Sommersdorf (rsh). "Dorfgemeinde unter Druck: Wir diskutieren kommunale Existenzprobleme auf dem Lande!"– so hieß das im Vorbereitungskreis erarbeitete Gesamtthema der "Sommersdorfer Konsumgespräche" im dritten Jahr ihres Bestehens. Mit Jens Bullerjahn, stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister Sachsen-Anhalts, gesellte sich ein höchst prominenter Gast während des letzten Diskussionsabends zu den Sommersdorfern.

Drei Veranstaltungen waren vorausgegangen. Initiator und Gastgeber Dr. Eckehart Beichler blickt zurück: "Zunächst eine erregende Grundsatzdiskussion mit Staatssekretär Rüdiger Erben zum Problem des drohenden Kollaps für den Gemeindehaushalt. Dann ein vereinsübergreifendes Rundgespräch zur Frage der Integration in der neuen Dreidörfergemeinde Sommersdorf/Sommerschenburg/Marienborn. Und danach ein Abend, der sich mit Möglichkeiten beschäftigte, den drohenden Verlust des Gemeinschaftslebens in den heutigen Landgemeinden abzuwenden." Zum Abschluss der diesjährigen Serie ging es im wieder voll besetzten ehemaligen Dorfladen am Kleiberg um die Sicht des Finanzministers zur zusammenfassenden Frage: "Welche Zukunft haben unsere Landgemeinden?"

Mit seinem Eingangsreferat stieß Bullerjahn einen lebhaften Meinungsaustausch an, bei dem der Blick von "oben" wie von "unten" gleichermaßen wichtig war. "Es erwies sich dabei als hilfreich, dass der Referent selbst aus dörflichen Verhältnissen im Mansfelder Land stammt und seinen Weg nach 1990 in der Kommunalpolitik vor Ort begonnen hat", befand Beichler. Dennoch kam der Minister nicht umhin, eingangs auf die Landesprobleme zu verweisen, "die sich ja stets massiv auf den ländlichen Raum auswirken". Der enorme Einwohnerverlust und die damit steigende Pro-Kopf-Verschuldung des Landes mache kräftige Sparanstrengungen und die strikte Anwendung der inzwischen gesetzlich eingeführten Schuldenbremse gerade in Sachsen-Anhalt unausweichlich. Der hierfür eingeschlagene Kurs sei allerdings, so der Vertreter der Landesregierung, an manchen Stellen gar zu einseitig zu Lasten des ländlichen Bereichs gegangen. Im Interesse besonders hart betroffener Gemeinden müsse da nachgesteuert werden.

Mit Blick auf das spezielle Haushaltsproblem in der Gemeinde Sommersdorf bot Bullerjahn ein gezieltes Beratungsgespräch im Finanzministerium an. Auch Verbandsgemeindebürgermeister Frenkel konnte ein für seinen Arbeitsbereich hilfreiches Direktgespräch verabreden.

Doch nicht nur die leidigen Finanzfragen beschäftigen die Gesprächsteilnehmer. Ein breites Feld weiterer Probleme wurde angesprochen, etwa der bedrohliche Ärztemangel im ländlichen Raum, Defizite bei der Verkehrs- und Infrastruktur, Wohnungsleerstand und verfallende Bausubstanz. Auf die neue "Bürgerarbeit" wurde ebenso hingewiesen und auf die viel zu geringen Chancen der Landgemeinden, dieses Instrument dorfnah zu nutzen.

Intensiv ging man auch auf das Thema Schulschließungen und lange Schulwege ein. Da ließ die klare Aussage Bullerjahns aufhorchen, aus der Sicht der Landesregierung sei die Zeit der nur an Kinderzahlen orientierten Schulschließungen vorbei. Auch kleinere Landschulen würden zukünftig wieder Lebensrecht bekommen.

Einig war man sich am Ende darin, dass es neben den vielen Problemen auch besondere Chancen für das Leben in Landgemeinden gibt. Und damit wurde der Bogen zurück geschlagen zu den vorangegangenen Konsumgesprächen. Eckehart Beichler resümierte: "Fakt ist: Mitmenschliche Nähe und persönliche Kenntnis untereinander sowie ein ausgeprägtes Ortsleben und Vereinswesen bedeuten echte Standortvorteile der Dörfer gegenüber der Stadt. Wenn man sich bewusst auf sie besinnt, werden Eigeninitiative und Bürgersinn gestärkt."