Heudeber (rar). Die Vermutung seitens des BUND lag zwar nahe, doch sachlich korrekt war sie keineswegs. Das stellte jetzt Heudebers Ortschronist Georg Zappen richtig.

Angeblich stammte der Name "Millionenweg" von den unzähligen Kirschblüten dieser gleichnamigen Allee. Anlass war vor Wochen die Auszeichnung eingesandter Fotos im Rahmen eines bundesweiten Wettbewerbs des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Harzer Volksstimme berichtete).

Laut Zappen geht der Name auf die Jahrhundertwende zurück. Seinerzeit waren in Heudebers Umland viele durchgehende Straßen gepflastert worden. Der damalige Bürgermeister Pflaumenbaum, im Amt zwischen 1886 und 1904, brachte in der Gemeinde den Vorschlag ein, auch den Bereich zwischen Derenburger Weg bis zum Lakegraben mit zu pflastern. Das wurde prompt abgelehnt, da er als einziger Anlieger zugleich alleiniger Nutznießer gewesen wäre. Eine Bezahlung sollte stattdessen ausschließlich privat von ihm selbst erfolgen und eben nicht auf Gemeindekosten. In den historischen Unterlagen ist die Rede von einem "allgemein fehlenden Interesse", so Zappen.

Doch besagter Bürgermei-ster erwies sich daraufhin als echtes Schlitzohr. Ein von ihm klug eingefädelter Abstimmungstrick führte dazu, dass sich der Dorfschulze letztlich doch die Zustimmung der Mehrheit der Abgeordneten holte, die diese Konsequenz offenbar gar nicht überblickten. Letztlich gelang es aber durch diesen "Geniestreich", die Gemeinde Heudeber zu 100 Prozent zur Kasse zu bitten. So musste dem Bürgermeister seine 1200 Meter lange Straße auf Kosten der Allgemeinheit gepflastert werden.

Die Empörung der Heudeberaner über dieses gelungene Husarenstück ist im Nachhinein leicht nachvollziehbar. Gab es doch im Ort damals kaum jemanden, der sich nicht gewaltig übers Ohr gehauen fühlte. Wie der Trick genau funktioniert hatte, ist laut dem Ortschronisten nicht überliefert. Sehr wohl aber, dass dieser Feldweg seitdem den Namen "Millionenweg" trägt. Das dürfte ganz sicher eine kostenmäßige Übertreibung darstellen. Zappen augenzwinkernd: "Hören Sie mal genau hin: das Stöhnen der Abgeordneten über diesen Coup ist noch heute zu vernehmen."