Seit dem August spielt an Oehrenfelds Marianne-Buggenhagen-Schule ein Vierbeiner allwöchentlich eine ganz maßgebliche Rolle. Und das sogar ganz offiziell im Unterricht. Die achtjährige Tibet-Terrier-Hündin "Aicka" erfüllt zwar nicht im klassischen Sinne die Anforderungen an einen "Therapiehund", sehr wohl aber jene an einen "Schulbegleithund". Und als solcher ist er bei den Behinderten zu ganz Erstaunlichem in der Lage.

Darlingerode. Unterricht in der 7b bei der Wernigeröderin Marion Altenkirch. Einmal in der Woche wird sie dabei von "Aicka" begleitet. Die niedliche Tibet-Terrier-Hündin bellt in den 45 Minuten nicht ein einziges Mal. Sie scheint auf die längst eingeübten Kommandos der Lehrerin genauso zu warten wie auf jene der Schüler.

Dass der Hund dies gut tut, dieser Nachweis scheint längst erbracht. Und das, obwohl der Schulbegleithund durchaus nicht auf jeden Schüler gleich reagiert. Aber aggressiv ist er in gar keinem Fall. Geschweige denn, dass er beißen würde. Das macht diese Rasse im Allgemeinen und "Aicka" im Besonderen geeignet für die schulische Arbeit mit behinderten Kindern.

Der Hund ist in der Familie von Marion Altenkirch mit Kindern groß geworden. So steckt es "Aicka" gelassen weg, wenn ihr durch die Behinderten manchmal unfreiwillig grob begegnet wird. Der Hund gilt als ausgesprochen stress- und schmerztolerant. Im Unterricht wird stattdessen ihre Kontaktfreudigkeit und Verschmustheit ausgenutzt. Nicht nur auf die zum Teil hyperaktiven Kinder wirkt "Aicka" ausgesprochen beruhigend. Mitunter wird sie sogar zum Seelentröster. Dass sie zudem stubenrein ist und mangels Fellwechsel nicht haart, gehörte mit zu den Voraussetzungen ihres allwöchentlichen "Auftrittes". Immerhin mussten sowohl das Gesundheitsamt als auch die Schulleitung ihr "Okay" für den Hund geben.

Die Kinder freuen sich nicht ohne Grund ganz besonders immer auf die Donnerstage.

"Seit ich ¿Aicka‘ dabei habe, ist Phillip gut drauf"

Phillip aus der 10. Klasse hatte über Jahre riesige Schwierigkeiten, dem Unterricht zu folgen oder die Hausaufgaben zu machen. Nicht nur bei ihm bewirkte der Hund wahre Wunder. Marion Altenkirch: "Seitdem ich den Hund dabei habe, ist Phillip einfach gut drauf. Das ist schon erstaunlich". Aber dieser Schüler ist nur ein Beispiel von etlichen weiteren. In den Pausen gibt es einen ständig wechselnden Hundedienst. Es ist einer der begehrtesten "Jobs", um den sich regelrecht gerissen wird. Die Kinder sind angehalten, sich im Beisein des Terriers besonders ruhig und keinesfalls hektisch zu verhalten.

Marion Altenkirch spricht von "tiergestützter Pädagogik". Wäre "Aicka" ein "Therapiehund", hätte sie eine Prüfung ablegen müssen. Diese machen stattdessen die Buggenhagen–Schüler. "Sitz", "Platz" oder "Pfote geben": Wer solche Kommandos beherrscht, bekommt den begehrten "Hundeführerschein". Dass die Kinder darauf besonders stolz sind, ist ihnen anzumerken. Dabei scheint die Sache mit dem Hund nur einen einzigen Nachteil zu haben: An den restlichen vier Schultagen der Woche fehlt er nämlich allen gewaltig. Wahrscheinlich ist das aber umgekehrt ganz ähnlich. "Aicka" macht jedenfalls diesen Eindruck.

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