Es war eine spontane Idee, aus der mittlerweile eine schöne Tradition geworden ist. Seit fast 20 Jahren treffen sich in Wernigerode alleinstehende Frauen. Zu diesem Austausch und Miteinander sind neue Interessenten herzlich willkommen.

Wernigerode l Es war vor nahezu zwei Jahrzehnten: Plötzlich und unerwartet verstarb der Ehemann einer Wernigeröder Elmo-Arbeiterin. Sie war etwa zur gleichen Zeit arbeitslos geworden. Eine Welt schien zusammenzubrechen.

Tatjana Jungjohann, damals Gleichstellungsbeauftragte in der Stadt, hörte von diesem Schicksalsschlag. Sie ermunterte diese Frau und mehrere andere mit ähnlichen Lebenswegen, sich zusammenzuschließen. So geschah es auch. Die alleinstehenden Frauen wollten von da an gemeinsam etwas unternehmen, statt einsam zu Hause zu sitzen.

Die "Gruppe der alleinstehenden Frauen" hatte sich gegründet, damals für mehrere Jahre von Anneliese Luthe geleitet, später für etwa ein Jahr von Helga Hesse. In den 1990er Jahren erlaubte es das Stadtsäckel sogar, für das Anleiten dieser Gemeinschaft eine Aufwandsentschädigung zu zahlen.

Als im Wernigeröder Rathaus das Geld knapper wurde und das Ehrenamt in den Vordergrund trat, entschied sich Regina Kobras, die organisatorische Leitung dieser Frauengruppe zu übernehmen. "Es sollte ja weitergehen", habe sie sich damals gesagt. Auch heute denkt sie noch so und überlegt sich gemeinsam mit den anderen fünf bis acht Frauen, die regelmäßig jeden Dienstag zu den Treffen kommen, abwechslungsreiche Themen für diese Zusammenkünfte. Regina Kobras: "Mal wird nur geklönt, mal ein kleiner Ausflug unternommen, einmal im Monat sogar gekegelt." Die Chefin: "Wir Frauen wollen jemanden zum Aussprechen haben, auch über die frühere Arbeit reden und inzwischen immer häufiger über Veränderungen, die das Älterwerden mit sich bringt."

All diese Frauen haben das gleiche Schicksal. Sie waren verheiratet, die Männer sind inzwischen verstorben. Sie haben alle Kinder, Enkel und zum Teil Urenkel, jeder hat somit eigene Familienangehörige. Die "lustigen Witwen", wie die 78-jährige Anneliese Groß über die Mitglieder dieser Gruppe sagt, wollen aber gelegentlich gern mit Gleichaltrigen über ihre Probleme reden.

Weihnachten allerdings wird jede der Frauen, die alle zwischen 70 und 80 Jahre alt sind, mit ihren Angehörigen verbringen. Zuletzt wurde sich viel über die liebevoll ausgesuchten Weihnachtsgeschenke für die eigenen Verwandschaft ausgetauscht. "Das muss sein", so Regina Kobras.

"Schlüpfen gern wieder unter die Fittiche des Frauenzentrums."

Derzeit trifft sich die Gruppe in den Räumen der Volkssolidarität in der Albert-Bartels-Straße. Ursprünglich war sie im Frauenzentrum integriert. Als dieses nach Hasserode umziehen musste und der Treff erst nach emsigem Treppensteigen erreicht war, bot die Volkssolidarität Obdach. Nun aber steht ein neuerlicher Umzug bevor. Das Frauenzentrum wird noch im Januar sein neues Domizil in der unteren Breiten Straße beziehen. Dann, so sind sich die Frauen einig, "schlüpfen" sie gern wieder unter dessen Fittiche.

"Auch wenn wir uns alle seit vielen Jahren kennen, sind alleinstehende Frauen stets bei uns willkommen." Regina Kobras sei nämlich überzeugt davon: "Es ist schöner, gemeinsam etwas zu unternehmen, als einsam zu Hause zu sitzen."