Wernigerode. Menschenschicksale stehen im Fokus der gleichnamigen Ausstellung, die der Verein "Lebensspuren" gestern in der Wernigeröder Harzsparkasse in der Gustav-Petri-Straße eröffnet hat.

Die Dokumentation des Bundesverwaltungsamtes zeigt anhand von 20 Schautafeln, wie das NS-Regime das Staatsangehörigkeitsrecht zur Durchsetzung ihrer "rassenpolitischen" Ziele missbrauchte und unerwünschte Personen kurzerhand ausbürgerte. So verloren 39 006 Menschen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges ihre deutsche Staatsbürgerschaft. "Damals hatte man als Bürger keine Rechte", erklärt Matthias Meißner, Vorsitzender des Vereins "Lebensspuren" in Wernigerode. Auch ihn habe es noch überrascht, mit welcher Willkür und Arroganz die Ausbürgerungen vorgenommen wurden.

Sogar Prominente blieben nicht von dieser Praxis der Nationalsozialisten verschont. Dies zeigt eine Schautafel, auf der die erste Ausbürgerungsliste des Deutschen Reiches aus dem Jahr 1933 dargestellt ist. Auf ihr finden sich Namen wie Heinrich Mann, Kurt Tucholsky oder Rudolf Breitscheid. Die Dokumente stammen überwiegend aus den durch die Alliierten beschlagnahmten Akten des Reichsinnenminis- teriums.

"Millionen Menschen waren damals von den Ausbürgerungen betroffen. Doch von ihrem Schicksal erfuhren viele erst, wenn sie ihre Namen im Reichsanzeiger lasen", sagt Matthias Meißner. Ein Widerrufsrecht gab es nicht, die Ausgebürgerten waren mit sofortiger Wirkung staatenlos. Heute haben Betroffene, die aus politischen, rassistischen oder religiösen Gründen ausgebürgert wurden, und deren Nachkommen einen rechtlichen Anspruch auf die deutsche Staatsbürgerschaft. Von 1949 bis Oktober 2010 wurden 168 881 Menschen wieder eingebürgert.

Die Ausstellung "Menschenschicksale – Die deutsche Staatsangehörigkeit im Dritten Reich" ist noch bis zum 10. Dezember in der Harzsparkasse zu sehen. Meißner: "Wir hoffen, dass sich auch Schüler für dieses Stück Geschichte interessieren."