Mit Sylvia Wehrmann hat sich am Montag eine besorgte Mutter mit einer dringenden Bitte an die Harzer Volksstimme gewandt. Ihre vierjährige Tochter fand nach dem stürmischen Wochenende auf dem Gehweg vor ihrem Haus an der Hochofenstraße reihenweise Tabletten. Die Ilsenburgerin bittet dringend, künftig weniger sorglos mit Medikamenten umzugehen und sie gegebenenfalls kostenlos in der Apotheke abzugeben.

Ilsenburg. Sylvia Wehrmann glaubte am Wochenende ihren Augen nicht zu trauen. Cindy, die vierjährige Tochter, war nur einen kurzen Augenblick unbeobachtet vor die Tür an der Hochofenstraße gegangen. Als sie wieder ins Haus kam, hatte das Mädchen ein wahres Sammelsurium von verschiedenen, zum Teil ungeöffneten, Tablettenpackungen in der Hand. Insgesamt 182 Pillen, darunter Blutverdünner "Herz–ASS", das ebenfalls rezeptpflichtige "Arlevert" (gegen Schwindel), das auch rezeptpflichtige und besonders starke Schmerzmittel "Tramadolor", "Captogramma", "Amlopidin" gegen Bluthochdruck und Engegefühl, um nur einige zu nennen. Zum Teil waren die Tabletten bereits vom Haltbarkeitsdatum her verfallen, andere nicht.

"Das Ganze hätte lebensgefährlich enden können"

Sylvia Wehrmann: "Ich hatte ja zunächst mal keine Ahnung, ob meine Tochter nicht längst das Eine oder Andere probiert hatte. Für ein so kleines Kind ist das doch alles interessant und durchaus verwechselbar mit manchen Verpackungen von Süßigkeiten.".Und wörtlich ergänzt sie später: "Ich finde das wirklich nicht mehr lustig, sondern von irgend einem Nachbarn grob fahrlässig. Nicht auszudenken, wenn Cindy von Tabletten probiert hätte, bei denen einem Patienten die Einnahme von täglich nur Einer empfohlen wird." Genau diese Information erhielt sie nämlich von einer Bekannten, die ebenfalls das starke Schmerzmittel "Herz–ASS" nur täglich einmal nehmen darf. In der nicht angebrochenen Packung waren aber 20 Pillen.

Auf die Frage, wie sie sich das denn erklären könne, zuckt die Ilsenburgerin mit den Schultern. So etwas habe es ja auch noch nie gegeben. Allerdings sei das Wochenende sehr stürmisch gewesen. Eventuell könnten die Tabletten ebenso acht- wie gedankenlos in einem gelben Sack entsorgt worden sein. Diese sind nicht immer verschlossen oder werden nicht selten von Tieren aufgerissen. Für die unfreiwillige Verteilung könne dann der Sturm gesorgt haben. Auch eine Nachbarin habe nachträglich auf der Hochofenstraße noch etliche Medikamente gefunden: "Ich habe ja keine Ahnung, weshalb man Medizin überhaupt im Gelben Sack entsorgen muss."

"Für Verteilung könnte der Sturm gesorgt haben"

Und: "Dort gehören sie sowieso nicht rein. Und wirklich sicher ist eine solche Beseitigung, wie man sieht, auch nicht. Wieso geben die Leute so etwas nicht kostenlos in der nächstbesten Apotheke ab?" Im Grunde hätte so etwas nach Auffassung der Ilsenburgerin lebensgefährlich enden können. Insofern sollte sich das auch anderswo besser nicht wiederholen.