr die Glocke über das ganze Dorf erschallen lässt, als wolle sie rufen: Kommt und haucht der Kirche wieder neues Leben ein - egal wie, aber recht bald!

Doch gegenwärtig steht die Nutzung des Hauses noch in den Sternen. Vielleicht entwickelt sich aus der Nähe zum zukünftigen Lappwaldsee eine Chance, dem Gebäude eine Nutzung zu geben, wenn schon nicht in kirchlicher, dann womöglich in touristischer Hinsicht. Das gleiche wäre auch dem gegenüber liegenden Backsteingebäude, dem sogenannten Beamtenhaus, zu wünschen, das zu einem der prägendsten Gebäude der Gemeinde zählt und seit einigen Jahren schon auf einen neuen Besitzer wartet.