Im vergangenen Jahre schlug die Nachricht, dass am Ortsrand von Stemmern eine Hähnchenmastanlage errichtet werden soll, ein wie eine Bombe. Vor allem die Größenordnung der Anlage mit weit mehr als drei Millionen Hähnchen pro Jahr bringt die Bürger auf die Palme. Am Montag soll das Thema Industrieller Mastanlagen in der Sendung "Fakt ist...", diskutiert werden. Deshalb kam vor einigen Tagen die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Undine Kurth, nach Stemmern.

Stemmern. So einfach nahmen und nehmen die Stemmeraner die geplante Hähnchenmastanlage des holländischen investor Tonkens nicht hin. Eine Bürgerinitiative, der sich auch Bürger aus umliegenden Orten wie Bahrendorf, Altenweddingen oder Welsleben angeschlossen haben, hat sich formiert und wird weiter Sturm gegen mehr als drei Millionen Hähnchen pro Jahr und den damit verbundenen hohen Umweltbelastungen laufen.

Am kommenden Montag, 29. November, wird sich die Sendung "Fakt ist..." mit dem Thema Massentierhaltung beschäftigen. In Vorbereitung auf die Sendung drehte der mdr ein Interview mit der Grünen-Bundestagsabgeordneten Undine Kurth aus Quedlinburg, die sich bewusst für Stemmern, die geplante Hähnchenmastanlage und die Bürgerinitiative entschieden hatte. Die Stemmeranerin Gabriele Siegel, die sich vor den Karren der Bürgerinitiative gespannt hat, mobilisierte für die Fernsehaufzeichnung etliche Bürger. Dabei auch Bürger aus Altenweddingen wie Bernd Klotzbach und Bernd Jende, aber auch die jungen Stemmeraner Muttis Stefanie Heinemann und Gabi Schütze waren mit ihren Kleinkindern gekommen, wie ebenso Tierarzt Dietrich Hormann und Cornelia Klemme aus Welsleben oder der ehemalige Bauamtsleiter der Gemeinde Sülzetal und Stemmeraner Dieter Kreutzberg.

Wie Undine Kurth im Vorfeld berichtete, seien allein für Sachsen-Anhalt derzeit zwei Millionen Mastplätze beantragt, eine Millionen seien noch im Antragsverfahren. Nicht inbegriffen wäre hier Stemmern, der Antrag läge beim Landesverwaltungsamt noch gar nicht vor. "Wir müssen doch hier auch die Politik ganz eindeutig fragen: Was wollen wir? Den bäuerlichen Mittelstand fördern oder industrielle Agrarproduktion? Wird hier im Interesse von einigen wenigen entschieden? Wo will Sachsen-Anhalt hin?", fragte die Abgeordnete in den Raum.

Aus Stemmern erfuhr Undine Kurth zudem, dass trotz negativer Stellungnahme der Gemeinde Sülzetal der Bau zweier Biogasanlagen in unmittelbarer Nähe der geplanten Hähnchenmastanlage genehmigt sind. "In solchen Fällen müssen die genehmigenden Behörden einfach besser hinschauen. Zwei Biogasanlagen mit jeweils 500 Kilowatt-Leistung auf ein und demselben Gelände von zwei Firmen mit gleicher Adresse? Für eine Ein-Megawattanlage wäre das Ausweisen eines Sondergebietes notwendig, das habe man hier elegant umschifft." Undine Kurth sprach in diesem Zusammenhang auch von einer doppelten Priveligierung, da die Anlagen auch noch gefördert werden.

Derartig große Mastanlagen hätten Auswirkungen auf die gesamte Umgebung, das machten die Bürger deutlich. Und das würde nicht nur für die geplante Anlage in Stemmern zutreffen, wie Undine Kurth aus den Erfahrungen anderer Regionen wisse. Da würden Fragen der Geruchsbelästigung wie der Logistik zur Debatte stehen. Für Stemmern kommt beispielsweise hinzu, dass es in unmittelbarer Nähe des Ortes bereits eine Kompostieranlage, eine Schweinemastanlage, eine Milchviehanlage sowie die geplanten Biogasanlagen gibt. "Wie bewertet das Landesverwaltungsamt die bereits vorhandenen Belastungen?", stellt Undine Kurth in den Raum. "Unser Grundwasser ist bereits stark Nitrat belastet", bestätigen die Stemmeraner. Sie führen zudem ins Feld, dass mit der Mastanlage einmal mehr bester Bördeboden versiegelt wird, künftig 21 Silo-Türme den Blick in die Landschaft verschandeln sollen.

Bei derartigen Massentierhaltungen sollten aber auch immer wieder Fragen der Ethik und des Verbraucherschutzes in den Mittelpunkt gerückt werden.

Das Thema "Massentierhaltung" wird in "Fakt ist...!" am Montag, 29. November, um 22.05 Uhr im mdr-Fernsehen ausgestrahlt werden.