Gute Nachrichten erreichten den Darlingeröder Verein zugunsten der Sanierung der Katharienenkirche erst in der Vorwoche. Gab es doch mit einem weiteren Fördergeldbescheid grünes Licht für die Fortsetzung der Arbeiten. Gestern früh wurde der Turm mit Wetterfahne und neu bestückter Kugel komplettiert.

Darlingerode. Mittwochmorgen 7.30 Uhr. Es ist noch stockfinster, da werkelt Stephan Schädel bereits an der Spitze des Turms der Katharienenkirche. Ganz so, als könnte er es nicht erwarten, die goldene Kugel wieder dort anzubringen, wo sie hingehört: ganz oben auf das ebenfalls gerade erneuerte Schieferdach. Und das gibt den Blick nach unten schon längst nicht mehr frei, wo während der letzten Wochen diverse tragende Holzteile dringend ausgewechselt werden mussten.

In der Kugel ist jetzt eine Computerspeicherkarte

Die Minuten später in der Morgensonne glänzende Kugel wurde neu bestückt. Darin finden sich Münzen aus der Zeit um 1820 ebenso wie 100 Jahre älteres Geld und sogar ein paar D–Mark–Stücke. Original sind auch die Scheine aus der Zeit zwischen 1917 und 1923 sowie Inflationsgeld, das den Namen wegen der vielen unbedeutenden Nullen wohl nur bedingt verdiente. Ebenfalls in der Kugel befinden sich neben dem Vater Unser die Schreiben von Pfarrer Ewers von 1928 sowie eine Kopie jenes Schriftsatzes von Prediger Wartmann von 1831. Hinzugefügt wurden unter anderem ein Schreiben vom Gemeindekirchenrat und Pfarrerin Ulrike Hackbeil, ein Satz Euro–Münzen, mehrere Volksstimme–Beiträge über die Turmsanierung, Gemeindebriefe sowie die Predigt zum Kirchenfest vom Juni 2009. Die Besonderheit: Seit gestern befinden sich in der neu angefertigte Hülse sogar eine SD–Speicherkarte und ein MemoryStick mit Fotos vom Gemeindeleben und ganz aktuell auch vom Wiedereinbau der Turmuhr.

Trotz Überraschungen nur 4 000 Euro teurer

Unterm Strich ist nicht nur Stephan Schädel glücklich, dass der Zeitplan von zehn Wochen für die Sanierung eingehalten werden konnte. Und das, obwohl das Wetter keineswegs immer optimal "mitspielte".

Die ursprünglich veranschlagten Kosten sind durch den unabsehbar größer gewordenen Sanierungsaufwand lediglich um 4 000 Euro auf letztlich 62 000 Euro gestiegen. Dach und Fassade sollten ursprünglich nicht voll saniert werden. Doch das war plötzlich unumgänglich. Nach dem Winter muss 2011die Turmsanierung dringend fortgesetzt werden. Dort ist der Mörtel im wahrsten Sinne des Wortes "aus den Fugen geraten".

"Mindestens 100 Jahre soll die vergoldete Kugel jetzt den Turm bekrönen", wünschte sich Stephan Schädel gestern. Im Umkehrschluss: Die nächste Sanierung an "seiner Kirche" ist das Thema einer Generation, die noch gar nicht geboren ist.

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