Der Empfang für die Pflegeeltern in der Vorweihnachtszeit war in diesem Jahr ein besonderer. Seit 20 Jahren engagieren sich Familien dafür, Kindern, die nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können, Geborgenheit, Liebe und Halt zu geben. So nutzte Landrat Michael Ermrich das traditionelle Treffen für einen Rückblick und Ehrungen.

Wernigerode/Silstedt. Er sei sehr gerne gekommen, sagte Michael Ermrich am Freitagabend im Hotel "Blocksberg" in Silstedt. Zumal diesmal Jubiläum gefeiert wurde. Der Landrat erinnerte an den Aufbau des Pflegekinderwesens in Wernigerode, der schon 1990 mit der Schließung des Säuglingkinderheims "Malzmühle" begonnen hatte. Unterstützung fanden er als damaliger Oberkreisdirektor und die Mitarbeiter des Jugendamts beim Nachbarn in Niedersachsen. Die Kreisverwaltung Goslar vermittelte die ersten Pflegefamilien, die Betreuung der Kinder blieb in Verantwortung des Wernigeröder Fachamtes.

1992 lebten bereits 39 Kinder in 36 Pflegefamilien im Altkreis Wernigerode. Ein Jahr später waren es 45 Pflegekinder und damit erstmals mehr Mädchen und Jungen, die in der Obhut einer Ersatzfamilie anstatt in einem Heim lebten. "Kinder brauchen für ihre gesunde geistige und körperliche Entwicklung einen familiären Rahmen, ein Nest", sagte Ermrich. Er hob die Liebe, Toleranz und humanistische Grundeinstellung der Pflegeeltern hervor, die maßgeblich dazu beitragen, dass sie die nicht immer leichte Aufgabe dauerhaft leisten können.

Für die Lobby dieser Mütter und Väter engagiert sich seit 1996 der Verein der Pflegeeltern Landkreis Wernigerode. Von einst 13 Gründungsmitgliedern gehören ihm heute 95 Frauen und Männer an. "Eine ernst zu nehmende Institution", lobte Ermrich die "rasante Entwicklung". Ebenso das ausgewogene und vielfältige Vereinsleben. Dazu gehören Weiterbildungen, Erfahrungsaustausch, die Vorbereitung neuer Pflegefamilien auf ihre Aufgaben, Wanderungen, Spielenachmittage, Kinderweihnachtsfeier und der traditionelle Empfang in Silstedt.

Letzterer eine gute Gelegenheit für den Landrat, im Namen der Verwaltung Dankeschön zu sagen. Ermrich: "Die positive Entwicklung basiert in erster Linie auf das Mitwirken vieler Mitglieder und eines starken Vorstandes." Besonders dankte er dem Vorsitzenden Guido Hanau sowie den Akteuren Kerstin Prautzsch, Ines Frellstedt und Manuela Müller. Außerdem ehrte er jene Mütter und Väter, die seit 20 Jahren Pflegekinder betreuen: Marion und Lutz Durin, Gudrun Bührig, Manuela und Uwe Müller, Manuela und Rainer Richter, Bärbel Hoffmeister, Michaela und Axel Krug, Kerstin und Frank Becker, Sylvia und Bernd Mager, Maria und Jürgen Wolke.