Wenigerode/Schierke. Am altehrwürdigen Hotel "Heinrich Heine" nagt der Zahn der Zeit. Das einstige Schierker Vorzeigeobjekt steht seit 18 Jahren leer. Das Dach ist undicht, Feuchtigkeit ist über Jahre ins Gebäude eingedrungen. Die Nässe hat das Mauerwerk aufgeweicht. Schimmelpilze haben sich eingenistet. Einige Decken und Wände sind eingebrochen.

Vor Kurzem ist wieder Leben in die Hotelruine eingekehrt. Vorübergehend. Bauarbeiter flicken notdürftig das Dach, räumen Schutt aus dem Gebäude. Einsturzgefährdete Bereiche werden gesichert. Die Stadtverwaltung, die das Haus samt 25.000 Quadratmeter großem Grundstück im Juli für 144.850 Euro ersteigerte, hat die Arbeiten in Auftrag gegeben. Sie sollen vor dem Wintereinbruch erledigt sein, um das Gebäude vor weiteren Schäden zu bewahren. 73.000 Euro sind dafür eingeplant. Die Kosten werden vom Land übernommen.

Die Landesregierung habe großes Interesse daran, das Haus zu retten und alle Möglichkeiten zur Rekonstruktion zu nutzen, hatte Baudezernent Burkhard Rudo schon vor Wochen gegenüber der Volksstimme erklärt. Ziel des Ortsentwicklungskonzeptes sei es, neue moderne Attraktionen in Schierke zu schaffen und gleichzeitig ein Stück historische Identität des Brockenorts zu bewahren.

Das Geld stammt aus dem Förderprogramm Stadtumbau Ost, war eigentlich für die Sicherung der Häuser in der Marktstraße 27/29 vorgesehen und wurde 2013 nicht verwendet. Über die Umschichtung der Summe musste kürzlich der Stadtrat entscheiden.

"Das \'Heine\' gehört zu den bedeutendsten Hotels im Ort", wandte sich Schierkes Bürgermeisterin Christiane Hopstock (CDU) in einem Brief an die Stadträte. Es präge nach wie vor die Identität des Dorfes. "Wenn die Chance besteht, Teile des Gebäudes zu erhalten, sollten wir sie ergreifen."

"Wir sollten uns nicht von persönlichen Erinnerungen leiten lassen."

Thomas Schatz, Linke-Stadtrat

"Der Finanzausschuss hat gegen die Sicherungsarbeiten gestimmt", informierte Thomas Schatz (Linke). Die Stadt habe das Grundstück gekauft, um es gewinnbringend zu veräußern, so der Ausschusschef. Von der Sanierung des Hotels sei nie die Rede gewesen. "Wir sollten uns nicht nur von persönlichen Erinnerungen leiten lassen. Ich befürchte, wir ziehen uns hier das nächste Großprojekt auf den Tisch, das uns teuer zu stehen kommen kann", warnte Schatz.

"Es liegt nicht in unserem Interesse, das ¿Heine\' zu sanieren", entgegnete Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos). "Ein Gutachter hat uns bestätigt, dass Teile der Konstruktion erhalten werden können. Diese wollen wir sichern." Die Stadt erhoffe sich dadurch, schneller einen Investor für das Grundstück zu finden - jemanden, der die historischen Gebäudeteile in einen neuen Hotelkomplex integriert.

Es gehe doch lediglich um die technische Abwicklung der Finanzierung, warf Siegfried Siegel (SPD) ein. Nun sei Eile geboten, um das zu retten, was zu retten ist. - "Der Stadtrat kann das Wetter nicht beschließen", meldete sich André Weber (CDU) zu Wort. "Wir haben Dezember. Der Winter steht praktisch vor der Tür. Ich fürchte, die Arbeiten können gar nicht mehr umgesetzt werden." Auch sein Parteikollege Reinhard Wurzel meldete Zweifel an. "Ein paar Tage bleiben uns noch für die Dachsicherung", entgegnete Baudezernent Burkhard Rudo. Die anderen Arbeiten im Gebäudeinneren könnten witterungsunabhängig erfolgen.

"Das Projekt kann man nur unterstützen", sagte Michael Wiecker (CDU). Der Konditor hatte in den 1970er-Jahren selbst in dem Hotel gelernt. "Wir brauchen das Mittelstück des Gebäudes, um das zukünftige Hotel wieder ¿Heinrich Heine\' nennen zu können." Für potentielle Investoren sei es wichtig zu sehen, dass die Stadt Interesse an dem Objekt zeigt.

"Ich frage mich, woher ein verschuldetes Land wie Sachsen-Anhalt so viel Geld hat", fragte Renate Goetz. Es sei nicht richtig, Steuergelder zum Fenster \'rauszuwerfen, kritisierte die CDU-Stadträtin. "Die Summe sei gut angelegt", entgegnete Siegfried Siegel. Und Martina Tschäpe (SPD) ergänzte: "Wenn wir jetzt auf das Geld vom Land für Schierke verzichten, wäre das auch kein guter Umgang mit Steuergeldern."

Die Mehrheit stimmte für die Umschichtung der 73 000 Euro und damit für die Sicherung der Heinrich-Heine-Ruine.

   

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