Ilsenburg l Der Arbeitsmarkt im Harzkreis ist trotz des leichten Anstiegs der Arbeitslosenquote stabil. Wesentliche Veränderungen in der Statistik (siehe Grafik) vermeldeten weder Agentur-Chefin Heike Schittko noch KoBa-Leiter Dirk Michelmann am gestrigen Donnerstag auf der Pressekonferenz in Ilsenburg. Dies blieb dem Hausherrn des Veranstaltungsortes vorbehalten.

Die Christiansen Print GmbH Ilsenburg ist bei der Suche nach Fachpersonal einen neuen Weg gegangen. Betriebliche Einzel-Umschulung heißt das Programm, bei dem Arbeitsagentur, IHK, Bildungsträger wie Teutloff, die Ausbildungsfirma und Kooperationspartner - in diesem Fall der Druckmaschinenhersteller - eng zusammenarbeiten. Für Michael Hahn im doppelten Sinne ein Glücksfall.

Der Darlingeröder feierte gestern seinen 45. Geburtstag, wobei sich die Anwesenden einig waren, "dass man ihm dieses Alter wahrlich nicht ansieht", und unterzeichnete bei dem europaweit führenden Unternehmen auf dem PrePrint-Markt einen Umschulungsvertrag. Der gelernte Metallmodellbauer und über Jahre im IT-Service-Bereich Tätige freute sich über die neue berufliche Chance. Seine Umschulung ist auf 28 Monate angelegt und soll mit der Facharbeiterprüfung zum Mechatroniker enden.

"Sicher wird es eine harte Zeit, zumal er als über 40-jähriger Familienvater noch einmal tüchtig die Schulbank drücken muss. Aber, es ist der richtige Weg", sagte Christian Jordan, Betriebsleiter bei der Christiansen Print GmbH. Der richtige Weg auch für das Unternehmen, das bisher nur Medientechnologen Druck ausgebildet habe und den Mangel an Facharbeitern sowie die Zahl offener Lehrstellen "mit Sorge beobachte", so Lars Christiansen. Der geschäftsführende Gesellschafter weiter: "Es spricht sich herum, wenn nicht genügend Arbeitskräfte in einer Region vorhanden sind. Selbst wir hatten überlegt, uns in Polen anzusiedeln."

Deshalb sollte die betriebliche Umschulung als Möglichkeit, "die Lücke bei der Lehrstellenbesetzung zu schließen, genutzt werden", sagte Heike Schittko. "Wir können uns im Harzkreis nicht mehr nur auf die Erstausbildung verlassen", so die Agentur-Chefin. In dieser Hinsicht seien auch ihre Mitarbeiter gefordert. Jeder Arbeitslose, ob 30 oder über 50 Jahre alt, müsse als Einzelfall behandelt werden, um für ihn eine Qualifikation und einen Arbeitgeber zu finden.

Mit Blick auf die 378, noch offenen Lehrstellen fehlen im Harzkreis vor allem Fachleute in der Gastronomie und Hotellerie sowie als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. 300 Bewerber sind noch ohne Lehrstelle. Die meisten von ihnen wollen Verkäufer werden.

Michael Hahn hat seinen Traumberuf, wie er sagt, nun endlich gefunden.