Seit kurzem gilt dringender Tatverdacht gegen einen Feuerwehrmann, in einem Ausleber Wohnhaus zwei Brände gelegt zu haben. Der 27-Jährige hat die Taten laut Polizei eingeräumt. Bestürzt zeigte sich die Ausleber Wehr, in der er Mitglied war. Volksstimme-Redakteurin Mandy Ganske sprach mit Ortswehrleiter Clemens Köhler sowie mit Verbandsgemeindebürgermeisterin Ines Becker, wie die Feuerwehrleute mit dieser schwierigen Situation umgehen.

Volksstimme: Herr Köhler, wie geht es Ihnen als Wehrleiter angesichts einer solchen Nachricht?

Clemens Köhler: Ich bin schockiert und enttäuscht. Gleichzeitig bin ich sehr verärgert, über so viel unverantwortliches, gefährliches Verhalten. Es wurden Menschenleben gefährdet, in dem betroffenen Gebäude wohnen unter anderem auch Kinder, alte und gebrechliche Menschen. Ganz zu schweigen davon, dass natürlich auch unsere Feuerwehrangehörigen sich in Gefahr begeben mussten.

Volksstimme: Wie verkraften das Ihre Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen?

Clemens Köhler: Die Feuerwehrangehörigen sind ähnlich wie ich schockiert und sprachlos, sie haben keine Erklärung für das Fehlverhalten. Der junge Mann war mehr als zehn Jahre Mitglied in unserer Feuerwehr, niemand hat ihm solche Taten zugetraut. Neben der Enttäuschung über den Täter, werden viele Feuerwehrangehörige gegenwärtig für ihr ehrenamtliches Engagement verhöhnt und teilweise beleidigt. Wir wollen jetzt umso enger zusammenstehen und die Situation gemeinsam bewältigen.

Volksstimme: Wie ist Ihre Wehr nach Bekanntwerden dieses Verdachts mit dem Betreffenden umgegangen?

Clemens Köhler: Wir haben den Betroffenen sofort vom Dienst suspendiert. Das heißt, er darf keinen Feuerwehrdienst leisten. Dies mussten wir per Brief mitteilen, da auf unsere Einladung zu einem persönlichen Gespräch nicht reagiert wurde. Die Meinung der Kameraden ist, dass in den Reihen der Feuerwehr kein Platz für einen Brandstifter ist, wir werden darauf hinwirken, dass der Beschuldigte von der Verbandsgemeinde aus der Feuerwehr ausgeschlossen wird.

Volksstimme: Hatten Sie als Wehr einen Hinweis oder eine Ahnung? Und wie geht man damit um, wenn einem etwas komisch vorkommt?

Clemens Köhler: Dass bei vielen Einsätzen der zurückliegenden Zeit Brandstiftung als Ursache in Frage kam, war uns allen klar, wir haben dies auch auf vielen Dienstabenden thematisiert und waren an den Einsatzstellen besonders aufmerksam. Es wurde von unserer Seite intensiv mit der Polizei zusammengearbeitet. Wir haben auch mehrere Hinweise erhalten, die wir selbstverständlich an die Polizei weitergegeben haben, da die Feuerwehr keine Ermittlungen führt. Im Vorfeld des Einsatzes vom 14. Dezember deutete aus unserer Sicht nichts auf den überführten Täter hin. Dafür gab es aber bei dem Einsatz am 14. Dezember (das war der zweite Einsatz innerhalb kurzer Zeit im Ausleber Wohnhaus Im Winkel, Anmerkung der Redaktion) eine Menge Seltsamkeiten. Dies wurde ebenfalls durch die Feuerwehr an die Polizei weitergegeben. Dies ist im Endeffekt eine sehr schwierige Situation, natürlich möchten wir niemanden zu Unrecht beschuldigen. Genauso wenig möchten wir jedoch die Aufklärung einer Straftat verhindern.

Volksstimme: Die Polizei führt noch weitere Ermittlungen durch. Der Fall soll dann der Staatsanwaltschaft übergeben werden. Wie kann Ihre Wehr unterdessen versuchen, zum Alltag zurückzukehren?

