"Ich habe ihn als Kind einmal bei seiner Arbeit besucht. Die Maschinen waren so laut", erinnert sich Beate Döge an ihren Großvater, den Maschinensetzer Otto Krüger I, der im Oktober 1911 beim Salzwedeler Wochenblatt an der Neuperverstraße 32 anfing.

Von Franziska von Thien

Salzwedel. Beate Döge blättert in einem alten Familien-Fotoalbum ihrer Mutter, schlägt zielsicher eine Seite auf. Die Salzwedelerin tippt auf ein Bild ihres Großvaters, das dort ganz fest eingeklebt worden ist. Es zeigt Otto Krüger I an der Setzmaschine im Pressehaus an der Neuperverstraße 32.

Die Aufnahme wurde 1955 angefertigt, als er bereits für die Volksstimme arbeitete. Nach seiner Lehre zum Schriftsetzer und Buchdrucker hatte der gebürtige Frankfurter aus Brandenburg im Oktober 1911 beim Salzwedeler Wochenblatt angefangen. Dort plante man gerade, sich die damals modernen Linotype-Setzmaschinen anzuschaffen. Und Otto Krüger I war bereits dafür ausgebildet. Damals war er 19 Jahre alt. Den Zusatz "I" erhielt er erst zehn Jahre später, als noch ein Maschinensetzer desselben Namens eingestellt wurde.

Wenn Beate Döge daran zurückdenkt, wie sie ihren Großvater als kleines Mädchen bei der Arbeit besuchte, versucht sie, das mit allen Sinnen zu erfassen: "Auf mich wirkte das irgendwie bedrohlich. Diese lauten Maschinen. Im Handset- zersaal waren so viele Leute. Es roch auch komisch dort, es war dampfig und sehr heiß."

In seiner freien Zeit befasste sich Otto Krüger I möglichst viel mit seiner Enkeltochter, insbesondere aufs korrekte Schreiben legte er Wert. Wenn sie beisammen saßen, erzählte er ihr gern die Geschichte, wie er einmal bei der Arbeit gefragt hatte, wie man eigentlich Meerrettich schreibe. "Zwei E, zwei R, zwei T", kam es am Ende immer wie aus der Pistole geschossen. Denn auf Richtigkeit und Schnelligkeit kam es an. "Zu Hause hat mein Großvater am liebsten stundenlang Zeitung gelesen und sich über jeden Fehler aufgeregt. Manchmal denke ich, was würde ihm das heute Spaß machen", sagt die heute 66-jährige Salzwedelerin. Später habe sie entdeckt, dass auf den Schulzeugnissen ihrer Mutter immer "Tochter des Buchdruckers" vermerkt worden sei.

Kurz vorm Ersten Weltkrieg lernte Otto Krüger I seine zukünftige Ehefrau Berta Brauns kennen. Im März 1913 kam ihr erstes von vier Kindern zur Welt. Die Kriegstrauung des Paares fand zwei Jahre später am 21. Januar 1915 statt, wie es in einer Anzeige geschrieben steht - gedruckt im Salzwedeler Wochenblatt. Als Zeugen waren der damals 37-jährige Schriftsetzer Richard Wolf und der Buchdrucker Alfred Bercht, damals 27 Jahre alt, zugegen. Im Juli 1921 wurde schließlich die kleine Gertrud als letztes Kind des Ehepaares geboren.

Im Januar 1944 gab es wieder eine Kriegstrauung. Dieses Mal war Gertrud die Braut. Acht Monate später erblickte ihre Tochter das Licht der Welt: Beate Döge. Seinen Sinn für die deutsche Sprache hat Otto Krüger I an seine Enkeltochter weitergegeben. Im Salzwedeler Pressehaus arbeitete er bis zu seiner Rente. Fast 50 Jahre lang.

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