Eine ungewöhnliche Unfallserie gab es am Sonnabendvormittag in Ilsenburg. Binnen fünf Stunden schlitterten drei Pkw in der Schlossstraße in ein und dasselbe Zaunfeld. Verletzt wurde zum Glück niemand.

Ilsenburg l Die Meldung über einen unter Alkoholeinfluss stehenden Kraftfahrer in der Dienstagsausgabe ließ eine Volksstimme-Leserin zum Telefonhörer greifen. Sie fragte, warum nur dieser eine und nicht alle drei Unfälle erwähnt wurden. Und sie beschwerte sich, dass durch den Winterdienst der Stadt Ilsenburg nicht gestreut wurde. Die Harzer Volksstimme hakte nach.

Dabei stellte sich heraus, dass die Anruferin völlig Recht hatte. Es gab am Sonnabend an ein und derselben Stelle binnen fünf Stunden drei Verkehrsunfälle. Den ersten um 5 Uhr hatten die Hauseigentümer gar nicht bemerkt und erfuhren erst später davon. Als es um 8.50 Uhr auf der Schlossstraße immer noch eisglatt war, informierte der Mann den Verwaltungsmitarbeiter Hans-Jürgen Bley über den gefährlichen Straßenzustand. Dieser versprach, sich um Abhilfe zu kümmern.

Danach beseitigte der Anwohner die Spuren des 5 Uhr-Unfalles. Als gegen 9.40 Uhr immer noch kein Streufahrzeug in Sicht war, rief der erneut bei Bley an. Die Auskunft war die gleiche. Doch anstatt des ersehnten Winterdienstes gab es schon eine halbe Stunde später das nächste Glatteis-Opfer. Um 10.10 Uhr rutschte der BMW eines Hamburger Paares genau in das Zaunfeld, das bereits um 5 Uhr demoliert wurde. Noch während Fahrer und Geschädigter auf die Polizei warteten, kollidierte sogar noch ein dritter Pkw mit dem BMW und schob diesen noch ein wenig weiter auf das Grundstück.

Der Fahrer des dritten Fahrzeugs war ein Mitarbeiter der Ilsenburger Stadtverwaltung, der seinerseits noch einmal in Sachen Winterdienst nachhakte. Erst gegen 11 Uhr kam das lang ersehnte Fahrzeug und sorgte für Sicherheit auf der Straße.

"Wir waren auf das Eis nicht vorbereitet"

Denis Loeffke, Bürgermeister der Stadt Ilsenburg

Mit den Vorwürfen über den mangelnden Winterdienst konfrontierte die Volksstimme Ilsenburgs Bürgermeister Denis Loeffke. Dieser hatte nur Kenntnis von einem Unfall, versprach aber Aufklärung. Zwei Stunden später kam erklärte Loeffke: "Herr Bley hat sofort dem Bereitschaftsdienst des Bauhofes Bescheid gegeben. Dies war Bauhofleiter Michael Löwe. Auch der klemmte sich sofort ans Telefon und versuchte, einen Fahrer für das Streufahrzeug zu alarmieren."

Löwe hatte jedoch wenig Erfolg, denn es dürfen nur zwei Kollegen das Auto fahren. Einer der beiden hatte Dienst im Wertstoffhof, der andere, der offiziell frei hatte, sei nicht zu erreichen gewesen. Nach mehreren telefonischen Fehlversuchen habe Löwe angeordnet, dass der Wertstoffhof unbeaufsichtigt bleiben soll, damit der Mitarbeiter die Schlossstraße streuen könne. Der Bürgermeister räumte rückblickend ein, dass die Stadt auf das Eis vom Sonnabend nicht vorbereitet war. "Soweit mir bekannt ist, gab es nur eine offizielle Sturmwarnung. Da kein Schneefall angekündigt war, haben wir im Vorfeld auch keine Winterbereitschaft ausgerufen. Dass es die Probleme mit dem Eis gab, war daher auf Grund der Wetterprognosen nicht vorhersehbar", argumentierte er.

Aus den Unfällen habe Loeffke aber Konsequenzen gezogen und angeordnet, dass "ab sofort täglich beim Verdacht auf Minusgrade ein Bauhof-Fahrzeug in den Morgenstunden eine Winterdienst-Inspektion vornimmt". Die Mitarbeiter sollen die gefährlichen Straßenbereiche der Stadt (darunter die Schlossstraße und den Drübecker Bahnübergang) prüfen und bei Bedarf abstumpfen. "Das kostet uns zwar mehr Geld, ist aber immer noch besser, als Menschen bei Unfällen zu Schaden kommen", so Loeffke.

"Abbiegeverbot gilt nur in den Wintermonaten"

Hans-Jürgen Bley, Mitarbeiter im Ordnungsamt der Stadt, zuständig für Gefahrenabwehr

Gestern Vormittag gab es noch eine zweite Festlegung im Ilsenburger Rathaus. Aus Richtung Kloster kommend, sei in den Wintermonaten ab sofort das Linksabbiegen in die Schlossstraße untersagt. Ein entsprechendes Verkehrsschild sei aufgestellt und solle dazu beitragen, dass die geschädigten Hausbewohner - deren Namen der Volksstimme vorliegen - künftig von unfreiwilligem Besuch in ihrem Vorgarten verschont bleiben.

Bei allem Unmut und Ärger, den der Vormittag bei allen Beteiligten mit sich brachte, gab es noch eine erwähnenswerte Begebenheit im Nachgang: Über Ilsenburger Verwandte ließ das Hamburger Paar den Geschädigten in der Schlossstraße eine kleine Aufmerksamkeit zukommen. Die Hausbewohner sollen sich während der Unfallaufnahme rührend um die schwangere Beifahrerin gekümmert haben.