Auch in diesem Jahr hat die Handwerkskammer Magdeburg ihre "Goldenen Meister" geehrt. Zu jenen, die vor 50 Jahren ihre Abschlussprüfung bestehen konnten, gehört Horst Werner aus Minsleben. Nach längerer Abstinenz hat der Bäcker gerade seine Liebe zum einstigen Beruf privat wiederentdeckt.

Minsleben. Horst Werner hat nicht nur seinen Beruf als Bäckermeister an den Nagel gehängt. Auch privat wollte er eigentlich kaum noch etwas mit Teig und Kuchenblech zu tun haben. Der Grund für diese fast vollständige Abstinenz von seiner früheren Tätigkeit ist Ehegattin Ilse, die gern Kuchen kreiert und ihn deshalb nur selten in die Küche lässt. Vor etwa zwei Monaten übermannte ihn aber wieder die Lust am Backen und ein leckerer Pflaumenkuchen entstand. Auch jetzt in der Adventszeit entdeckt der Minslebener aufs Neue seine Freude an der Weihnachtsbäckerei.

Erst 2008, mit 74 Jahren, schied der gebürtige Benn-eckensteiner aus dem Berufsleben aus. Sein letzter Arbeitgeber, für den er zwischen 1990 und 2009 im Außendienst tätig war, wollte ihn eigentlich gar nicht gehen lassen. Horst Werner: "Es war meine Frau, die mich drängte. Es ist nun genug, hatte sie entschieden." Der Meister beugte sich und erhielt zum Abschied eine Goldmünze. Für dieses Unternehmen habe er etwa 1500 Bäckereien in ganz Deutschland aufgesucht, sie beraten und Rohstoffe verkauft, berichtet er.

Solch eine lange Tätigkeit hatte Horst Werner eigentlich nicht geplant. Nach der Lehre in der heute nicht mehr existierenden Benneckensteiner Bäckerei Humm/Wedler kamen auf ihn immer wieder neue Herausforderungen zu. "Etwa so aller zehn Jahre", wie er resümierte, als ihm jetzt während einer festlichen Veranstaltung der Handwerkskammer Magdeburg der "Goldene Meisterbrief" überreicht wurde.

Nach der Lehre, die Werner 1949 begann und wegen sehr guter Leistungen bereits nach zweieinhalb Jahren 1952 vorzeitig beendete, wechselte er in die Wernigeröder Bäckerei Grothe. "Diese Zeit ist mir noch in guter Erinnerung", so der Senior. "Gerade in den Wochen vor Weihnachten herrschte damals Hochbetrieb", weiß er noch sehr genau. Die Hausfrauen brachten Schüsseln mit selbst gemachtem Teig, der von ihm und seinen Kollegen zu Stollen geformt und abgebacken wurde. Anfang der 50er Jahre wurde diese allseits beliebte "Hausbäckerei" aus hygienischen Gründen verboten.

Horst Werner war gerade einmal 20 Jahre alt, als er am 5. April 1955 mit Erfolg die Meisterprüfung ablegte. Ein Jahr später wurde er Konditorenmeister der volkseigenen Industrie und arbeitete zunächst als Produktionsleiter bei HO-Backwaren. Es folgte die Leitung der HO-Stieleisproduktion an der Schönen Ecke in Wernigerode. Werner: "Dort arbeiteten bis zu zehn Frauen im Zwei- und Dreischichtbetrieb."

Von 1960 bis 1963 drückte Horst Werner erneut die Schulbank. In Dippoldiswalde ließ er sich zum Ingenieur der Leicht- und Lebensmittelindustrie ausbilden. Es folgten Tätigkeiten als technischer Leiter im HO-Backwaren, der später in VEB Backwaren umbenannt wurde. Von 1970 bis 1979 war der Meister Betriebsleiter der Konsum-Großbäckerei Halberstadt. Anfang 1980 folgte die berufliche Selbständigkeit. Von 1980 bis 1989 züchtete er zudem in der Wernigeröder Ringstraße Champignons, vorwiegend für heimische Gaststätten.