Wernigerode l Für viele Besucher von Mozarts "Don Giovanni" ist sie der eigentliche Star der diesjährigen Schlossfestspiel-Oper: Die kesse US-Amerikanerin Alison Scherzer steht seit Freitag als das naive Bauernmädchen Zerlina auf der Bühne im Schlossinnenhof. In der Oper überzeugt sie das Publikum mit einer außergewöhnlich klaren Sopranstimme. Doch vor allem ihre facettenreiche Mimik und die humorvolle Darstellung des einfachen Provinz-Mädchens, das zwischen dem eifersüchtigen Verlobten und dem Frauenheld Don Giovanni steht, sichern ihr die Sympathien der Gäste. "Diese Rolle passt perfekt zu mir, deshalb wurde ich auch für die Oper besetzt", sagt sie im Gespräch mit der Volksstimme. "Ich sehe einfach aus wie eine Zerlina und ich bin eine gute Schauspielerin."

Ihre Heimat ist Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota, in Cincinnatti studierte Alison Scherzer, die in ihrer Freizeit gerne strickt, vier Jahre lang Gesang. Ein halbes Jahr verbrachte sie während des Studiums in Wien. Die hübsche Blondine nahm an Musikfestivals im französischen Lyon, italienischen Lucca und im österreichischen Graz teil. "Ich möchte unbedingt Fuß in Europa fassen", erklärt sie. "Es ist zwar schwer, manchmal so weit weg von der Familie zu leben, aber ich liebe das Reisen und ich liebe meinen Beruf."

Seit vergangenem November lebt die 29-Jährige in Berlin. Von den Wernigeröder Schlossfestspielen erfuhr sie durch eine Ausschreibung im Internet. Dass die Amerikanerin - die eigenen Angaben zufolge exzellent pfeift - nicht von Haus aus Deutsch spricht, fiel bei den "Don Giovanni"-Aufführungen kaum einem Besucher auf. Bereits in der Schule lernte Alison Scherzer die deutsche Sprache.

Den Aufenthalt in Wernigerode nutzt die sportliche Sängerin auch, um ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen - und für zahlreiche Fahrradtouren durch Wernigerode und den Harz. "Ich bin jeden Tag unterwegs", verrät sie.