Prof. Gerd Gerdes hat sich vor allem mit seinen drei Bänden der Wanzleber Chronik einen Namen gemacht. Doch auch mit der Landwirtschaft in der Region ist er verbunden. Viele wussten sein Engagement zu seinem 90. Geburtstag zu würdigen.

Wanzleben l "Wenn man den 90. Geburtstag erreicht hat, ist man voller Dankbarkeit", erklärte Gerd Gerdes am Sonnabend im Rahmen eines kleinen Empfangs, zu dem neben der Familie auch Freunde und Weggefährten geladen waren. Der Dank galt in erster Linie seiner Frau Ingeborg, mit der er seit 62 Jahren gemeinsam den Weg bestreitet, seinen zwei Söhnen, vier Enkelkindern und zwei Urenkelkindern.

Ingeborg Gerdes unterstützt bis heute die Unrast ihres Mannes und hat ihn auch für den dritten Band seiner Wanzleber Chronik, in der sich Gerd Gerdes den Ortsteilen der neuen Einheitsgemeinde Wanzleben - Börde widmete, mit dem Auto von Ort zu Ort gefahren. Sie weiß, in der Geschichte der Stadt Wanzleben zu forschen, alles aufzuschreiben und für die Nachwelt zu erhalten, ist das große Steckenpferd, das ihr Mann reitet.

"Ich bin seit 1970 Bürger der Stadt Wanzleben und wollte meinen Unruhestand nach 1987 nutzen und habe mich meinem Hobby, der Geschichte, gewidmet", berichtete Gerd Gerdes, der seine Heimat eigentlich in Neubrandenburg hat.

Begonnen hat alles mit der Postgeschichte, die einen fließenden Übergang in die Personengeschichte fand. Schließlich hat Wanzleben einige interessante "Söhne". So galt die Aufmerksamkeit Gerdes\' zunächst der Vergangenheit der Familie Kühne und der Familie Schaeper. Auch mit den Biografien der Erfinder des Wanzleber Pfluges, Christian und Friedrich Behrendt, sowie des Erfinders des Auszieh- tisches, Carl Zander, hat er sich intensiv befasst. "Zudem habe ich mit 31 Biografien über Persönlichkeiten der Börde zum Magdeburger Biografischen Lexikon beigetragen", fügte der Professor hinzu.

Zahlreiche Artikel in der Volksstimme, die sich mit der Historie beschäftigen, stammten aus der Feder von Gerd Gerdes, ehe er sich seinem finalen Werk - der Wanzleber Chronik in drei Bänden - widmete. Der erste Teil ist 2008 erschienen, der zweite folgte 2010 und der dritte schließlich 2011.

Eine, die das besonders anlässlich des runden Geburtstages würdigte, war die Bürgermeisterin der Stadt Wanzleben - Börde, Petra Hort (Die Linke): "Ich möchte mich bedanken, dass Sie der Stadt drei Bände der Chronik geschenkt haben. Das Gute zu bewahren und die Historie zusammenzutragen, ist Ihnen gut gelungen."

"Ich bin froh, das geschafft zu haben", meinte der rüstige Senior, der sich im Moment ein wenig behindert fühlt. Er kann das Archiv der Stadt nicht nutzen, da die Treppe dort hinauf zu steil ist, das Archiv andererseits wegen der Baumaßnahmen im Rathaus noch gesperrt ist. Die Arbeit habe ihm viel Spaß gemacht und so blättert er auch heute regelmäßig in den Büchern und freut sich über das, "was er alles gewusst hat".

Stetige Nachfragen von an der Geschichte interessierten Menschen regen den 90-Jährigen immer wieder an, weiterzuforschen, auch wenn für die Wanzleber Chronik kein vierter Band mehr geplant ist. "Solange ich das noch kann, mache ich es", betont Gerd Gerdes.

Doch nicht allein die "Stadtschreiberei" hat das Leben von Gerd Gerdes geprägt. Auch die Landwirtschaft war ein wichtiger Teil, unzählige junge Landwirte sind durch seine Schule gegangen. Deshalb würdigte ihn die Landseniorenvereinigung Wanzleben mit der höchsten Auszeichnung des Landseniorenverbandes, dem Ehrenabzeichen der deutschen Landsenioren in Gold.

Den Landsenioren ist Gerd Gerdes noch genauso verbunden wie dem Sozialverband. Hier ist er Kreisvorsitzender und wurde zu seinem Ehrentag von seinen Mitstreitern mit einer Ehrenmitgliedschaft im Sozialverband überrascht.