Elbingerode l "Es war doch recht eng im Bauch des Wolfes", meinten Rotkäppchen und die Großmutter, als der Jäger mit einer großen Schere den Bauch des fressgierigen Meisters Isegrim aufschnitt und die beiden aus dem finsteren Inneren befreite.

Dies erlebten hunderte Besucher, als die Darsteller der Schauspielgruppe der evangelischen Kirchengemeinde kürzlich das Märchen "Rotkäppchen und der Wolf" frei nach den Gebrüdern Grimm in der Kirche aufführten.

Es gab kaum einen leeren Sitzplatz in dem großen Kirchenschiff. Selbst vor der ersten Sitzreihe saßen die Kleinen auf dem Boden und verfolgten ganz interessiert das Spielgeschehen.

"Es ist schon unser sechstes Märchenstück, das wir aufführen, meist zum Erntedankfest. Doch diesmal entschieden wir uns aus mehreren Gründen für das Weihnachtsmarkt-Wochenende", sagt Christiane Woratz als Organisatorin und Regisseurin. Sie forscht immer im Internet nach geeigneten Stücken, fündig wird sie fast immer bei einem Märchenverlag.

Meist werden die Vorlagen umgeschrieben, verkürzt oder ergänzt, je nach Bedarf. Beim "Rotkäppchen" wurde der Schluss mit dem Freudentanz über das Weiterleben des Wolfes nach eigenen Ideen ergänzt. Frei nach dem Gassenhauer vom Alten Holzmichel, und die Kirche hallte wider vom "Jaaaa, er lebt noch ..."

"Auf den Hit kamen wir, als bei einer Probe ein Mitwirkender dieses Lied einfach vor sich hin summte", so Christiane Woratz dazu. Außerdem konnte das Publikum den Wolf in der Elbingeröder Fassung gleich in zwei Gestalten erleben - als alten Mann (Gerhard Beyer), der Rotkäppchen (Heike Dannhauer) zur Großmutter (Sabina Piatrowski) schickt, sowie auch als tierischen Wolf (Ernst Wachter), der dann mit viel Getöse sowohl die Großmutter als auch ihre Enkelin verschlang.

Doch mit der großen Gartenschere schnitt der Jäger (Detlef Papra) den Wolfsbauch auf, und beide krabbelten vergnügt heraus. Diese wichtige Szene war sehr geschickt gestaltet worden.

Als Führer durch die Handlung fungierten ein Baum (Jan-Niklas Fiebelkorn) und Häschen Hoppel (Susanne Fiebelkorn). In ihren Zwiegesprächen wurde die Handlung erläutert und weiter vorangetrieben. So verging die einstündige Aufführung wie im Fluge. Die Kinder waren gebannt, gingen mit und wurden oft auch ins Geschehen einbezogen.

Alle Protagonisten gaben ihr Bestes, war sich das Publikum mit einem Riesenapplaus einig. Es gilt auch für die bisher noch nicht genannte Mutter (Sylvia Scharun).

"Es war eine Freude, allen zuzusehen", hieß es mehrfach vergnügt beim Hinausgehen, und die Besucher zeigten sich dabei recht spendenfreudig. Für 2012 ist eine neue Aufführung angekündigt.