Wernigerode l Der Wernigeröder Grafiker Dr. Lothar Ameling ist im Alter von 63 Jahren gestorben. "Ich habe ihn als Aufsichtsrat der Schloss Wernigerode GmbH Anfang des Jahrtausends kennengelernt", erinnert sich Dr. Christian Juranek, Museumsleiter von Schloss Wernigerode. "Wenn es um Kunst und Kultur in Wernigerode ging, ist man Lothar Ameling eigentlich immer über den Weg gelaufen."

Juranek, für den Ameling ein Weggefährte und geschätzter Freund war, ist überzeugt, dass jeder Wernigeröder schon einmal einer Arbeit von Lothar Ameling begegnet ist. Seit 1990 hatte er in Wernigerode ein Atelier für Produkt und Grafik im Kunsthof, Marktstraße 1. Zahllose Plakate für Stadtfeste, für die Derenburger Glasmanufaktur, den Bürgerpark und viele Logos für regionale Unternehmen stammen von ihm.

"Seine Besonderheit war, dass er besonders gut Figuren zeichnen konnte", sagt Juranek. Die Plakate und Einladungen für die Dürer-Ausstellung, die derzeit auf Schloss Wernigerode zu sehen ist, waren die letzten Arbeiten Amelings. "Er war ein interessierter, ein offener Mensch", so Juranek. "Er war aber auch sehr sensibel in Bezug auf Menschen. Und er konnte wunderbar über sich selbst lachen, hatte einen Sinn für Humor."

Der leidenschaftliche Rolling-Stones-Fan, der 1950 in Potsdam zur Welt gekommen war, begann 1971 Industrielle Formgestaltung an der Hochschule Burg Giebichenstein bei Halle zu studieren. In dieser Zeit lernte er die Mitstudentin Marlies kennen, die er 1978 heiratete. Das Paar hat einen gemeinsamen Sohn Michael, der vor allem bei seinem Vater in Halle aufwuchs, während Marlies Ameling als Chefdesignerin in der Derenburger Glasmanufaktur erfolgreich arbeitete.

Nach seinem Diplom lehrte Lothar Ameling als Dozent in Halle Designgeschichte, Typographie und die Grundlagen der komplexen Gestaltung. Er promovierte 1987 und wurde 1988 als Rektor nominiert. Dieses Angebot schlug er aus, um seiner Frau in den Harz zu folgen. "Er hat zugunsten seiner Familie auf die eigene Karriere verzichtet", betont Christian Juranek. In Wernigerode fand Ameling beim Elektromotorenwerk bis 1991 als Designer eine spannende Aufgabe, gründete danach sein Atelier.

Mit seiner Frau Marlies Ameling baute er Anfang der 1990er-Jahre den Wernigeröder Kunst- und Kulturverein mit auf. Die Galerie im Ersten Stock leitete er später zwei Jahre lang.

Nicht nur sein Fotoarchiv mit mehr als 5000 Bildern aus dem Harz zeugt von seinen vielseitigen Interessen. Er schuf als Künstler Glasskulpturen, malte Aquarelle und gestaltete eine Wackelkaraffe, die sehr erfolgreich verkauft wurde.

Seine Erforschung der Geschichte der Rektoratsvilla auf dem Campus der Hochschule Harz in Wernigerode endete mit einer von ihm konzipierten Ausstellung. Für die Hochschule war er seit 1995 Lehrbeauftragter für Typographie und Layout. Der bekennende Fan der Farbe Schwarz war Gründungsmitglied des Rotary-Clubs in Wernigerode.