Karatemeister Gerald Nowak aus Hötensleben hat sich ganz und gar der fernöstlichen Kampftechnik verschrieben. Er trainiert nicht nur, er lebt danach. Nun hat Nowak ein weiteres Meisterstück vollbracht und zählt damit bundesweit zu einer kleinen Eliteriege.

Hötensleben l Untrennbar sind die Worte Karate und Hötensleben mit einem Namen verbunden; wer sie in einem Zusammenhang hört, muss wohl unwillkürlich an ihn denken: Gerald Nowak. Wer ihn auf Karate anspricht, bemerkt schnell das umfassende Wissen, das er sich im Laufe der Jahre über seinen Sport, die Kampfkunst und Kultur angeeignet hat. Denn Nowaks Kenntnisse erstrecken sich nicht allein auf Karate als jahrhundertealte Kampftechnik, sondern auch auf die Philosophie dahinter: "Karate ist weit mehr als Kampf."

Vor über 30 Jahren trat Gerald Nowak erstmals mit Karate in Kontakt und hat sich dem Sport seitdem fest verschrieben. Nach der Prüfung zum 1. Dan, dem Meistergrad niedrigster Kategorie, im Jahr 1995 folgten weitere Stufenanstiege bis hin zum 4. Dan, den er vor sechs Jahren erlangte. Sich mit dem Erreichten zufrieden zu geben, liegt aber nicht in der Natur von Sensei Nowak. Er arbeitete weiter an der Verbesserung seines Karate und der Kampftechniken, denn er hatte bereits ein neues Ziel: den 5. Dan. Dieser Meistergrad, von dem es in Deutschland nur wenige gibt, ist jedoch schwer zu erreichen, wie Nowak weiß: "Da sind nicht nur die sportlichen Herausforderungen, es gilt auch, einige bürokratische Hürden zu nehmen." Doch Gerald Nowak ließ sich nicht entmutigen und folgte dem Grundsatz des Karate: zu lernen, wie man mit Beharrlichkeit, innerer Ruhe und Zufriedenheit auch Schwierigkeiten ausräumt.

Philosophische Hausarbeit war eine Prüfungspflicht

Während der Adventszeit reisten Sensei Nowak und sein Meisterschüler Bernd Salomon nach Bruchsal in Baden-Württemberg, um sich dort den Herausforderungen für die anstehenden Dan-Prüfungen zu stellen. Für Nowak sollte es der angestrebte 5. Dan und für Salomon auch schon der 3. Dan werden. "Auf die Prüfung muss man sich natürlich in körperlicher Hinsicht, aber auch mental und intellektuell vorbereiten", erzählt der Meister. So war eine Hausarbeit zu einem philosophischen Thema wesentlicher Bestandteil der Prüfung. Ein wichtiger Aspekt darüber hinaus war, mit der eigenen Karatetechnik vor der großen Prüfungskommission zu bestehen. Die setzte sich aus vier Prüfern zusammen, darunter mit Günther Schleicher ein Bundeskampfrichter und Träger des 6. Dan.

Bei Gerald Nowak und Bernd Salomon führten zielstrebiges Training und eine intensive Vorbereitung zum Erfolg. Beide haben ihre Prüfungen mit Bravour bestanden und erhielten dafür das begehrte Dan-Diplom auf Seidenpapier sowie Lob und Anerkennung der Prüfer. Bei den Schülern im Hötensleber Karate-Dojo war die Freude über den Erfolg der beiden Spitzenleute groß. "Wir sind stolz auf eure Leistung und gratulieren ganz herzlich", überbrachte Detlef Bratzke, Vorsitzender des Sportvereins Hötensleben, persönliche Glückwünsche und ein kleines Präsent als Anerkennung. "Ihr seid ein Vorbild - nicht nur für die Karateka, sondern für alle Sportler", zollte Bratzke Respekt.

Sensei Nowak selbst würdigte insbesondere die Leistungen seines Meisterschülers (Sempei), Bernd Salomon aus Vogelsdorf: "Bernd ist ein Sempei, wie man ihn sich nicht besser wünschen kann. Er ist nicht nur ein hervorragender Meisterschüler und Karateka, sondern auch Lehrer - denn auch das bedeutet Sempei." Salomon verstehe es, seine Begeisterung und sein Wissen für und über die Kampfkunst an die Schüler weiterzugeben. Dabei sei er immer darauf bedacht, sich selbst und die Schüler zu verbessern. Großes Lob aus dem Munde des Sensei: "Selbst in Bruchsal half Bernd trotz eigenem Prüfungsstress noch anderen Karateka bei der Vorbereitung auf ihre Prüfung. So wünscht man sich als Sensei seinen Sempei."