Clemens Köhler: So einfach einen Schalter umzulegen, um damit zum Alltag zurückzukehren, wird nicht funktionieren. Trotzdem werden wir alles daran setzen, um unseren Mitbürgern auch weiterhin in der Not helfen zu können. Dass wir dabei wahrscheinlich mit Vorurteilen kämpfen müssen, ist uns klar. Notfälle und Unglücke wird es deswegen aber nicht seltener geben; seit dem 14. Dezember musste die Feuerwehr Ausleben bereits wieder zwei Mal tätig werden. Zum einen musste eine erkrankte Person bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes versorgt werden und am 21. Dezember musste ein Schornsteinbrand in Ottleben bekämpft werden. Wir werden versuchen, als Wehr noch enger zusammenzustehen, gleichzeitig wollen wir durch unsere Einsatzbereitschaft und eine transparente Öffentlichkeitsarbeit verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.

Volksstimme: Wird es Gespräche mit anderen Partnern Ihrer Wehr im Landkreis geben, um das gemeinsam zu bewältigen?

Clemens Köhler: Die gab es schon und wird es auch weiterhin geben. Selbstverständlich haben wir mit dem Kreisbrandmeister und dem Abschnittsleiter gesprochen. Aber auch mit vielen anderen Feuerwehren haben wir engen Kontakt. Der Ruf der Feuerwehren insgesamt hat leider durch das Fehlverhalten einer einzelnen Person Schaden genommen. Von daher ist dies kein Problem mit dem nur die Feuerwehr Ausleben zu kämpfen hat.

Volksstimme: Frau Becker, wie kann die Verbandsgemeinde die Ausleber Wehr unterstützen?

Ines Becker: Ich stehe uneingeschränkt und mit Stolz hinter der Ortsfeuerwehr Ausleben. Sie leistet eine vorbildliche Arbeit. Dass wir in den eigenen Reihen einen Brandstifter haben, ist auch für mich sehr schockierend, und ich kann mich den Aussagen des Wehrleiters nur anschließen, aber mit der Arbeit unserer Kameradinnen und Kameraden hat das überhaupt nichts zu tun. Den Brandstifter werden wir aus der Freiwilligen Feuerwehr ausschließen. Da gibt es für mich keine andere Entscheidung. Unsere Feuerwehrleute bitte ich, sich von diesem Tiefschlag nicht entmutigen zu lassen und ihre aufopferungsvolle ehrenamtliche Tätigkeit weiter so fortzuführen wie bisher. Und diese Tätigkeit besteht nicht nur aus dem, was die Bürger zu sehen bekommen, wenn die Freiwillige Feuerwehr zum Einsatz ausrückt. Die unzähligen Dienstabende, gefüllt mit theoretischen Informationen, die Übungen und die Lehrgänge an der Brand- und Katastrophenschutzschule in Heyrothsberge – viele Stunden Freizeit. Das macht Feuerwehr aus. Ich glaube, wir müssen noch viel mehr Öffentlichkeitsarbeit betreiben, damit unseren Kameradinnen und Kameraden die Anerkennung zuteil wird, die ihnen gebührt.

Volksstimme: Ziehen Sie Konsequenzen für die zukünftige Arbeit im Brandschutz? Und kann man als Verantwortlicher überhaupt etwas tun, um so etwas zu verhindern?

Ines Becker: Nein, ich weiß nicht, wie man derartige Vorfälle verhindern kann und ich glaube, man kann sie nicht verhindern. Es steht niemandem auf der Stirn geschrieben, was er denkt und vorhat. Soweit das überhaupt noch möglich ist, werden wir zukünftig Brände noch intensiver auswerten. Aber auch das wird nichts verhindern, weil eine Analyse eben erst nach Eintritt eines Schadens erfolgt. Eine Idee war, dass wir uns ein Führungszeugnis vor Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr vorlegen lassen. Aber auch das zeigt nur die Vergangenheit, nicht was noch kommen kann.

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