Braunlage/Wernigerode. In Schierke soll ein hochmodernes Eisstadion mit blattförmiger Überdachung entstehen. Baustart für die "Pringles"-Arena ist bereits Ende 2014. Bis ins fünf Kilometer entfernte Braunlage sind diese Pläne bislang nicht durchgedrungen. Die dortige Tourismus GmbH kündigt Gesprächsbedarf an - denn sie betreibt bereits ein Eisstadion, das nicht kostendeckend arbeitet.

Für 6 MillionenEuro Baukosten planen Berliner Architekten in Schierke derzeit ein modernes Eisstadion mit spektakulärer Dachkonstruktion, das im Volksmund seiner Chips-ähnlichen Form "Pringles"-Arena genannt wird. Der Startschuss für den Bau der neuen Anlage soll Ende 2014 fallen. Betrieben werden soll sie von der Wernigerode Tourismus GmbH - möglicherweise in Kooperation mit einem privaten Investor.

Ratschläge für die Vermarktung des künftigen Schierker Eisstadions könnten sich die Wernigeröder Tourismus-Experten bei ihren Kollegen in Braunlage einholen. Die dortige Tourismus GmbH betreibt bereits seit 1974 ein Eisstadion - nur fünf Kilometer Luftlinie entfernt von Schierke.

In Braunlage weiß man aber bislang nichts vom Eisstadion-Projekt im Nachbarort. Auch dass das Vorhaben mittlerweile sehr konkrete Formen angenommen hat - die Wernigeröder Stadträte haben Planungskosten über 345.000Euro abgesegnet - ist mit den Partnern in Braunlage bisher nicht besprochen worden.

"Wir streben zwar Kooperationen mit Nachbar-Urlaubsorten an, aber ein ähnliches Projekt in 15Kilometern Entfernung ist problematisch", sagt Christian Klamt. "Ich kenne die Pläne aus Schierke bisher nicht." Deshalb könne er nicht beurteilen, wie groß die Überschneidung beider Angebote wäre.

Der Chef der Braunlage Tourismus GmbH begrüßt derweil, dass die Initiative zur Ortsentwicklung Schierkes fruchtet. Allerdings, so betont er im Volksstimme-Gespräch, sollte man sich insbesondere beim Thema Eisstadion zusammensetzen. Klamt: "Im Harz - eine der wenigen länderübergreifenden Tourismus-Destinationen - sollten wir ein wenig darauf achten, dass gleichartige Freizeitstrukturen vermieden werden. Fehler, wie beim Bau der vielen Freizeitbäder, sollten in Zukunft nicht weitergeführt werden."

"Der öffentliche Lauf ist nicht mehr so attraktiv wie vor 20 Jahren."

Die Braunlage Tourismus GmbH kann als Betreiber und Eigentümer jahrzehntelange Erfahrungen mit Eisstadien vorweisen. Gut 30.000Menschen besuchen im Jahr das Stadion, um übers Eis zu schlittern. "Der öffentliche Lauf ist nicht mehr so attraktiv wie vor 20 Jahren", weiß Christian Klamt. So seien die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren stagniert. 3,50 Euro kostet der Eintritt einen Erwachsenen für zwei Stunden. Möglich ist das Schlittschuhlaufen in Braunlage das ganze Jahr über, denn mit dem Kältemittel Ammoniak wird Kunsteis erzeugt.

"Bis auf drei Monate, die für Wartung, Instandhaltung und Reparaturen reserviert sind, ist die Halle durchgehend geöffnet", sagt Christian Klamt. Stolz ist er besonders darauf, dass die Halle selbst im Sommer durchweg vermietet und genutzt werden konnte. Dann, wenn die Kälteanlagen im Dauerbetrieb und auf Hochleistung laufen, finden Eiskunstlauf-Seminare, Trainingslager und Eishockey-Camps für Nachwuchssportler statt. Eine Besonderheit sind die Maße der Halle: Auf der 30 mal 60 Meter großen Fläche dürfen professionelle Eishockey-Spiele ausgetragen werden.

Die heimische Mannschaft, die Harzer Falken (früher Harzer Wölfe) nutzt das Stadion mehrmals pro Woche zum Training.

"Selbst modernste Anlagen erreichen selten eine Kostendeckung."

Ein Alleinstellungsmerkmal sieht Christian Klamt in der "hervorragenden Qualität des Kunsteises", für die seit über 20 Jahren Eismeister Uwe Bartels sorgt. Neben ihm beschäftigt die Braunlage Tourismus GmbH zwei weitere festangestellte Mitarbeiter in der Schlittschuhe-Ausleihe. In der Hauptsaison werden sie von Aushilfen unterstützt.

In einem Punkt macht das Braunlager Eisstadion keine Ausnahme - wie nahezu alle Eisstadien in Deutschland wird auch diese Anlage nicht kostendeckend betrieben. "Wenn wir mit anderen Betreibern von Eisstadien sprechen, hören wir immer wieder, dass es heutzutage immer schwieriger wird", sagt er. "Selbst modernste Anlagen erreichen selten eine Kostendeckung."

Das Stadion wird aber in Braunlage laut Klamt mit den Einnahmen aus der Kurtaxe und den Gewinnen der anderen Unternehmen der Tourismus GmbH mitfinanziert.

Sein Unternehmen, so erklärt er, schreibt übrigens seit Jahren schwarze Zahlen, ist nicht auf Unterstützung der Kommune angewiesen.