Burg. "Man kann nicht allen helfen, sagt der Engherzige und hilft keinem." (Marie von Ebner-Eschenbach). Das Zitat im Eingangsbereich des Burger Tierheims macht deutlich, worum es in der Einrichtung geht: um die Tiere. Die Hunde leben in geräumigen Zwingern, durch eine Klappe können sie jederzeit an die frische Luft gehen.

Schon im Eingangsbereich trifft man einige Vierbeiner. "Das sind unsere Freigänger", erklärt Astrid Finger, Leiterin im Burger Tierheim. "Gerade die kleinen Hunde begleiten uns im Alltag, so bekommen sie auch zwischendurch Wärme, Futter und Streicheleinheiten." Die Chefin des Hauses erklärt, dass man bei so vielen Tieren nicht allen gerecht werden könne. "Aber die Mitarbeiter bemühen sich, den Hunden ein bisschen so etwas wie Familienleben zu bieten."

Tierheimmitarbeiter sind keine Großverdiener. "Wer hier arbeitet, braucht eine große Tiermacke", sagt Astrid Finger und krault Freigänger Jeti liebevoll hinter den Ohren. Seit 1993 ist die zierliche, blonde Frau schon dabei. Eine "Tiermacke" diagnostizierte sie bei sich schon im Kindesalter. Diese hat sie mit ihren Mitarbeitern gemeinsam.

Nachmittags gehen die Pfleger mit den Hunden spazieren. Auch Fahrradfahren, Besuche an der Elbe oder die Spielwiese stehen auf dem Programm. "Wir sind hier aber kein Hundeparadies. Bei so vielen Tieren, bleibt nie genug Zeit, um allen gerecht zu werden. Darum freuen wir uns immer sehr, wenn wir einen Hund in liebevolle Hände vermitteln können."

Das Vorurteil, Tierheimhunde seien kompliziert, ist weit verbreitet, aber falsch, meint Astrid Finger. "Sicher haben wir schwierige Fälle", räumt sie ein. "Aber ein Großteil der Hunde hatte einfach nur Pech. Wer zu uns kommt, muss sich darauf einstellen, dass er nicht am selben Tag mit einem Hund das Tierheim verlässt", stellt Astrid Finger klar. "Will der Kunde einen Familien- oder Wachhund?, Wie wird der Vierbeiner untergebracht?, Wieviel Zeit hat sein neues Herrchen? – Das sind alles Fragen, die wir vorher klären", erklärt sie. Astrid Finger rät, genau zu überlegen, welcher Hund zu einem passt. "Jemand, der nicht soviel Zeit hat

"Manche Leute empfinden es als negativ, wenn wir etwas über sie wissen wollen. Aber für uns steht nicht im Mittelpunkt, die Leute glücklich zu machen." Wenn der Hund sich durch die Vermittlung verschlechtert, wird diese abgelehnt. "Zweimal sollte man dann mindestens vorher mit dem Hund spazierengehen." Dabei bekommt man Tipps von den Pflegern. Welche Kommandos kann der Hund schon? Wie reagiert er auf andere Hunde oder Kinder? Im Tierheim kann man seinen Hund kennenlernen, bevor man ihn mit nach hause nimmt. "Mit der Zeit lernt man einzuschätzen, ob Hund und Herrchen zusammen passen", sagt die Tierheimleiterin. "Wenn sich der Hund freut, wenn sein Besuch kommt, ist das ein gutes Zeichen."

Wenn alles passt, kommt es zur Vermittlung. Ein großes Plus für einen Hund aus dem Burger Heim ist die lebenslange Rücknahmegarantie. Bei vielen Kunden reißt der Kontakt auch nach der Vermittlung nicht ab. Im Eingangsbereich hängt ein Brief von Bimbo: "Meine neue Familie ist toll, nur den Katzen gehe ich konsequent aus dem Weg. Euer Bimbo", steht da. Astrid Finger betrachtet das beigelegte Bild – der spielende Bimbo im großen Garten seiner neuen Familie. "Wenn ich sehe, dass ich einem Hund durch die Vermittlung so helfen konnte, weiß ich, warum ich gerade hier arbeite."