Einer sammelt Briefmarken, der andere Postkarten, beim nächsten drängeln sich Gartenzwerge im Vorgarten. Einige Bewohner des Landkreises mit besonders ungewöhnlichen Sammelobjekten werden in dieser Serie vorgestellt. Heute Dieter und Gabriele Kerntopf aus Colbitz.

Colbitz l So manche Krippe wird heute in vielen Wohnzimmern zu finden sein, eine Tradition zu Weihnachten. "Früher war das auch bei uns so, dass wir die Krippe aufgebaut haben, ohne uns weiter Gedanken zu machen", erklärte der Colbitzer Pfarrer Dieter Kerntopf. Heute ist das anders, denn als er und seine Frau Gabriele Mitte der 1990er-Jahre in Tansania weilten, fiel ihnen erstmals auf, wie unterschiedlich die Krippen in ihrer Darstellung sind.

"Es sind zwar immer Maria, Josef und das Kind, aber in Tansania sah das ganz anders aus als in Deutschland", war Dieter Kerntopf fasziniert und konnte sich vorstellen, dass das auch in den anderen Ländern unterschiedlich ist. Die Reisefreiheit eröffnete ihnen neue Möglichkeiten, und es war so etwas wie ein Fieber erweckt zu erkunden, wie die Krippen in anderen Ländern gestaltet sind.

Die Vielfalt war verblüffend, denn es waren nicht nur unterschiedliche Darstellungen, sondern auch die verwendeten Materialien waren sehr verschieden. Mal war es dunkles Holz, mal Keramik, mal Ton, mal Speckstein. "Wir haben auch eine mit Figuren aus Schafsknochen, ein Unikat aus Deutschland", sagte Gabriele Kerntopf.

Nachdem die Kerntopfs ihre Reisen nutzten, um auch nach Krippen Ausschau zu halten, hat sich inzwischen eine stattliche Anzahl von fast 100 Krippen in ihrem Haus angesammelt - mal ganz kleine, bei der die Figuren gerade einmal einen Zentimeter groß sind, dann aber auch große mit bis zu dreißig Zentimeter großen Figuren. Und es sind auch nicht nur einfache Krippen, sondern manchmal haben die Krippenfiguren auch in einer Laterne oder als Darstellung auf einem Schwibbogen Platz gefunden. In diesem Jahr gab es bei Familie Kerntopf erstmals auch einen Adventskalender, der nach dem öffnen aller "Fenster" nicht nur die Krippenszene als Bild zeigte, sondern auch im Inneren 24 Holzfiguren beinhaltete, mit denen man selbst eine Krippenszene nachstellen kann. "In der Regel hat eine Krippendarstellung neun Figuren, die heilige Familie, drei Hirten, drei Könige, die Zahl der Tiere variiert", so Dieter Kerntopf, der erklärte, dass in der Bibel vom Ochsen, vom Esel und von Schafen die Rede sei. In der drei mal zwei Meter großen Krippe der Colbitzer Kirchengemeinde wären die Könige, wie er anfügte, sogar in Begleitung von Kamelen und Elefanten. Die unterschiedlichen Traditionen verschiedener Regionen spiegele sich auch in den Darstellungen wieder.

Und genau das zeigen Gabriele und Dieter Kerntopf auch gern ihren Mitmenschen, wenn sie beispielsweise auf dem Colbitzer Weihnachtsmarkt oder wie dieses Jahr erstmals beim Adventszauber in Rabensol (bei Colbitz) eine Ausstellung mit ihren Krippen zeigen. 55 haben sie in diesem Jahr gezeigt - Exemplare aus Deutschland, Österreich, Italien, Griechenland, Polen, Ungarn, Frankreich, England, Tansania Israel, Peru, Ecuador und Mexiko. Viele staunende Blicke waren bei den Besuchern der Ausstellungen zu sehen.

"Wir haben aber auch Beziehungen zu unseren Krippen, jede hat ihre eigene Geschichte", sagte Gabriele Kerntopf. Die aus Ungarn sei beispielsweise die erste gewesen, die sie sich gekauft haben, als sie ihre eigene Familie gegründet hatten.

Auch Freunde haben die Sammlerleidenschaft der Kerntopfs unterstützt und hin und wieder einmal eine Krippe mitgebracht, die es übrigens nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern selbst im Sommer zu kaufen gibt.

Im Haus von Gabriele und Dieter Kerntopf haben die Krippen aber nur von Heiligabend an bis in den Januar hinein Saison. "Dann stehen immer mal andere hier", meinte Gabriele Kerntopf. Den Rest des Jahres sind die Krippen zumeist fein säuberlich in Kartons verstaut, denn es soll, so sind sich Kerntopfs einig, etwas Besonderes zu Weihnachten bleiben.

 

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