Das Börde-Museum Ummendorf ist um einen Schatz reicher. Der Remkersleber Ortschronist Otto Jacob hat in dieser Woche sein pfleglich kompiliertes Archiv an das Museum übergeben.

Remkersleben/Ummendorf l Museumsleiter Dr. Thomas Ruppel fuhr mit einem geräumigen Transporter auf Otto Jacobs Hof an der Remkersleber Hauptstraße vor. Denn der "Schatz", den er in Empfang nehmen würde, ist nicht nur inhaltlich von der üppigen Sorte. Nein, die über Jahrzehnte gesammelte Ortschronik des Otto Jacob bringt mit ihren 39 Bänden und einem Berg an Zusatzmaterial auch beträchtlich Masse und Volumen mit sich. "Ich hab vielleicht doch einige Kisten zu wenig mitgebracht", mutmaßte Ruppel angesichts der Fülle an Dokumenten, die Otto Jacob zur Abholung bereitgestellt hatte.

Im Jahr 1978 war die Leidenschaft des heute 86-Jährigen für die Dorfhistorie endgültig geweckt und begann der gelernte Landwirt mit einer Freizeitbeschäftigung, die ihn fortan kaum noch loslassen sollte. "Ursprünglich war es nur eine Bitte meiner Tochter, die mehr zur Geschichte ihres Heimatortes wissen wollte. Ich selbst war aber auch schon von kleinauf daran und am Sammeln interessiert - und so begann ich mit der Aufarbeitung", erzählt Otto Jacob.

Erstes Thema der Erforschung war der Werdegang der Post in Remkersleben. "Aber wenn man einmal drin ist, lässt es einen nicht mehr los", weiß der Chronist heute, nachdem er regelrecht in diese Rolle hineingewachsen ist, sich fast täglich der Zusammensetzung seines Puzzles der Zeitgeschichte widmete. Mehrere Bücher und andere Publikationen sind daraus entstanden und eine erstaunlich lückenlose Gesamtkompilation, die von der aus dem Jahr 1145 datierenden Ersterwähnung Remkerslebens bis zur Gegenwart reicht. Jacob nutzte dabei vorliegende Chroniken seiner Vorgänger, war Dauergast in diversen Archiven und sammelte und dokumentierte selbst "allesmögliche, was Remkersleben betrifft, denn das war mein großes Hobby, darin bin ich aufgegangen".

Um die Bedeutung der Schriften weiß Jacobs Ehefrau Elisabeth: "Das sind seine Kinder - sie sollen in Ehren gehalten werden." Und wie das mit den Kindern so ist, lässt man sie nur mit einem mulmigen Gefühl im Magen ziehen: "Ich trenne mich ungern davon; es steckt eine Menge Arbeit und auch Geld darin. Es ist mein Lebenswerk", verkniff sich der unermüdliche Geschichtsschreiber die Tränen, ist sich aber zugleich der sorgsamen Pflege seines Vermächtnisses durch das Börde-Museum sicher.

"Ich habe mich sehr über den Anruf gefreut, bei dem mir Herr Jacob sein Geschenk ankündigte", sagte Thomas Ruppel. Das Museum sammele grundsätzlich Material aus allen Orten der Region - "aber so ein Werk, auch in dieser Fülle, ist selten und hochinteressant, es verdient höchste Anerkennung und größten Dank", lobte der Museumsleiter. Und weiter: "Herr Jacob ist jemand, der detailreich und verlässlich dokumentiert, weil er auch von grundauf ein kritischer Mensch ist."

Ein letzter Band, der die aktuellen Entwicklungen beleuchtet, verbleibt noch im Schrank von Otto Jacob: "Den behalte ich noch und bringe ihn zu Ende, auch wenn Remkersleben heute ein eher trauriger Ort ist."