Das Märchen "Frau Holle" wird dieser Tage gleich in mehreren Orten der Region aufgeführt. Wie passend – wollte es doch gar nicht aufhören zu schneien. Und während alle Radiosender nach massenhaften Glätteunfällen fast mehr Verkehrshinweise als Musik senden, können wenigstens die Kinder der weißen Pracht eine Menge abgewinnen. Nicht nur, aber auch in Stapelburg.

Ilsenburg/Stapelburg. Donnerstag früh um 4 Uhr. Arbeitsbeginn für die zwölf Beschäftigten plus "Zivi" des Ilsenburger Bauhofes. Normal, wenn es die Wetterlage erfordert. Mehr als drei Stunden vor dem Sonnenaufgang ist auch die Ilsestadt in ein tiefes Weiß gehüllt. Während noch kaum jemand auf der Straße ist, zucken bereits die gelben Rundumleuchten der Räumfahrzeuge im dichten Flockenwirbel. Und ein Ende ist bis zum Morgengrauen nicht absehbar. Im Gegenteil. Bauhof-Mitarbeiter Peter Schmidt weiß bereits zu Beginn seiner Schicht, dass die nächste "Schneepackung" für den Nordharz bereits im "Anmarsch" ist.

Angefangen mit dem Schneeschieben wird in der sogenannten "Kategorie A" – im Bereich von Ilsenburgs Hanglagen, also die Waldhöhen-, Schloßstraße oder auch im Großen Garten. Unterdessen ist im neuen Salzlager in der alten Turnhalle der Friedensstraße vorgesorgt worden.

"Ärgerlich, 20 Minuten für fünf Meter"

Auf Paletten sind dort gegenwärtig 24 Tonnen Streugut, in Säcken verpackt, eingelagert. Optisch scheint es viel, aber im Falle einer wochenlangen Frostperiode dürfte der Bedarf schneller wieder knapp werden, als es manchem lieb ist. Die Erinnerung an jene Engpässe von 2009 sind noch allen Bauhof-Mitarbeitern in Erinnerung.

5.45 Uhr: Der 62-jährige Hans-Joachim Witteweg beginnt Ilsenburgs Hirschapotheke freizuschaufeln. Fast drei Stunden wird er damit beschäftigt sein. Schwacher Trost: "Ich habe in Ilsenburg Kinderjahre erlebt, da war der Schnee noch sehr viel höher!" Diese Gelassenheit bringt ein Trucker vor einem Ilsenburger Supermarkt nicht mehr auf. Der Parkplatz, auf dem er samt Anhänger festsitzt, ist nahezu ohne Gefälle. Trotzdem drehen die Räder durch. Der Bernburger Fahrer scheinbar gleich mit: "So ein Mist! 20 Minuten für fünf Meter!" Und während er den Parkplatz unter seinen Reifen in eine Eisbahn verwandelt, springt er immer wieder laut fluchend aus dem Fahrerhaus. Der Tag hat noch gar nicht richtig begonnen. Da ist sein Zeitplan schon zur Makulatur geworden. Gleich gegenüber kurvt Chris Schäffner kurz nach 6 Uhr mit seinem Quad samt Schiebeschild über den Bürgersteig: "Ich helfe damit auch gleich meinem Nachbarn." Schneeräumen kann sogar Spaß machen. Gut möglich, dass er an diesem Morgen als einziger so denkt.

9.30 Uhr. Die Igelgruppe der Stapelburger Kindertagesstätte "Spatzennest" kann es gar nicht erwarten, sich draußen im Schnee zu tummeln. Binnen weniger Minuten ist die bunte Schar der Drei- und Fünfjährigen in ein einheitliches Weiß gehüllt. Lauter kleine "rodelnde Eskimos"! Winterlust und Winterfrust wieder mal dicht beisammen. Alles, wie gehabt. Hauptsache, die weiße "Pracht" reicht auch noch für Weihnachten.

 

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