Am Freitagabend des 26. November fiel im Essener Vorstand von ThyssenKrupp eine einschneidende Standort-entscheidung. Kurz darauf wühlten sich im Ilsenburger Gewerbegebiet Ellerbach bereits die Bagger durch die Erde. Es war der Startschuss für den Bau der sechsten Produktionshalle, in der bereits ab Mai 2011 produziert werden soll.

Essen/Ilsenburg. In Salzgitter Bad hatte es gleich zwei mögliche Standorte für die neue Produktionshalle von ThyssenKrupp Presta gegeben. Hinzu kam ein dritter in Haldensleben. Ende November entschied sich der Essener Vorstand dann doch für Ilsenburg. Ganze drei Tage später, dazwischen lag lediglich das Wochenende, rollten im Gewerbegebiet Ellerbach bereits die Bagger an. Für die Fläche von insgesamt 7300 Quadratmetern hatte sich das Unternehmen schon vor Jahren eine Option gesichert. Faktisch über Nacht bekam diese ihren ganz praktischen Nutzen.

Die Rede ist von einer Investition in Höhe von insgesamt 20 Millionen Euro, so Berater Herbert F. Schneevoigt gestern auf Volksstimme-Nachfrage. Das Land Sachsen-Anhalt und die Europäische Union fördern das Projekt mit insgesamt 35 Prozent.

Auf die im Moment nicht wirklich grüne Wiese baut der Konzern seine inzwischen sechste Produktionshalle. Sie wird mit dem benachbarten Gebäude direkt verbunden. Dabei wird auch die Zufahrt zu dem Unternehmen verlegt und mit einem kleinen Empfangsgebäude versehen.

In der neuen Halle produziert ThyssenKrupp Presta ausschließlich sogenannte gebaute Nockenwellen für die unterschiedlichsten Fahrzeugtypen in ganz Europa, aber auch für Hersteller in Südafrika, China und Südamerika.

"Suchen Personal vornehmlich aus unserer Region"

"Mindestens 150, wahrscheinlich werden aber sogar bis zu 170 neue Arbeitsplätze mit diesem Hallenbau entstehen" ergänzt der als Berater für den Konzern tätige Herbert F. Schneevoigt. Dabei werden insbesondere Mechatroniker oder Mechaniker, Dreher und Werkzeugmacher aus der Region gesucht. Ab Januar wolle der Konzern Arbeitskräfte per Annoncen anwerben.

Eine Schlüsselrolle nehme dabei allerdings auch das Wernigeröder Bildungswerk Teutloff ein. Dort werde bereits seit langem Nachwuchs für das eigene Unternehmen ausgebildet. Ein gewisser Teil dürfte auch über die Arbeitsagenturen vermittelt werden. Schneevoigt: "Wir suchen vornehmlich qualifiziertes Personal aus dem Bereich zwischen Goslar, Ilsenburg und Wernigerode, also aus dem gesamten Harz, bis hin nach Magdeburg." Nur für den Fall, dass es in dieser Region nicht ausreichend qualifiziertes Personal gäbe, würde bundesweit gesucht.

"Ab Mai sind wir erstmals die Nummer eins"

Der Zeitplan bis Mai sei außerordentlich eng gestrickt. Zu einem Teil würden die neuen Maschinen bei den Produzenten bereits jetzt schon auf ihre Abholung warten. "Diese Investition ist ein unverkennbares Indiz dafür, dass Ilsenburg von dem weltweiten Boom und den um bis zu 20 Prozent gestiegenen Aufträgen direkt profitiert", so der 70-Jährige.

Insgesamt beliefert das Unternehmen vom Standort Ilsenburg aus weltweit 17 Motorenwerke mit Nockenwellen. Mit der jetzigen Investition steige die Zahl der Beschäftigten von rund 500 auf dann 670 Mitarbeiter: "Damit liegen wir ab Mai noch vor dem Walzwerk, hinsichtlich der Zahl der Arbeitsplätze und sind erstmals die Nummer eins am Standort".

"Mit Halle sieben landen wir an unserem Zaun."

Schneevoigt wartet darüber hinaus gleich mit noch einer weiteren faustdicken Überraschung auf. Denn unabhängig von der jetzt zu bebauenden Fläche von 7300 Quadratmetern bleiben immer noch weitere 3000 übrig.

Diese Fläche werde ab 2012/13 ebenfalls überbaut. Auch darauf soll eine neue Produktionshalle für die Fertigung von Nockenwellen entstehen: "Noch im Jahr 2013 landen wir also an unserem Zaun. Da geht dann erstmal nichts mehr". Schneevoigt: "Mit dieser Investition ist dann jedoch die zur Verfügung stehende Fläche in Ilsenburg rund um das Werk komplett ausgeschöpft."

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