In der Serie "Neue Fassaden - alte Geschichten" stellt die Harzer Volksstimme historisch interessante Häuser in Wernigerode vor. Mit diesem Thema haben sich auch Heimatforscher wie Dr. Uwe Lagatz und Mitarbeiter der Oskar Kämmer Schule, unterstützt von der KoBa, befasst. Ihre Erforschung fließt in die Beschreibungen mit ein. Der Rundgang führt heute zur Marktstraße 17.

Wernigerode. Deutlich älter als vielfach angenommen, ist ein Teil des Gemäuers vom heutigen Hotel "Zur Post", zumindest im Erdgeschoss. Nachweislich wurde dort zwischen 1535 und 1545 ein Wohnhaus errichtet. Bekannt ist auch, dass beispielsweise im Jahr 1626 in dem Haus der Tuchmacher Hans Garchy vom Jürber lebte, später 1761 der Postfahrer Marin Zimmermann, 1794 der Brauer und Branntweinbreuer Johann Philipp Schmidt. Zwischen 1813 und 1861 wohnten dort mehrere Gerber und Lederfabrikanten.

Es folgten von 1886 bis 1897 vier Kaufmannsfamilien, zuletzt Carl Sczesny. Ihm ist zu verdanken, dass sich das Haus der Kaufleute 1897 zum Hotel "Reichspost" wandelte. Der Gastwirt Wilhelm Assmann hatte in jener Zeit das dazugehörige Hinterhaus als ein eigenes Speiserestaurant mit dem Namen "Ritterhöven" eingerichtet. Ein Stück Stadtgeschichte, die genau auf die Straßenlage bezogen war. Vor dem gräflichen Herrenhof, etwa den heutigen Grundstücken Marktstraße 18 bis 20 entsprechend, befanden sich vom frühen Mittelalter an Ritterhöfe. Das Speiserestaurant bestand nur bis 1908. Denn sein eigener Leiter, Wilhelm Assmann, übernahm in jenem Jahr das gesamte Hotel und schloss damit das Restaurant.

Erster Name des Hotels in der Marktstraße 17 war "Reichspost", es folgte darauf der Name "Reichshof". So hieß das Hotel auch, als es zwischen 1943 bis 1945 als Lazarett diente. 1956 war die Familie unter dem Vorwand, die Sperrzeit überschritten zu haben, enteignet worden. Der Beschlagnahmebescheid und die Nachricht, das Haus binnen drei Monaten verlassen zu müssen, erreichte die Eigentümerfamilie damals genau zu Weihnachten. Das Hotel musste sofort geschlossen werden. Es ging in den Besitz der Handelsorganisation (HO) über und. Es wurde kurz darauf in HO-Hotel "Zur Post" umbenannt.

Unmittelbar nach der Wende stellte Rosemarie Schäfer einen Antrag auf Rückübertragung des Familienbesitzes. Zeitgleich wollte es auch Ekkehard Gundlach, der das Hotel damals leitete, pachten. Es dauerte ganze vier Jahre, bis das Haus wieder in den Besitz der Familie Assmann übertragen wurde. Nach Bereitstellung eines Kredits ist der Gebäudekomplex nach historischem Vorbild saniert worden.

Während jetzt das Hotel der Tochter der Assmanns, Rosemarie Schäfer (75), und ihrem Ehemann Ernst (76) gehört, die noch immer dort arbeiten, führt die Enkelin Bettina Schäfer das Hotel mit Restaurant als Pächterin. Sie setzt somit in nächster Generation die lange Wernigeröder Hoteliers-Tradition fort.

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