An Weihnachten liebt es wohl jeder mit den Lieben zu Hause die Festtagsatmosphäre zu genießen. In vielen Bereichen hat es den Anschein, dass das Leben ruht. Doch anderswo ist es nicht möglich, das Licht einfach auszuknipsen, hier wird 365 Tage im Jahr 24 Stunden durchgearbeitet, auch an Weihnachten. Und so besuchte Volksstimme-Redakteurin Constanze Arendt zu den Feiertagen einige Weihnachtsarbeiter, die das Fest in ihrer Familie etwas anders organisieren mussten.

Wanzleben. Als am Heiligen Abend am frühen Nachmittag die Geschäfte ihre Pforten schlossen, war für Steffen Herboldt noch lange nicht Feierabend. Der Mitarbeiter des Kranken- und Behinderten-Fahrdienstes des DRK-Kreisverbandes Wanzleben musste an diesem Tag noch bis 19 Uhr arbeiten. "Der Freitag ist Hauptdialysetag und deshalb ist unser Fahrdienst mit allen Fahrzeugen und Mitarbeitern auch an Heiligabend im Einsatz", erklärte Stephan Dill, verantwortlich für die Koordination des Fahrdienstes beim DRK-Kreisverband Wanzleben. Zudem hätten die Fahrdienst-Mitarbeiter gerade an den Weihnachtsfeiertagen auch einige Bewohner aus dem Pflegeheim zu ihren Familien befördert. Da sie wissen, dass die älteren Menschen auf sie angewiesen sind, engagieren sich die Mitarbeiter auch, um gerade diesen Menschen ein schönes Weihnachtsfest zu ermöglichen.

Praktisch bedeutete das für Steffen Herboldt, dass seine Familie zum Krippenspiel in die Kirche am Heiligen Abend ohne ihn ging und die Bescherung für den kleinen dreijährigen Sohn ein wenig nach hinten verlagert wurde. "Das muss funktionieren", sagte er schon vorher. Stephan Dill weiß aber auch von anderen Kollegen, dass die Kinder der Mitarbeiter frühzeitig lernen, dass Mama oder Papa so wichtig sind, dass sie auch an solchen Tagen arbeiten müssen. Er bezieht das natürlich auch auf den Pflegedienst, der ebenso wie der Sanitätszug an den Feiertagen einsatzbereit waren.

Auch im Wanzleber Altenbetreuungszentrum waren die Feiertage nicht anders als der normale Alltag. "Die Pflege kennt keine Feiertage", erklärte Wohnbereichsleiter Eckehard Hartmann und Pflegedienstleiterin Jutta Traeger fügte hinzu, dass jeden Tag die Grundbesetzung gewährleistet werden muss, egal ob es ein Wochentag, ein Sonntag oder ein Feiertag ist. Im Heim selbst wurde auch mit den Bewohnern auf Weihnachten eingegangen, so wurden bei der Beschäftigung beispielsweise Weihnachtsgeschichten vorgelesen oder Weihnachtslieder gesungen. Auch Geschenke gab es und ebenso trug eine Weihnachtsfeier dazu bei, dass die Bewohner Abwechslung hatten und sich wohl fühlten. "Viel mehr können wir aber nicht machen, die Pflege muss ja weitergehen", so Eckehard Hartmann.

Sowohl an Heiligabend als auch am ersten Feiertag stand Rainer Saß in der Küche des Wanzleber Hotels Sokuwa am Herd. "Vorbereitung für die Feiertage ist das A und O, man kann ja nicht vor einem Weihnachtsbrunch oder Menü von Null starten", erklärte der Koch, der sich am ersten Weihnachtstag auch von dem Wetter nicht abschrecken ließ. Der Weihnachtsbrunch und das Menü sollten pünktlich auf dem Tisch stehen. Und so war es auch – Schlemmereien wie Wildschweinbraten, Gänsebraten, Fischfilet, Schweinefilet oder vegetarische Gemüsepfanne waren rechtzeitig angerichtet. "Kann sein, dass wir nach dem Aufräumen noch ein bisschen dranhängen, denn morgen geht es ja weiter", sagte Rainer Saß am ersten Feiertag und freute sich schon auf den zweiten Feiertag, an dem er sich selbst von seinen Kollegen verwöhnen lassen wollte. In der Hotelküche war – nicht zuletzt dank der Erfahrung der vergangenen Jahre - alles klar geregelt, denn jeder der vier Facharbeiter und zwei Lehrlinge hatte einen Tag frei.

Aber ohne Service bringt die ganze Arbeit der Hotelküche nur wenig. So waren am Morgen des ersten Weihnachtstages im Hotel Sokuwa beispielsweise auch Stefanie Nevermann, Restaurantfachfrau-Auszubildende im zweiten Lehrjahr, und Kathleen Griese, Fachkraft im Gastgewerbe im zweiten Lehrjahr, ein wenig im Stress. Im Saal musste alles für den Weihnachtsbrunch hergerichtet werden, bevor die Gäste kamen. "An Feiertagen zu arbeiten, gehört zu unseren Berufen dazu", sagte Stefanie Nevermann und freute und sich genauso wie Kathleen Griese schon besonders auf Silvester. "Bei solchen Feiern zu arbeiten, macht immer besonders Spaß, da die Leute lustig sind", fügte sie hinzu. Beide sind sich sicher, dass ihre Familien sie auch an den Feiertagen für einige Stunden gut entbehren können.

   

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