Das Kloster Michaelstein ist drei Tage lang wieder das Mekka von Musikwissenschaftlern, Restauratoren, Akustikern, Musikern und Instrumentenbauern aus aller Welt. Das diesjährige Thema der 38. Wissenschaftlichen Arbeitstagung und des 31. Musikinstrumentenbau-Symposiums rankt sich um die Viola da gamba.

Blankenburg (jmü). "Es ist ein bisschen wie im Jurassic Park, wo aus dem Erbgut längst ausgestorbener Wesen neues Leben entsteht", beschreibt Paolo Pandolfo, einer der renommiertesten Gambisten unserer Zeit, die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit "seinem" Instrument: der Viola da gamba, oft nur Gambe genannt. Mehr als 40 Musikwissenschaftler, Restauratoren, Akustiker, Instrumentenbauer und natürlich Musiker aus ganz Deutschland, aus Belgien, Frankreich, Italien, den USA, Schweiz, Österreich und England waren dem Ruf zur neuerlichen Wissenschaftlichen Arbeitstagung und dem parallel angebotenen Instrumentenbau-Symposiums des Klosters Michaelstein gefolgt.

An drei Tagen widmen sich die hochkarätigen Gäste der Forschung und der historischen Aufführungspraxis, wobei Kultus-Staatssekretär Winfried Willems in seiner Begrüßung gestern Vormittag nicht umher kam, die Bedeutung Michaelsteins als internationale Forschungsstätte hervorzuheben. "Es ist schon überraschend, auf welche hochrangigen und interessanten Werke man hier stößt. Der Auftakt der Konferenz dokumentiert das nachhaltig", so Willems, der unter anderem auf den Komponisten Carl Friedrich Abel verwies. Abel war ein Gambenvirtuose des 18. Jahrhunderts, der in Köthen und Dresden wirkte und später als Kammermusiker der englischen Königin Charlotte in London.

Musikalisch eröffnet wurde die Arbeitstagung allerdings mit einem Stück von Johann Friedrich Ruhe, der 1699 in Halberstadt geboren wurde und unter anderem in Braunschweig, Wolfenbüttel und als Kapellmeister im Magdeburger Dom wirkte. Leider sind von ihm nur wenige Werke erhalten geblieben.

Brillante Gambisten

"Eher süß und bezaubernd als kunstvoll", so soll sie um 1500 geklungen haben: die Viola da gamba. Während ihr lieblicher und sanfter Ton über die Jahrhunderte hinweg als charakteristisches Merkmal hervorgehoben wird, entwickelte sich im Laufe der Zeit auch eine gambistische Virtuosität und damit verbunden ein anspruchsvoller polyphoner Consortstil sowie technisch hochstehende Solomusik. In der Wende zum 17. Jahrhundert tauchten zudem bedeutende Gambenvirtuosen auf, die als Solisten von einem begeisterten Publikum gefeiert wurden.

Brillante Gambenspieler sind ebenfalls heute Abend im Kloster Michaelstein zu erleben. Unter dem Titel "O wie lieblich und süß rührend" greifen Paolo Pandolfo, Guido Balestracci, Richard Sutcliffe, Amélie Chemin, Tina Chancey und Robert Smith zu Instrumenten der unterschiedlichsten Größen, Stimmungen und Formen und entlocken ihnen diese lieblichen und süß-rührenden Töne. Auf dem Programm stehen Werke von Schaffrath, Schiedermayr, Weisnit, Haydn, Carl Friedrich Abel, Barthélémy de Caix und Georg Friedrich Händel. Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr im Refektorium.

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