Der Weg nach Südostasien führt für die Armaturenwerk Hötensleben GmbH über Wernigerode. Vier Studenten der Hochschule Harz haben im Auftrag des Unternehmens eine Standortanalyse entwickelt. Die Arbeit hat sogar Eingang in die Fachliteratur gefunden.

Wernigerode/Hötensleben l "Wir haben schon öfter Studenten gehabt, aber das hier waren besonders gute", sagt Thomas Gross. Der Kaufmännische Geschäftsführer der Armaturenwerk Hötensleben GmbH (AWH) hält den gedruckten Beweis dafür in der Hand.

Im Band 26 der Edition "Der Controlling-Berater" findet sich auf 20 Seiten der Beitrag "Standortanalyse für ein mittelständisches Produktunternehmen in Südostasien". Verfasst haben ihn Jasmin Burgdorf (24/Völpke), Ina Bilmann (25/Magdeburg), Alexander Kaiser (26/Wernigerode) und Benjamin Zühr (26/Hamburg). Alle vier sind im Master-Studiengang Business-Consulting an der Hochschule Harz.

Der Anlass für die Kooperation war laut Gross die Forderung der Gesellschafter, der Traditionshersteller von Edelstahlprodukten für die Pharmazie und Lebensmittelfertigung möge sich an einem neuen Standort direkt einen weiteren Markt erschließen. Dazu habe es verschiedene Überlegungen gegeben. Und das Wissen um den fachlich exzellenten Ruf der Wernigeröder Bildungseinrichtung.

Koordinator des auf vier Semester ausgelegten Master-Studiengangs ist Prof. Dr. Georg Westermann. Wie der Pro-Rektor Forschung erläutert, wird speziell im dritten Halbjahr sehr stark projektbezogen gearbeitet. Zum einen forschend für die Promotion. Andererseits beratend. Westermann: "Das bedeutet, dass die Studenten echte Kunden haben, die auch Geld bezahlen." Im Normalfall werde die Hochschule dazu angefragt. Dann stelle er ein Team zusammen. Dieses finde beim ersten Termin mit dem potenziellen Partner heraus, wo genau dessen Problem liegt. Anschließend werde ein Angebot geschrieben und darüber verhandelt. Georg Westermann: "Das ist ein Spagat. Sie möchten zwar etwas verdienen, aber auch nicht den Kunden verlieren."

Wenn bis zu diesem Punkt alles funktioniert habe, dann werde ein Vertrag abgeschlossen. Dazu könnten die Studierenden sogar bei der betreffenden Firma zeitweise eingestellt werden. Größter Wert werde darauf gelegt, dass die Studierenden selbständig agieren. Georg Westermann: "Und es geht darum, dass etwas dabei herauskommt, was man auch verwenden kann."

Am 1. August 2012 sei mit der Untersuchung begonnen worden. Sechs Monate habe die Analyse in Anspruch genommen. Alexander Kaiser dazu: "20 Stunden waren pro Woche vereinbart worden. Es ist etwas mehr geworden." Der Wernigeröder findet wie alle anderen Beteiligten, dass sich dieser Aufwand gelohnt hat. Kaiser: "Die finanzielle Gegenleistung sorgt außerdem dafür, dass man mit größerer Ernsthaftigkeit an die Sache herangeht."

Geschäftsführer Gross betont derweil: "Wir haben einen ziemlich hohen Anspruch gestellt." Bei jeder Präsentation seien Spitzenmanager der AWH mit am Tisch gewesen. Dass das Ergebnis Eingang in die Fachliteratur gefunden habe, sei im Übrigen einem glücklichen Umstand zu verdanken. Der Finanzchef ist auch Vorsitzender des Arbeitskreises Thüringen im Internationalen Controller Verein. Bei einer Veranstaltung der Vereinigung in Berlin habe der Verlag Haufe Gruppe Freiburg/München sein Sortiment präsentiert und er den Chefredakteur angesprochen. Thomas Gross: "Er war sofort zu einer Veröffentlichung bereit gewesen."

Offen sei hingegen noch, wo die neue Filiale der Armaturenwerker eröffnet wird. Der Geschäftsführer: "Das ist eine Frage, die der Konzern entscheidet."

Geht es nach der Empfehlung aus Wernigerode, führt der Weg jedenfalls nach Indien. Genau gesagt in den Bundesstaat Maharashtra.