Hillersleben. Der Abwasserverband "Untere Ohre" Haldensleben kann zu einem Vorreiter bei der Nutzung erneuerbarer Energien bei Kläranlagen in Sachsen-Anhalt werden. "Meines Wissens ist das die erste derartige Anlage in unserem Bundesland", sagte gestern Geschäftsführer Achim Grossmann beim Start des Probelaufes für ein Wasserrad in der Kläranlage Hillersleben.

Das Wasserrad wird mit dem geklärten Wasser angetrieben, das aus dem Nachklärbecken strömt. Das vier Meter hohe Gefälle sorgt für die entsprechende Strömung. Die in der Hillersleber Anlage geklärten Abwässer werden in die Ohre geleitet.

"Meines Wissens die erste Anlage in Sachsen-Anhalt"

"Das oberschlächtig angetriebene Wasserrad wird durch die Strömung in Drehung versetzt", erläuterte Gerhard Hasler, der gemeinsam mit Volkmar Blume das Projekt leitet, "dabei können acht Umdrehungen pro Minute erreicht werden." Ein angeschlossener Generator dient zur Stromerzeugung.

"Wir werden Strom nicht ins öffentliche Netz einspeisen"

"Nach unseren Berechnungen können wir auf diese Weise im Jahr etwa 26000 Kilowattstunden elektrische Energie erzeugen", informierte Achim Grossmann. Diese Menge würde ausreichen, um sieben Dreipersonen-Haushalte mit Elek- troenergie zu versorgen. "Wir werden den Strom allerdings nicht in das öffentliche Netz einspeisen", so Grossmann, "geplant ist, damit die Räumerwagen unserer Nachklärung anzutreiben. So können wir einen Teil der Elektroenergie, die wir verbrauchen, selbst erzeugen."

Der Geschäftsführer kann sich vorstellen, dass ähnliche Anlagen bald auch in anderen Klärwerken in Deutschland installiert werden.

Die Idee für diese originelle Lösung kam Klärwärter Klaus-Peter Keweloh. "Mir ist aufgefallen, dass das geklärte Wasser bei dem starken Gefälle mit ziemlich hoher Geschwindigkeit ungenutzt in die Ohre strömt." Keweloh, der sich in seiner Freizeit intensiv mit der Geschichte seines Heimatdorfes Hillersleben und der Nachbardörfer befasst, erinnerte sich an die Hillersleber Traditionen bei der Nutzung von Wasserkraft.

"Jahrhundertelang nutzten die Müller der Hillersleber Klostermühle die Strömung der Ohre, um damit Getreide zu mahlen. Später entstand in Hillersleben sogar ein kleines Wasserkraftwerk. Ab 1904 konnten damit die fünf Dörfer Hillersleben, Vahldorf, Wedringen, Meseberg und Neuenhofe mit elektrischem Strom versorgt werden. Das Hillersleber Elektrizitätswerk war bis zum Jahr 1935 in Betrieb", erzählte Klaus-Peter Keweloh aus der Geschichte seines Heimatdorfes.

"Hillersleber Elektrizitätswerk versorgte fünf Dörfer"

Er reichte bei der Geschäftsführung des Abwasserverbandes "Untere Ohre" einen Verbesserungsvorschlag ein und fand bei Achim Grossmann offene Ohren. "Wir haben in der Literatur und im Internet intensiv recherchiert", erinnerte sich Achim Grossmann.

Mit der Betriebsgesellschaft der experimentellen Fabrik in Magdeburg fand man einen Partner. Ein Unternehmen in Bad Bibra im Burgenlandkreis stellte das Wasserrad her.

"Anlage auch Schulklassen zugänglich machen"

Nachdem sich das Rad gestern erstmals gedreht hat, müssen jetzt noch Arbeiten an der Elektroanlage des Klärwerkes ausgeführt werden. Schließlich soll der gewonnene Strom ja gleich wieder genutzt werden können.

"Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf etwa 35000 Euro", beantwortete Achim Grossmann entsprechende Nachfragen. "Bei den derzeitigen Strompreisen dürfte sich die Anlage in sieben bis acht Jahren amortisiert haben."

Das Hillersleber Wasserrad soll auch ein Zeichen setzen. "Wir wollen die Anlage bei Führungen Schulklassen oder Besuchergruppen zugänglich machen", blickte Geschäftsführer Achim Grossmann voraus, "es wird soviel über die Nutzung von erneuerbaren Energien geredet. Das hier ist ein ganz praktisches Beispiel."