Die Bahnhofsmission im Internet

Halberstadt/Wernigerode l "Unerhört", so heißt das neue Programm von Clemens Bittlinger. Am Freitag, 10. Juli, um 20 Uhr wird es gleich eine zweifache Premiere in Halberstadt geben: das erste Open-Air-Konzert nach der Wende im Kreuzgang des Halberstädter Doms und Clemens Bittlinger mit seinem Konzert "Unerhört" erstmals in den neuen Bundesländern.

Vielfältige Musikstile

"Typische Liedermacher-Stücke, irische Klänge, lateinamerikanische Elemente, Rock und sogar Rap - vielfältiger kann es kaum bei einem Konzert musikalisch zugehen", so Constantin Schnee erfreut. Der Leiter der Halberstädter Bahnhofsmission ist nach eigenem Bekunden ein Bittlinger-Fan. Humoristische Einlagen finden in diesem Konzert ebenso einen Platz wie nachdenkliche Töne, politische Statements und Glaubensfragen.

Bittlinger beweist Entertainer-Qualitäten, und der 55-jährige Pfarrer wird in Halberstadt von musikalisch exzellenten Profis begleitet. David Kandert übernimmt neben der Percussion auch den Hintergrundgesang. Helmut Kandert wird für den passenden Rhythmus am Schlagzeug sorgen, und der Schweizer David Plüss ist mit Keyboard und Akkordeon dabei. Zwölf komplett neue Songs werden eingerahmt von bekannten Liedern wie "Es gibt Menschen", "HabSeligkeiten", "Aufstehen" und "Sei behütet".

400 Karten stehen zum Verkauf

"Wir sind froh, die evangelische Kirchengemeinde Halberstadt als Veranstalter gewonnen zu haben", sagt Constantin Schnee. Der Kreuzgang des Halberstädter Doms sei ein wunderbares Ambiente für solch ein Konzert. 400 Karten sind gedruckt und können in Halberstadt bei der Buchhandlung Schönherr oder an der Abendkasse erworben werden. Ein Teil des Erlöses kommt dem Dienst der Ökumenischen Bahnhofsmission zugute. Und dieser Erlös wird dort dringend benötigt.

In der im Jahr 2009 gegründeten Missionsstation am Bahnhof Halberstadt leisten rund 20 Frauen und Männer einen ehrenamtlichen Dienst. Die evangelische und katholische Kirche tragen hier gemeinsam die Verantwortung für ein gemeinnütziges Projekt, "welches seit fünf Jahren erfolgreich Nächstenliebe an einem öffentlichen Ort praktiziert", so Schnee. Nicht nur auf den Bahnsteigen, auch in den Zügen fahren Missionsmitarbeiter mit, um auf den Bahnhöfen der Region nachzuschauen, ob Menschen Hilfe brauchen. Diese Hilfe wird beim Ein- und Aussteigen gern in Anspruch genommen.

Junge und Alte nehmen Angebot in Anspruch

"Heute ist die ältere Generation selbstbewusst viel mit den Zügen unterwegs und kommt doch ab und zu in eine Notlage", sagt Schnee. Erschöpft, orientierungslos, traurig: Die Helfer der Bahnhofsmission, ob in blauen Westen oder Jacken, haben einen Blick für solche Notlagen und bieten dann ihre Unterstützung an.

In den modernen Räumen am Halberstädter Bahnhof finden nicht nur ältere Menschen einen Ort zum Ausruhen. "Es ist erstaunlich, wie viele Kinder allein mit dem Zug unterwegs sind. Auch hierbei haben wir einen guten Blick auf die jungen Fahrgäste." So manches Pflaster sei schon geklebt worden, und ein Kakao hilft immer beim Trösten, wenn die Seele verwundet ist. Zuhören, eine Stulle als Stärkung schmieren und die Hilfesuchenden an die Stellen in der Stadt zu vermitteln, die weiterhelfen können: Das seien die Hauptaufgaben einer Bahnhofsmission heute.

Constantin Schnee ist nach eigenem Bekunden sehr glücklich mit seinem Team, dass er lieber Dienstgemeinschaft nennt. Der Jüngste ist gerade 14 Jahre alt und die älteste Helferin feiert bald ihren 70.Geburtstag. Ob Schüler oder Rentner, Arbeitsloser oder Geschäftsmann, Beamter oder Angestellter, "die Dienstgemeinschaft ist und soll so bunt sein, wie die Menschen in und um Halberstadt sind", so der Missionsleiter.

Umstiegshilfen werden angeboten

Diese bunte Dienstgemeinschaft leistet so einiges. Im Jahr 2014 hatte die Bahnhofsmission insgesamt 2500 Stunden geöffnet. In dieser Zeit fanden mehr als 4000 Menschen einen Aufenthalt in den Räumen der Bahnhofsmission. Es wurde rund 280 Mal materielle Hilfe geleistet, vom Straßenbahnfahrschein bis zu ordentlichen Schuhen oder einer warmen Jacke im Winter. Fast 100 Menschen wurden an weitere Beratungsstellen vermittelt, und etwa 50 Menschen hatte ein Seelsorgegespräch weitergeholfen.

Auf den Bahnhöfen Wernigerode, Aschersleben, Quedlinburg und Halberstadt haben die Ehrenamtlichen der Mission im vergangenen Jahr 12 000 Umstiegshilfen geleistet. "Mit diesem Bedarf hat vor fünf Jahren bei der Gründung keiner gerechnet", sagt Constantin Schnee und fügt hinzu: "Stets kommen immer wieder neue Herausforderungen auf unsere ehrenamtliche Dienstgemeinschaft zu."

Ehrenamtliche kümmern sich um Flüchtlinge

Zurzeit haben die Ehrenamtlichen im Monat Kontakt zu rund 500 Flüchtlingen auf dem Weg zur zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber im Bundesland Sachsen-Anhalt, die sich in den Halberstädter Bergen befindet. Viele von ihnen seien Kriegsflüchtlinge und entsprechend traumatisiert, müde und abgehetzt.

Diesen Menschen zu helfen, sei eine wirklich neue Herausforderung für die Bahnhofsmission, und deshalb sind die Mitarbeiter froh über jede Unterstützung. "Da kommt ein Benefizkonzert mit solch bekannten Menschen wie Clemens Bittlinger gerade recht", sagt der Leiter der Bahnhofsmission und hofft auf viele Konzertbesucher am 10. Juli um 20 Uhr im Kreuzgang des Halberstädter Doms.

   

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