Am Montag beriet die Verbandsversammlung des Unterhaltungsverbandes "Obere Ohre" über den Haushalt 2012. Der Beitrag muss um 1,58 Euro pro Hektar auf 9,57 Euro pro Hektar erhöht werden. Gundi Neuschulz sprach mit Horst Wienecke.

Volksstimme: Herr Wienecke, mit Kostenerhöhungen macht man sich derzeit wenig Freunde. Was sind die Gründe für die Beitragserhöhung?

Wienecke: Die Vertreter der Verbandsversammlung haben es sich mit der Beschlussfassung nicht leicht gemacht. Mehrere Gründe machten jedoch die Beitragserhöhung erforderlich. Dazu gehören in 2011 deutlich gestiegene Ausgaben und fehlende finanzielle Mittel zur notwendigen Wiederbeschaffung von Maschinen und Geräten.

Volksstimme: Welche Ausgaben sind gestiegen?

Wienecke: Wir mussten 2011 allein für die Reparatur von verrohrten Gewässerstrecken zusätzlich 25 000 Euro ausgeben. Durch die hohen Niederschläge sind hier vorhandene Schäden sichtbar geworden. Die Kosten für Diesel und andere Treibstoffe führten zu zusätzlichen Belastungen in Höhe von 15 000 Euro. Dies kommt zu der allgemeinen jährlichen Teuerung von zwei bis drei Prozent hinzu. Auch die Biber verursachten uns 2011 wieder erhebliche Kosten. Zur Sicherstellung des Abflusses mussten wir allein zur Beseitigung von Verstopfungen an Brücken, Rohrdurchlässen und Stauanlagen sowie zur genehmigten Entnahme von Biberdämmen eine Arbeitskraft binden. Diese Arbeitskraft muss zusätzlich bezahlt werden.

Kosten sind nicht einklagbar

Volksstimme: Werden die vom Biber verursachten Kosten extern erstattet, etwa über das Umweltministerium?

Wienecke: Hierzu besteht kein Rechtsanspruch. Das haben wir geprüft. Die Kosten sind also nicht einklagbar. Wir haben trotzdem mehrfach versucht, Entscheidungsträger der Politik zur Mitfinanzierung aus öffentlichen Mitteln zu bewegen. Bisher ohne Erfolg. Es bleibt derzeit nur die Finanzierung aus Mitgliedsbeiträgen.

Volksstimme: Wie verhalten sich die anderen Unterhaltungsverbände?

Wienecke: Die Rahmenbedingungen in den 28 Unterhaltungsverbänden in Sachsen-Anhalt sind höchst unterschiedlich. Dies ist in Niedersachsen übrigens seit Jahrzehnten auch so. Die Beiträge spreizen sich dort von fünf bis fast 100 Euro pro Hektar. Entscheidend ist, wie viel Gewässerkilometer ein Verband pro Hektar Beitragsfläche unterhalten muss. Auch die Unterhaltungsintensität spielt eine Rolle. Der Unterhaltungsverband "Obere Ohre" muss je Hektar 26,7 Meter Gewässer unterhalten. Dies sind 210 Prozent zum Landesdurchschnitt und damit der Spitzenwert.

Volksstimme: Müssen die Beitragszahler dann also den doppelten Beitrag zum Durchschnitt zahlen?

Wienecke: Nein. Der Beitrag lag trotz der hohen Gewässerdichte in den letzten Jahren etwas unter dem Landesdurchschnitt und wird zukünftig etwas darüber liegen. Landeszuschüsse, die bisher einen gewissen Ausgleich schufen, gibt es nicht mehr. Wir müssen hohen Beiträgen mit absoluter Sparsamkeit begegnen. Vergleichszahlen zu Verwaltungs- und Unterhaltungskosten zeigen, dass wir dies auch tun. Andererseits müssen wir auch unsere gesetzlich übertragene Aufgabe erfüllen. Dafür haften wir.

Volksstimme: Bei den Schaukommissionen wurde Ersatz gewählt?

Wienecke: Im Bereich Solpke und Mieste machte sich die Nachwahl von Schaubeauftragten erforderlich. Wir freuen uns, dass wir mit Elisabeth Körtge und Steffen Rötz zwei Landwirte gewinnen konnten, die unsere Reihen nun verstärken.