Nach dem Auszug der Polizei im Halberstädter Arbeitsamtsgebäude regt sich dort dieser Tage wieder Leben. Handwerker machen die 20 Jahre alte Immobilie fit für den Umzug der Kreisverwalter.

Halberstadt l Trockenbauer lassen aus kleinen Büros größere Seminarräume werden. Dutzende Meter lange gelbe Kabel künden davon, dass die Computerausrüstung im Gebäude modernisiert wird. Sorgsam auf dem Fußboden zusammengelegte Umzugkartons verraten, was der Grund für diese Arbeiten im mächtigen Halberstädter Arbeitsamtsgebäude ist: Die Harzer Kreisverwaltung lässt das Gebäude für ihre Ämter und Behörden herrichten.

Im Frühjahr ist die Kreisverwaltung Eigentümerin des massigen Büroklotzes geworden. Für rund 6,5Millionen Euro gab es dafür nicht nur ein Gebäude, das mit der Schwanebecker Straße14 und der Theaterstraße6 gleich zwei Postanschriften aufweist, sondern auch jede Menge großzügige Flure, Freiflächen und obendrein 20000Quadratmeter Nutzfläche, vorzugsweise für Büros.

Die Arbeitsagentur bleibt als Mieterin dort. Neu und zur Miete eingezogen ist die kommunale Beschäftigungsagentur, die für die von Hartz-IV-Betroffenen zuständig ist.

"Die Konzentration der Verwaltung ist ein Gesamtkunstwerk."

Michael Leja, Amtsleiter

Im Volksstimme-Gespräch stellen Carola Kalks-Gebhardt und Michael Leja, in der Kreisbehörde für Liegenschaften zuständig, die aktuellen Umzugsplanungen vor. Ziel des gesamtes Projekts bleibe, die Ämter am Kreissitz zu konzentrieren, betont Leja. Es gehe dabei nicht um ein bloßes Stühlerücken in Quedlinburg oder Wernigerode, auch der aktuelle Behördenzuschnitt in Halberstadt komme erneut auf den Prüfstand. Michael Leja: "Die Konzentration der Verwaltung ist ein Gesamtkunstwerk." Es reiche nämlich nicht aus, umzuziehen, des Umziehens willen, "wir wollen außer der gewollten Konzentration auch eine höhere Effektivität", machte der Amtsleiter für die Gebäudeverwaltung deutlich.

Wer ab Januar den Eingang in der Theaterstraße benutzt und nach links geht, wird dort die Halberstädter Kreisvolkshochschule finden. Das bisher genutzte Gebäude in der Friedensstraße soll verkauft werden.

Das Agenturgebäude wird zudem die für den gesamten Harzkreis zuständige Medienstelle aufnehmen, die die Schulen versorgt. Die Standorte in Wernigerode (dort in der Kurtsstraße) und Quedlinburg werden ab Januar überflüssig.

Der Arbeitsamts-Kauf sei auch deshalb erfolgt, so Leja, weil man relativ schnell relativ viel Personal nach Halberstadt holen könne. Betroffen davon sind vor allem die Mitarbeiter des Jugend- und Sozialbereiches sowie jenes für Schule und Bildung, die mit der Dezernatsleitung noch in Wernigerode ihren Sitz haben. Zunächst würden rund 85Beschäftigte aus dem Sozialamt nach Halberstadt ziehen, in die zweite und dritte vormals von der Polizei genutzte Etage.

Damit werden Räume im Wernigeröder KreishausI frei und ebenso jene, die im dortigen Arbeitsamt gemietet sind, informiert Carola Kalks-Gebhardt, die die Arbeitsamt-Projektgruppe leitet.

In einem zweiten Schritt - nach Stand der aktuellen Überlegungen im Mai/Juni kommenden Jahres - sollen mit der Leitung des Dezernates um Ulrich Senge auch das Schulverwaltungsamt, das Jugendamt und der Halberstädter Bereich des Gesundheitsamtes in das Agenturgebäude umziehen, so Kalks-Gebhardt. Damit würde ab Sommer das Verwaltungsgebäude am Wernigeröder Nicolaiplatz, einst Wehrkreiskommando, ebenso zum Verkauf stehen.

"Die Besucherinformation am Eingang werden wir wieder aufbauen."

Carola Kalks-Gebhardt, Projektleiterin

Rund 200000Euro kosten die Sanierungsarbeiten für den ersten Bauabschnitt. Laut Kalks-Gebhardt werden die dann folgendenden Umbauarbeiten bis zu 500000Euro kosten. Inklusive des Wiederaufbaus einer Besucherinformation am Eingang von der Schwanebecker Straße aus, blickt die Sachgebietsleiterin voraus.

Die Behördenkonzentration in Halberstadt bedeutet für Quedlinburg, Ämter im Gebäude Mummental zu konzentrieren, um das Gebäude am Schiffbleek verkaufen zu können. Zu den Überlegungen zähle laut Leja auch, die Mitarbeiter des Kreis-Umweltamtes in einem Halberstädter Gebäude in der Friedrich-Ebert-Straße zu konzentrieren, die dezentralen Ämterstandorte in der Kreisstadt schrittweise aufzugeben.

Übrigens, mit dem Gebäudekauf hat die Kreisverwaltung auch eine Kantine und die Tiefgarage mit 143Parkplätzen erworben. Diese bleiben künftig für Besucher tabu. Stattdessen, so Michael Leja, gibt es Überlegungen, den benachbarten früheren Halberstädter Busbahnhof zu kaufen und dort einen Parkplatz zu errichten. Auf auf jenen Flächen, die dort noch immer deutlich als Bussteige zu erkennen sind.

 

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