Mit einer Enttäuschung endete für die Mitglieder des Angelsportvereins Oberharz das diesjährige Abfischen an Warmer und Kalter Bode. Der Bestand der Bachforelle hat sich drastisch reduziert.

Königshütte. "Wir stehen praktisch mit leeren Händen da", so fasst Uwe Müller, stellvertretender Vorsitzender des Angelsportvereins Oberharz das Ergebnis des diesjährigen Abfischens an Kalter und Warmer Bode in Königshütte zusammen.

Ziel der Aktion war es, Laich zu gewinnen, um die für diese Gewässer so typische Harzer Bachforelle zu erhalten. Diese ist übrigens nicht mit der weitverbreiteten Regenbogenforelle zu verwechseln. Dabei bedienen sich die Angelsportler der besonderen Methode des Elektrofischens (die Harzer Volksstimme berichtete). Dabei werden die Fische durch einen schwachen elektrischen Strom betäubt, aber nicht getötet. Die Fischer entnehmen den betäubten Tieren das Laichmaterial und züchten in einer eigenen Anlage an der Warmen Bode in Königshütte Jungsfische heran, die sie in den Flüssen wieder aussetzen.

Für den Ausbau dieser eigenen Zuchtstation hatte der Verein vor einigen Jahren Fördergeld in Höhe von damals 54 000 DM erhalten. "Der Erhalt der Harzer Bachforelle ist nämlich unser wichtigstes Vereinsziel", erklärt der Vorsitzende Ulrich Kaiser.

Nun die böse Überraschung: "Ganze zwei Forellen, die laichfähig sind, haben wir noch vorgefunden", stellt Uwe Müller fest. Das habe sich schon zuvor angedeutet, so der zweite Vereinsvorsitzende: Der "Vogel des Jahres" der Kormoran, habe in den Wintermonaten 2010 stolze 90 Prozent des Fischbestandes in den Gewässern aufgefressen. Damit sei ihr Ziel in Gefahr, die Bachforelle im Harz zu erhalten, und sogar die ehrenamtliche Arbeit der zurückliegenden zehn Jahre zunichte gemacht, beklagen die Angler.

Dabei sei viel Geld aus den Vereinsbeiträgen der Mitglieder in diese ehrenamtliche Arbeit geflossen, stellen die Vorstandsmitglieder fest. Nicht nur das Gerät zum Elektrofischen sei teuer, es müsse auch besondere Schutzkleidung ("Wathosen") angeschafft werden und nicht zuletzt müsse jede derartige Aktion von der oberen Fischereibehörde genehmigt werden. Auch hier sparen die Oberharzer Fischer nicht mit Kritik: "Wir haben bereits im Mai einen Antrag gestellt, aber erst wenige Tage vor dem Abfischen einen Bescheid bekommen", so Uwe Müller. Und: "wäre der Bescheid früher gekommen, hätten wir vielleicht noch auf andere Gewässer ausweichen können."

Ingo Braitmaier, zweiter Vorsitzender der Elbingeröder Angler, kritisiert die für ihn zu weit gehende Unterschutzstellung des Kormorans, wie sie zum Beispiel vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) durchgesetzt wurde.

Innerhalb von zwei bis drei Jahren sei der Bestand dieser Vögel, die im Harz vor allem an der Rappbode-Talsperre beheimatet sind, von etwa fünf auf rund 25 angestiegen. Ursprüngliches Verbreitungsgebiet der Kormorane sei in Deutschland die Ostseeküste gewesen. Dann seien sie aber weiter in das Landesinnere gezogen. "Außer dem Seeadler haben sie keine natürlichen Feinde", erläutert Braitmaier. Die Vögel seien "Feinschmecker" und hätten es besonders auf die Forellen abgesehen.

"Ehrenamtlicher Einsatz wird nicht ernst genommen"

Allerdings dürfe der Kormoran inwischen wieder bejagt werden. Davon würden die Jäger aber wenig Gebrauch machen, so der Angelsportler.

Um ihr Schutzziel für die Bachforelle zu erreichen, würden die Oberharzer Angler gerne weitere Gewässer an Hassel und Rappbode pachten, stoßen dabei jedoch an Grenzen: "Anträge, die ich an die Stadt Oberharz am Brocken gestellt habe, wurden bisher nicht beantwortet", bedauert Müller.

"In meinen Augen wird der ehrenamtliche Einsatz der Angler für den Erhalt der Bachforelle nicht sehr ernst genommen", so sein Eindruck. Und: "Wir investieren sehr viel Zeit in diese Vereinsarbeit."Übrigens